An Wolfsburg vorbeigezogen

Gewerbesteuer: Verden auf dem Weg zur Nummer 1 in Niedersachsen

Blaue Flächengrafik vor dem Rathaus
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Seit den 80er-Jahren kontinuierlich ansteigend: Das Gewerbesteueraufkommen der Stadt Verden.

Trotz Corona sprudelt in Verden die Gewerbesteuer immer besser. Aber jetzt droht das dicke Ende.

Verden – Die wuchtigen Zahlen, die am heutigen Dienstagabend auf den Tisch in der altehrwürdigen Schule am Meldauer Berg ans Licht kommen, haben das Zeug, Geschichte zu schreiben. Geschichte in ganz Niedersachsen. Wie berichtet, liegt die Stadt Verden im laufenden Jahr bei der Gewerbesteuer um mehr als 16 Millionen über den Planungen. Das Stadtsäckel, für das vor einem Jahr noch ein Minus von 2,3 Millionen vorhergesagt war, platzt jetzt mit einem Plus von 15,3 Millionen Euro aus allen Nähten. Ein Überschuss wie wahrscheinlich noch nie in der mehr als tausendjährigen Geschichte der Stadt.

Und ein Überschuss, der Eingang in die Rekordannalen des Landes Niedersachsen findet. Nun gehörte die Allermündung noch nie zu den Armenhäusern zwischen Harz und Nordsee, im Gegenteil. „Bei der Gewerbesteuer pro Einwohner rangierten wir in den vergangenen Jahren eigentlich immer unter den Top fünf niedersachsenweit“, sagt Stadtkämmerer Andreas Schreiber. „Wolfsburg lag vorn, dann kam ‘ne ganze Weile gar nichts, und dann haben wir uns mit Langenhagen und einigen anderen einen Wettlauf um die nächsten Plätze geliefert.“

2020 lag nur noch Lemwerder vor Verden

Dieser Wettlauf ist vorbei. Im Jahr 2020 fiel das Verdener Gewerbesteuer-Aufkommen mit rund 47 Millionen Euro bereits üppig aus. Pro Einwohner mehr als rund 1 600 Euro. In Niedersachsen konnte nur noch die 8 000-Seelen-Gemeinde Lemwerder mit einem Aufkommen von 1 629 Euro mithalten. 25 Euro liegt der Airbus-Standort noch vor den Dagobert Ducks von der Aller. Das belegt eine Erhebung des Landesamtes für Statistik. Wolfsburg stürzte auf 370 Euro ab, Langenhagen auf 860 Euro.

Aber dann kam das Jahr 2021 mit dem nächstem Sprung bei der sprudelnden Gewerbesteuer der Stadt Verden. Plötzlich schlagen mehr als 2 000 Euro pro Einwohner zu Buche. In vielen anderen Kommunen sank dagegen das wichtigste Finanzierungsmittel für sämtliche kommunalen Wünsche. Nicht unwahrscheinlich also, dass die Allermündung diesmal nicht nur vorn dabei ist, sondern die Spitzenposition belegt. Die endgültigen Zahlen dürften allerdings erst ab Frühjahr des kommenden Jahres vorliegen.

Schreiber führt den nochmaligen Zuwachs auf den breiten und sehr robusten Unternehmensmix der Stadt zurück. „Die Geschäfte florieren offenbar über alle Branchen hinweg.“ Ob Tierfutter, Maschinenbau, Elektrik, Ernährung, Logistik, Tiefbau, Hochbau, Straßenbau – tatsächlich klagte keiner der großen Betriebe über Absatzprobleme. Mehr als 1 000 neue Jobs entstanden. All das zusammen gilt zwar als Sonderentwicklung, die sich so schnell nicht wiederholt, aber der frischgebackene Krösus von der Aller weist eine bemerkenswerte Kontinuität auf. Seit 2007 liegt die Gewerbesteuer bei mehr als 1 000 Euro pro Einwohner, lediglich im Jahr 2010 kam es im Zuge der Weltwirtschaftskrise zu einem Rückgang auf 916 Euro. Für das kommende Jahr sind lediglich 42 Millionen Euro eingeplant, das entspricht rund 1500 Euro pro Einwohner.

Luxus also ohne Ende zwischen Rieda und Walle? Nicht ganz. So exzellent das Ergebnis in diesem Jahr ausfällt, so dramatisch schlecht fällt es im nächsten Jahr aus. Schreiber kalkuliert mit einem Minus von mehr als 12 Millionen Euro. Eines der größten Haushaltslöcher in der Geschichte der Stadt Verden. Die Ursache: Wer viel einnimmt, der muss den anderen auch viel abgeben. Rund die Hälfte des Minus fließt deshalb in die Umlage nach oben, in die Kreiskasse zum Beispiel. Noch können die Rockefeller von der Aller ganz gut damit leben. Die angehäuften Jahresüberschüsse der vergangenen Dekade summieren sich auf 50 Millionen Euro.

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