Ernährung nach Sebastian Kneipp

Auch Gesundheit geht durch den Magen – weiß der Kneippverein Verden

Leckere Speisen
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Der Tisch ist reich gedeckt, mit Speisen, die wohl auch Pfarrer Sebastian Kneipp für gut befunden hätte.

Verden – Liebe geht durch den Magen, sagt der Volksmund. Gesundheit auch, könnte Sebastian Kneipp ergänzen. „Der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche – nicht durch die Apotheke“, lautet ein Zitat des Pfarrers.

Sein Name wird vor allem mit Wassertreten, Wechselduschen und kalten Güssen in Verbindung gebracht. Doch geht es um die Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten, hatte der Geistliche schon im 19. Jahrhundert den ganzheitlichen Ansatz im Blick, den Einklang von Körper und Geist. Auch über die Ernährung.

Für Susanne Meyer, Kathrin Fehsenfeld, Christine Ernst und Manfred Köster vom Kneipp-Verein Verden darum eine klare Sache: Die Lehren von Sebastian Kneipp haben nichts an Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil: In Zeiten, in denen Umweltschutz und Nachhaltigkeit immer mehr gefordert werden, erscheinen die Erkenntnisse des Geistlichen modern, ja geradezu zukunftsweisend.

Das Quartett hat sich an diesem Morgen auf der Terrasse von Kathrin Fehsenfeld zusammengesetzt, um den Festtag, terminiert auf den 4. September, zu planen. 70 Jahre Kneipp-Verein Verden und der 200. Geburtstag des Namensgebers sollen gefeiert werden.

Weil’s gemütlicher ist und weil die Presse ja etwas über Ernährung nach Kneipp wissen möchte, steht auch einiges zu essen auf dem Tisch: glutenfreie Kekse von Christine Ernst, die das Klebereiweiß nicht verträgt, Quarkbrötchen von Susanne Meyer, und Kathrin Fehsenfeld fährt Hüttenkäse mit vielen Kräutern aus dem eigenen Garten auf, Naturjoghurt mit Heidelbeeren, dazu eine Kanne Linde’s Kornkaffee aus Gerstenmalz, Gerste, Roggen und Zichorie, auch Wegwarte genannt. Deren Wurzeln, geröstet und gemahlen, dienten schon im 17. Jahrhundert als Kaffee-Ersatz.

Vom Kaffee selber hielt Kneipp nicht allzu viel. „Von der Zeit an, in der das Kaffeetrinken zunahm, nahm der Verstand im Allgemeinen ab“, soll er gesagt haben. „Aber er war auch ein Genussmensch“, flicht Christine Ernst ein. So hatte der Pfarrer gegen ein Glas Bier dann und wann nichts einzuwenden. Auch aus praktischen Erwägungen: „Bier war sauberer als Wasser“, erklärt Kathrin Fehsenfeld.

Bevorzugter Durstlöscher ist dennoch das Wasser. Aber nicht zum Essen. Hier sollte gründliches Kauen die Verdauung fördern. Die Speisen runterspülen und dem Magen samt seiner Säfte die Arbeit überlassen? Nicht mit Sebastian Kneipp.

Doch was macht denn nun eine Ernährung im Sinne des Pfarrers aus? „Sie soll einfach sein“, sagt Christine Ernst. „So natürlich wie möglich“, ergänzt Kathrin Fehsenfeld. Das bedeutet einerseits kein Chichi mit einer Prise hiervon und einer Messerspitze davon. Und es meint andererseits: Auf den Tisch kommt vorrangig Regionales und Saisonales.

„Ernährung hat sich bei ihm im Kreislauf der Natur bewegt“, erklärt Kathrin Fehsenfeld. Aus ihren Erfahrungen mit Heil- und Gewürzkräutern weiß die 45-Jährige, dass die Natur aber in der Regel stets das bietet, was der Körper gerade braucht.

Ausgewogen und vielseitig sollte essen, wer sich im Sinne von Sebastian Kneipp ernähren möchte. Viel frisches Obst und Gemüse, wenig Fleisch, einmal in der Woche Fisch, das sind so ein paar Grundsätzlichkeiten. Wenig kompliziert, leicht in den Alltag zu integrieren.

„Eiweiß war für ihn wichtig“, fügt Kathrin Fehsenfeld hinzu. Milchprodukte sollten daher täglich genossen werden. Zucker gehört hingegen nicht auf einen Kneipp’schen Speiseplan. Und auch beim Würzen mit Salz und Pfeffer ist Zurückhaltung gefragt. Das Angebot an heimischen Kräutern, ob nun frisch oder getrocknet, sei allerdings so groß, dass das nicht schwerfallen dürfte, betont Susanne Meyer. Nicht ohne Grund wird Liebstöckel „Maggikraut“ genannt. Und als Pfeffer-Ersatz hat Kathrin Fehsenfeld noch einen besonderen Tipp: „Bohnenkraut nehmen, das wächst vor der Haustür.“

Sicher, sklavisch halten sich auch die vier vom Kneipp-Verein nicht an das, was der Pfarrer vorgibt in Sachen Ernährung. Vieles habe sie aber übernommen und seitdem „keine Kreislaufprobleme mehr“, berichtet Christine Ernst. Er selber sei „diabetisch veranlagt“, sagt Manfred Köster. Dank einer ausgewogenen Ernährung mit vielen Vitaminen, wenig Zucker und Salz gehe es ihm aber gut.

Sebastian Kneipp würde dies sicher mit Freude hören. In dem Wissen, dass auch kleine Sünden gestattet sind. Schließlich ging es ihm um den Einklang von Körper und Geist. Dazu gehört auch die Freude am Essen, am besten in Gesellschaft. Zur Förderung der Kommunikation.

Fortsetzung unserer Artikel-Serie geplant

Der Kneipp-Verein feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen, Sinnstifter und Namensgeber Sebastian Kneipp wäre 200 Jahre alt geworden. Dies nehmen wir zum Anlass, bis September monatlich weitere Aktivitäten des Vereins vorzustellen. Die kleine Serie orientiert sich dabei an den fünf Elementen, die die Lehre Sebastian Kneipps ausmachen: Lebensgestaltung, Wasser, Heilkräuter, Ernährung und Bewegung.

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