Geschichte von Philipp Christoph von Königsmarck im Domherrenhaus gespielt

Ein neues Bild gezeichnet

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Julia Nehus und Dr. Björn Emigholz.

Verden - Von Johanna Zeuner. „Sie werden sich schämen müssen, so geliebt zu werden“, schreibt Sophia Dorothea von Hannover an Philipp Christoph von Königsmarck. In einer Matinee am Sonntagmorgen lasen Julia Nehus und Dr. Björn Emigholz aus dem Briefwechsel des für seine Zeit sehr ungewöhnlichen Paares. Gegen alle Klischees hat die Stader Künstlerin Anja Seelke anhand der Briefe ein neues Bild des historischen Ausnahmepaares Sophia Dorothea von Hannover und Philipp Christoph von Königsmarck entworfen. Dabei deckte sie hinter den Kulissen der hannöversch-welfischen Hofgeschehens eine Liebe auf, die allem barocken Zeitgeist an Etikette und Authentizität widersprach.

Anja Seelke sagte, diese Liebesgeschichte habe sie schon immer fasziniert. Das Motiv der beiden barocken Ausnahmefiguren ziehe sich quer durch die Literatur, so durch Arno Schmidts „Das steinerne Herz“, werde dort jedoch oft genug verzeichnet. P. C. von Königsmarck sei kein wahlloser Frauenheld gewesen, und die 16 Jahre junge S. D. von Hannover kein naives Herzogentöchterlein. Zitate wie „diese Liebe ist mir eingegeben und wird mit mir sterben“ und „an ihm lassen alle meine Wünsche sich genügen“ erreichten 300 Jahre später das Herz der Matineebesucher.

Vier Jahre währte die Liebe der beiden. Dabei war zumindest P. C. von Königsmarck früh bewusst, dass es kein gutes Ende geben würde. Dennoch lebten sie ihre Liebe auf verschlungenen Wegen, mitten hindurch durch das höfische Getümmel und mit der Zeit entstehende Animositäten. „Mutig“ seien sie gewesen, sagt Dr. Björn Emigholz vom Domherrenhaus, gegen allen barocken Zeitgeist – und doch insofern in diesem, als dass sie wussten, dass ihr Leben kurz währt.

„Man lebte damals kürzer, aber viel intensiver“, so Emigholz. Julia Nehus, befragt danach, wie es ihr ging in der Haut der S. D. von Hannover, sagte: „Dünnhäutig habe ich mich gefühlt“. Bei allen warmen Worten, die die Zuhörer erstaunt haben mögen in ihrer Innigkeit und Echtheit, ging die Liebesgeschichte dennoch dunkel zu Ende. P.C. von Königsmarck wurde auf dem Weg zu seiner Geliebten am vierten Jahrestag ihres ungeschriebenen Bundes heimlich erstochen. S.D. von Hannover starb, so Seelke, „nur den gesellschaftlichen Tod“. Ab ihrem 21. Lebensjahr führte sie ein abgeschottetes Leben auf Schloss Ahlden, fern ab ihrer Kinder und des Hofes und ohne Information über den Verbleib ihres Geliebten.

Anja Seelke begleitete den Briefwechsel ebenso pointiert wie sprachlich angenehm mit historisch orientierenden Kommentaren. Selber begeistert von der Lesung, entwickelte Julia Nehus die Idee, man könne auch ein „Hörspiel“ daraus machen. Seelke ist mit ihren Briefwechseln schon an geschichtsbezogenen norddeutschen Orten unterwegs gewesen. Immer nimmt sie dabei auch ihre eigenen popartig anmutenden, differenzierten Portraits des Paares, das irgendwie aus der Zeit fällt, mit. Das Domherrenhaus bleibt auch auf der Theaterspur. Am 11. Juli wird es im Innenhof ein Theaterstück über die Irritationen der Nachkriegsgeneration geben, unter dem Titel „Reise nach Jerusalem“.

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