„Gerne hätten wir mehr getan“

Wenn helfen gar nicht so leicht ist: Langwedeler im Katastrophengebiet

Viele Menschen stehen neben vielen Hilfsgütern.
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Schaufeln, Pumpen, Feuerwehrausrüstung, Wasser, Klopapier: „Die Spendenbereitschaft der Langwedeler war gigantisch“, sagt Frank Weiberg.

„Wir waren bedrückt, frustriert, schockiert. Wir hatten Gänsehaut und manchmal einen Kloß im Hals. Wir haben aber auch gelacht. Wir konnten helfen und wir haben neue Freunde gefunden.“ Frank Weiberg steht noch immer unter dem Eindruck des vergangenen Wochenendes, als er, gemeinsam mit zehn Freunden und Feuerwehrleuten aus Daverden, Etelsen, Holtebüttel und Langwedel, auf private Initiative hin ins Flutgebiet nach Rheinland-Pfalz gefahren ist.

Langwedel/Ahrweiler – Der Feuerwehrmann hatte vergangene Woche die Idee zu der Hilfsaktion. Ein alter Bekannter, der aus Thedinghausen in die Pfalz gezogen und heute Mitglied der Feuerwehr Pleckhausen im Westerwald ist, hatte den Langwedelern mitgeteilt, was dringend vor Ort gebraucht werde: Schaufeln, Besen, Eimer, Arbeitshandschuhe. . .   Weiberg startete einen Aufruf und zeigt sich beeindruckt von der großen Hilfsbereitschaft der Langwedeler. Er bedankt sich insbesondere bei der Wintershall Dea, Malerbedarf Güttner, Leymann Baustoffe, Wilkens Langwedel, der Classic-Tankstelle, den Bauunternehmen Holzkamm und Matthäi, der Apotheke Daverden und Edeka Redling. Und natürlich bei den vielen Privatleuten, die auf Weibergs Hof fuhren und Schaufeln, Besen, sogar Pumpen, kistenweise Wasser, Zahnbürsten und Toilettenpapier brachten. „Es war gigantisch.“

Riesengroße Hilfsbereitschaft der Langwedeler

Mit elf Helfern, drei Fahrzeugen, einem Mini-Bagger, Stromaggregaten, Pumpen und reichlich Spenden ging es in der Nacht zu Samstag ins Katastrophengebiet. Untergebracht wurden die Langwedeler von örtlichen Feuerwehrleuten. Erste Station für die motivierten Niedersachsen sollte die Ortschaft Dernau sein. „Mit Glück und Diplomatie durften wir die Polizeisperre passieren und uns in die kilometerlange Schlange der anfahrenden Helfer einreihen“, berichtet Wei-berg. Gegen 12.30 Uhr waren die Langwedeler bis auf zwei Kilometer an Dernau herangekommen, als sie die Information erreichte, dass der Ort wegen erwarteter starker Niederschläge evakuiert wird. „Starkregen ist in den betroffenen Orten besonders gefährlich, weil in großen Teilen keine Kanalisation mehr vorhanden ist, die den Regen aufnehmen und ableiten könnte“, so Weiberg.

Vor Ort dann: Viele Helfer auf der Suche nach Arbeit

Nach Rücksprache mit ihrem Kontakt vor Ort steuerten die Helfer dann Ahrweiler an, wo sie in der Innenstadt zum ersten Mal mit eigenen Augen das Ausmaß der Zerstörung sahen. „Die Bilder in den Nachrichten sind das eine – das alles mit eigenen Augen zu sehen, etwas anderes“, erzählt der 41-Jährige. „Da gibt es keinen Strom, kein Wasser, kein nichts. Da sieht es aus wie im Kriegsgebiet. Überall ist Schlamm.“ Und überall sind Menschen: „Hunderte Helfer waren dort wie wir auf der Suche nach Arbeit. Nach einer Stunde Fußmarsch sind wir zu der Erkenntnis gelangt, dass unsere Hilfe dort nicht benötigt wird und haben schweren Herzens entschieden, die gut einstündige Rückfahrt in unser Quartier anzutreten.“

Der Schlamm muss weg: Die Langwedeler helfen beim Räumen eines Kellers in Bad Neuenahr.

Enttäuscht und frustriert saßen die Langwedeler gerade wieder in ihren Autos, als sie einen Anruf aus Bad Neuenahr bekamen. Dort musste ein Keller von Schlamm und Unrat befreit werden. „Nachdem wir auch die dortige Polizeisperre passiert hatten, konnten wir endlich anpacken.“ Zusammen mit einer Frauengruppe aus dem Rheinland haben die Langwedeler innerhalb von zwei Stunden sämtliches Inventar und Mengen an Schlamm aus dem Keller geholt. Im Anschluss haben sie von den Koordinatoren in Bad Neuenahr einige Aufträge für den Sonntag bekommen – die Freude war groß. „Leider hat uns auf der Rückfahrt die Nachricht erreicht, dass per Allgemeinverfügung am Sonntag und Montag keine zivilen Fahrzeuge mehr in das Katastrophengebiet einfahren dürfen.“ Hintergrund sei, dass mit großem Gerät der sich in den Straßen stapelnde Unrat in einer konzentrierten Aktion abgefahren wird.

Feuerwehrleute knüpfen Kontakte

„Da wir uns an Regeln halten und die Beseitigung des Unrats unbedingt erforderlich ist, um die Ausbreitung von Ratten und Ungeziefer einzugrenzen, bedeutete das, dass wir Sonntag nicht würden arbeiten können. Das hat uns sehr enttäuscht, war aber letztlich nicht zu ändern.“ Zurück in der Unterkunft verbrachten die Langwedeler nach einer dringend nötigen Dusche einen angenehmen Abend mit ihren Kameraden von der Feuerwehr Pleckhausen. „Ich bin mir sicher, wir werden Freunde bleiben.“

In einigen Wochen würden viele der freiwilligen Helfer das Katastrophengebiet verlassen, auch, weil sie irgendwann wieder arbeiten gehen müssen. „Trotzdem wird auch und gerade dann noch jede helfende Hand gebraucht. Und dann sind wir da.“ Zum Beispiel, wenn in ein paar Wochen Möbelspenden vor Ort verteilt werden müssen, oder es in einigen Monaten darum gehe, mit Motorsägen die Wanderwege in dem beliebten Touristengebiet freizulegen, Fahrzeuge aus Baumkronen zu holen und so weiter. „Da wird sicher Manpower gebraucht.“

Eins ist klar: Die Langwedeler kommen wieder

Nach dem Frühstück haben die Langwedeler gespendetes Equipment bei der Feuerwehr in Pleckhausen abgegeben, von wo es an diejenigen Wehren in der Region gehen soll, die wegen der Flutkatastrophe aktuell nicht einsatzfähig sind. Die gesammelten Spenden haben sie an Thomas Buhr übergeben, der in Bührdenbach die Koordination der Spenden übernommen hat. „Er hat sich riesig darüber gefreut.“ Dann ging es zurück nach Langwedel.

„Gerne hätten wir mehr getan: mehr geholfen, mehr geschleppt. Aber wir haben wertvolle Kontakte vor Ort knüpfen können, durch die wir unseren nächsten Besuche vor Ort deutlich besser koordinieren können.“

Autos türmen sich in den Straßen: Sie wurden von den Fluten mitgerissen.

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