Gerhard Schindowsky im Alter von 72 Jahren verstorben / Wirt im „Essighaus“

In Verden Kultstatus erreicht

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Gerhard Schindowsky (†) am Strand seiner Lieblingsinsel Sylt.

Verden - Von Volkmar Koy. Er war mit seinem Spitznamen viele Jahre das „Aushängeschild“ der Verdener Gastronomie. Nun hat sein Herz aufgehört zu schlagen. „Schindy“ verstarb vor wenigen Tagen in einer Klinik in Lübeck. Eine Nachricht, die vermutlich viele Verdener sehr traurig stimmen wird. Gerhard Schindowsky (72) hat sich auf vielfältige Weise in der Reiterstadt einen Namen gemacht.

Geboren wurde Gerhard Schindowsky am 22. Juli 1942 als eines von drei Geschwistern in Nienburg. Nach der Hochzeit mit Annelore Dunker folgte bereits 1964 das erste gastronomische Ausrufezeichen in Dörverden mit „Zum Schinderhannes“ am Bahnhof. Die Söhne Thore und Normen wurden geboren. „Schindy“ war 1966 Schützenkönig in Dörverden und hatte im selben Jahr die TSV-Prellballsparte in der Gemeinde mit aufgebaut.

Nach einer Kochlehre folgte der nächste und wohl für sein Leben entscheidende Schritt auf der gastronomischen Erfolgsleiter. 1980 wurde das „Essighaus“ zusammen mit seiner Lebensgefährtin Ingrid Jaunich in der Schleppenföhrer Straße eröffnet. Es dauerte nicht lange, da war die Kneipe mit Wohlfühlcharakter zum Treffpunkt für Jung und Alt geworden. Die Namen „Schindy“ und „Essighaus“ waren untrennbar miteinander verbunden.

Und 20 Jahre lang gab es unzählige, oft bunte Erlebnisse, die sich vielfach auch in der öffentlichen Diskussion wiederfanden. Wie sollte es anders sein: „Schindy“ stand auf eine für ihn urtypische Art und Weise stets im Mittelpunkt der Geschehnisse. So löste er im Rahmen eines Großereignisses des Kaufmännischen Vereins eine Privat-Wette ein und fuhr mit dem Renn-Fahrrad allein die ganze Nacht durch von Wuppertal nach Verden.

Ebenso lebhaft wurde es für „Schindy“, als er Ensemblemitglied der Domfestspiele wurde. Als die Kaufleute einen Nikolaus für den Umzug durch die Stadt suchten, sprang (natürlich) Gerhard Schindowsky sofort ein. Eine Reihe von Promis konnte im „Essighaus“ begrüßt werden. Otto zum Beispiel verewigte sich an der Decke des Lokals. Geradezu legendär darf der Abend bezeichnet werden, als Udo Jürgens zusammen mit einer Blondine die Gaststätte nach einem Konzert enterte und Konzertmanager Fritz Rau zu später Stunde die Rolling Stones nach Verden holen wollte.

Zu seinem 50. Geburtstag ließ der umtriebige Gastronom kurzerhand die Schleppenföhrer Straße sperren, und Rolf Thiele sowie seine Middlestreet Jazzmen spielten „Schindys“ Lieblingslied: „Ice cream“ von Chris Barber. Auch bei der Verdener Domweih war Schindowsky immer für einen Gag gut und erarbeitete sich beim Volksfest fast einen Kultstatus. So ganz „nebenbei“ wurde im Jahre 1999 noch die bekannte Talkveranstaltung „Verdener Runde“ im „Essighaus“ gegründet und vor zahlreichen Zuhörern mehrfach durchgeführt.

Erst ein Brand im „Essighaus“ im Jahr 2000 setzte einen Schlusspunkt unter das unterhaltsame Geschehen. Es folgten zahlreiche weitere Projekte, die „Schindy“ nach Lübeck, Berlin, New York, Hamburg und Klanxbüll sowie Morsum bei und auf Sylt führten. Von mehreren zum Teil schweren Krankheiten gezeichnet, musste „Schindy“ zuletzt erheblich kürzer treten, hatte aber seinen ihm eigenen Lebensmut nie verloren.

Sein nun zu Ende gegangenes Lebenswerk kennzeichnen ganz besonders folgende Zeilen, die Lebensgefährtin Ingrid Jaunich zu Papier gebracht hat: „Ich bin nur ganz leise auf die andere Seite des Weges gegangen. Alles bleibt genau wie es war. Ich bleibe ich, und ihr bleibt ihr. Was wir für einander waren, das sind wir noch. Sprecht von mir wie eh und je und nicht anders. Lacht weiter über Dinge, über die wir gemeinsam gelacht haben. Warum sollte ich aus unserem Leben verschwunden sein? Nur weil man mich nicht sieht? Ich bin ja nicht weit weg. Nur auf der anderen Seite des Weges.“

Die Trauerfeier für „Schindy“ findet am kommenden Freitag, um 13 Uhr, in der Kapelle des Waldfriedhofs an der Lindhooper Straße statt.

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