Katholikinnen fordern Zugang zu kirchlichen Ämtern

„Genug rumgeeiert“

Zwei Frauen stehen vor der Kirche, an deren Tür ein Blatt Papier mit den Forderungen  zur Reformierung der katholischen Kirche angepinnt ist.
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Zwei Frauen von vielen in der bundesweiten Initiative Maria 2.0. Auch Ulrike Leim (l.) und Gisela Wegener von der St.-Josef-Gemeinde fordern eine Reformierung der katholischen Kirche.

Verden – „Es reicht einfach“, sagt Ulrike Leim. „Es ist genug geredet, genug rumgeeiert worden“, legt die 55-Jährige nach und erntet das zustimmende Nicken von Dr. Gisela Wegener. Die beiden, dazu etwa ein Dutzend weitere Frauen und Männer der Verdener St.-Josef-Gemeinde, haben sich Maria 2.0 angeschlossen. Einer bundesweiten Initiative, die für die Reformierung der katholischen Kirche kämpft.

  • Bundesweite Initiative Maria 2.0 fordert mehr Rechte für Frauen
  • Angst vor dem Machtverlust
  • Debatte mit den Oberen aussichtslos

„Wir sind nicht ein Haufen spinnerter Frauen“, betont Leim. Und Wegener ergänzt: „Da sind auch viele Ordensfrauen dabei. Und Pfarrsekretärinnen.“

Forderung nach dem Zugang für Frauen zu allen kirchlichen Ämtern

Sie alle fordern beispielsweise den Zugang für Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, die Abschaffung des Pflichtzölibats und die umfassende Aufklärung der Missbrauchsfälle in der Kirche (siehe Infokasten). Gerade in Bezug auf den Missbrauch findet Ulrike Leim harte Worte: „Ich spreche den Vertretern der Kirche jegliches Recht ab, sich noch zu sozialmoralischen Themen zu äußern.“

Das, wofür Maria 2.0 steht, gefällt nicht jedem, offenbar auch nicht in der St.-Josef-Gemeinde. So waren die von Verdener Maria-2.0-Aktivistinnen an die Kirchentür gepinnten sieben Thesen (wir berichteten) binnen weniger Stunden wieder abgerissen.

Die Verdenerin Leim ist gläubige Christin, die katholische Kirche ist ihr Heimat und zugleich auch Arbeitgeberin. Leim ist als Diplom-Theologin und Diplom-Sozialpädagogin in der Ehe-, Lebens- und Familienberatung tätig. Auch Gisela Wegener ist mehr als „nur“ Gemeindeglied. Die Ärztin im Ruhestand aus Westen ist als Lektorin tätig und gehört dem Kirchenvorstand von St. Josef an.

Verbal auf die Barrikaden

Dass sie nun – zumindest verbal – auf die Barrikaden gehen, ist für die beiden Frauen kein Widerspruch. Im Gegenteil.

„Entweder wir erleben es noch“, sagt Leim mit Blick auf den geforderten Umbruch, „oder wir erleben, dass Kirche zusammenschrumpft auf unbedeutende Größe.“ Zumal die Menschen gerade jetzt, in der Corona-Krise, merken würden: Es geht auch ohne, betont die Verdenerin.

Hälfte der Menschheit ausgeschlossen

Der Erhalt der Kirche sei eine ihrer Motivationen gewesen, sich Maria 2.0 anzuschließen, berichtet Ulrike Leim. „Sie hat so viel Potenzial als Kontrastgesellschaft“, ist sie überzeugt davon, dass die Kirche den Menschen die Frage beantworten könne, worauf es im Leben ankommt. Die Institution Kirche als Wegweiser. „Auf diesem Weg schließt sie aber mindestens die Hälfte ihrer Mitglieder aus“, fügt Gisela Wegener trocken hinzu.

Ein Blatt vor den Mund zu nehmen, ist nicht die Sache von Maria 2.0. Und auch nicht die von Ulrike Leim und Gisela Wegener. Offen sprechen sie aus, warum sich ihrer Meinung nach nichts ändert in der von Männern geprägten katholischen Kirche. „Es ist Angst vor dem Machtverlust“, sind sich die Frauen einig.

Leim nennt die Institution einen Anachronismus, eine absolutistische Form innerhalb einer Demokratie. Und sie bemängelt, dass sich in der kirchlichen Hierarchie viele Bischöfe nur gegenüber der nächst höheren Ebene in der Verantwortung sähen. Eine Debatte mit den Oberen hält sie darum für aussichtslos. „Da ist Hopfen und Malz verloren“, sagt sie. „Ich diskutiere doch auch nicht, ob die Erde eine Scheibe ist.“

Weitere Informationen

zu der Initiative sind im Internet unter der Adresse www.mariazweipunktnull.de zu finden.

Von Katrin Preuss

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