Der ehemalige Verdener Bäckermeister Claus Carstens feiert seinen 80. Geburtstag

Generationen im Stadtbild

Bärbel Rater gratuliert Claus Carstens im Namen der Stadt Verden.

Verden - Als der Anita-Augspurg-Platz noch Von-Einem-Platz hieß, gehörte die kleine Bäckerei Carstens zum gewohnten Bild des Platzes. Der Laden ist lange verschwunden und der ehemalige Inhaber Claus Carstens seit langem Ruheständler. Jetzt feierte der Bäckermeister seinen 80. Geburtstag.

Das Geschäft am Anita Augspurg-Platz, damals Von-Einem-Platz.

Im Olympiajahr 1936 kam der Jubilar als Stammhalter und ältestes von vier Kindern in seinem Elternhaus am Von-Einem-Platz 1 zur Welt, berichtet Tochter Birgit Carstens aus der Familiengeschichte. Ihr Großvater Kurt Carstens führte damals in der zweiten Generation die Bäckerei, Mutter Elisabeth entstammte der Achimer „Honigkuchendynastie“ Rieke. Bereits nach einer kurzen Kindheit begann früh der Ernst des Lebens für den siebenjährigen Claus Carstens und seine drei kleinen Schwestern, als der Vater 1943 in den Kriegsdienst eingezogen wurde und 1946 in russischer Gefangenschaft verstarb. Für Claus bedeutete dies, dass er trotz starken Asthmas und Nahrungsmittelallergien den Beruf des Bäckers erlernte, um die Nachfolge im Betrieb zu gewährleisten. „Das war damals eben so“, erinnert er sich.

Nach dem Besuch der Pestalozzi- und der Mittelschule führten ihn seine Lehr- und Gesellenjahre deshalb auch oft in Luftkurorte. Als die Lehre in Wüstenrot abgeschlossen war, verbrachte der Jubilar die Gesellenjahre in Verden, Achim und Bremen, aber auch in St.Peter-Ording, Springe am Deister, Konstanz am Bodensee, Oldenburg und Hannover, bevor eine Konditorlehre im Harz folgte.

Die Anfänge des Bäckerei-Betriebs. Zeiten, in denen das Pferd noch bei der Auslieferung der Backwaren benötigt wurde. - Fotos: Carstens

Die Lehr- und Gesellenjahre waren oftmals kein Zuckerschlecken: Bekam der Meister heraus, dass man sich den kargen Lohn mit einem Nebenjob aufbesserte, setzte es schon mal Schläge. „Trotzdem habe ich oft heimlich als Kegelaufsteller in einer Kegelbahn gearbeitet“, erzählt Carstens. Das Kegeln sollte eine Leidenschaft des Bäckermeisters bleiben. Die Mitgliedschaft in drei Kegelclubs zeugt davon. In jungen Jahren hielt er sich aber auch mit Leichtathletik und Volleyball fit. Eine weitere Leidenschaft galt dem Wassersport und seinem Faltboot, das er für viele schöne Touren auf Aller und Weser nutzte.

Wenn der kleine Claus allerdings als Kind gesucht wurde, fand man ihn immer an den Bahnschranken, wo er die Züge bestaunte. Eine Leidenschaft, die er damals gerne zu seinem Beruf gemacht hätte: die Eisenbahn.

Personalnot im elterlichen Betrieb verhinderte schließlich eine Anstellung auf dem Passagierdampfer „Bremen“. Auf dessen Vorgängerschiff hatte sein Vater oft die Strecke Bremerhaven-New York als Konditor bereist. Von Großvater Hermann Carstens und Mutter Elisabeth übernahm Claus 1959 den Betrieb in der dritten Generation.

Auf die Hochzeit mit seiner Frau Ingrid (geb. Früchtnicht) 1963 folgten 1966 die Geburt von Sohn Sven und 1969 die von Tochter Birgit.

Der Betrieb florierte, Claus brachte sich aktiv in das Innungsleben ein und besonders in den 70er-Jahren wurde auch über Expansion nachgedacht, diese jedoch nicht verwirklicht.

„Beinahe wären meine Frau und ich nach der Hochzeit als Bäcker nach Südafrika ausgewandert, doch die Großeltern wurden älter und wir mochten sie nicht allein in der Heimat zurücklassen“, berichtet Carstens.

1996 kam schließlich der Abschied aus dem ausgefüllten Berufsleben und nach 60 Jahren im Elternhaus der Umzug in den „Alterssitz“ nach Dauelsen. Hier verbrachte das Bäckerehepaar noch acht glückliche Jahre, bevor Ingrid Carstens nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb. „Ich vermisse sie noch immer sehr, aber meine Tage sind ausgefüllt. Ich lese viel, sehe gerne Dokumentationen und Quizsendungen im Fernsehen und oft werde ich zu Unternehmungen abgeholt.“

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