Westerncamp der Schwarzpulverunion trotzt dem schlechten Wetter

Genau wie im Wilden Westen

Sie alle eint nicht nur ihre heutzutage unübliche Kleidung, sondern auch ein ganz besonderes Hobby. Fotos: Röttjer

Verden – Wer in der vergangenen Woche am Gelände des Verdener Schützenvereins vorbeikam, der wurde unvermittelt in die Zeit des Wilden Westens zurückversetzt. Über 100 Fans der Western-Szene aus Deutschland und den Niederlanden reisten an, um Teil des 18. Westerncamps der Schwarzpulverunion (SPU) Aller-Weser zu sein. Die SPU ist dem Verdener Schützenverein angeschlossen.

„Für ein paar Tage drehen wir das Rad der Geschichte zurück und leben wie zu Zeiten der Besiedlung und vor allem der Zeit des Wilden Westens im 19. Jahrhundert“, erläuterte Karl-Heinz Oster, einer der Initiatoren des Treffens und ehemaliger Vorsitzender der SPU. Diese Zeit habe bei ihnen einen hohen Stellenwert, so Oster. Viele Menschen, egal ob Jung oder Alt, könnten sich nicht der damit verbundenen Faszination entziehen. „Es waren die Siedler, die diese Entwicklung der unendlichen Weite des Kontinents prägten, oft im Einvernehmen mit den als Indianer genannten Ureinwohnern“, erklärte Oster. Das 19. Jahrhundert berühmt gemacht hätten vor allem die aus diversen Westernstreifen bekannten Billy the Kid, Jesse James oder Calamity Jane.

Anders als damals lebe man im Westerncamp aber nicht in ständiger Gefahr, sondern in einem einträchtigen Miteinander, wobei alle ein ganz besonderes Hobby eint.

Bereits am Montag reisten die ersten Westernfans an, die ihre Zelte auf dem Platz aufschlugen und es sich bequem machten. Schließlich reihten sich Armeezelte, Wigwams und Trapperzelte aus Leder und Leinen mit originalgetreuen Verzierungen aneinander. Auf Feuerstellen brutzelte das Mittagessen und wenn der Nachbar zu Besuch vorbeikam, half er schon mal beim Abtrocknen. Aber auch dem Klönschnack bis in die frühe Nacht wurde gefrönt.

Die nicht gerade guten Wetteraussichten hielten die Westernfans nicht davon ab, an dem Camp teilzunehmen. Einige waren sogar zum ersten Mal dabei, darunter beispielsweise zwei junge Frauen aus Oldenburg. Stammgäste sind unter anderem die Ehepaare Schumacher aus Herne und der Verdener Erhard Stegmann. Wie alle trotzten sie der Witterung, denn „so ein Camp muss sich auch lohnen“, ist sich das Herner Paar einig. Sie seien gerne in Verden zu Gast und freuen sich darauf, hier alte Bekannte wiederzusehen. Sie verbringen – genau wie ihre Westernfreunde – die Zeit des Camps in der Kleidung oder den Armee-Uniformen aus damaliger Zeit. Aus den Niederlanden sind als Stammgäste Janine van Dongen aus Appeldoorn und Boudewijn van Leuwen angereist. Als Cowgirl präsentiert sich Stina Dziwas aus Hanstedt.

Ins Gespräch kommen zwei Senioren, die sich aus den Camps kennen, Walther Nymführ aus Fischerhude und Ulla Börnicke aus Köln. Ein weiteres Seniorenpaar ist lediglich für einen Tag angereist und schaut sich auf dem Platz um, beide gekleidet in einem festlichen Zwirn der Städter. Schließlich schaut sich der Vorsitzende der SPU, Mario Kandt, auf dem Platz um. Er ist der Sheriff und der Mann für alle Fälle.

Ein wichtiger Bestandteil auch dieses Westerncamps ist das schießsportliche Programm. „Donnerbüchsen“ in Original aus der Epoche sind eher selten, oft sind es Nachbauten von Waffen aus der Zeit, für die unter anderem das Schießpulver erforderlich ist. „Schussfertige Gewehre sind bei uns auch nicht üblich“, erläuterte Karl-Heinz Oster: „Pulver in den Lauf einfüllen, die Kugel hinterher einstoßen, die so geladene Waffe anlegen, zielen und feuern.“ Voraussetzung für dieses Schießen mit Schwarzpulver sei allerdings ein mit einigen Auflagen verbundener Sprengstofferlaubnisschein.  rö

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