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Sarah Meister will solidarische Gärtnerei in Verden gründen

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Von: Ronald Klee

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Pläne für eine solidarische Gärtnerei: Sarah Meister berichtet von ihrer Idee.
Pläne für eine solidarische Gärtnerei: Sarah Meister berichtet von ihrer Idee. © Klee

Gemüse für den eigenen Haushalt produzieren oder produzieren lassen, angesichts steigender Lebenshaltungskosten eine verlockende Vorstellung. Aus der Idee könnte jetzt in Verden Wirklichkeit werden, plant doch die Neu-Verdenerin Sarah Meister die Gründung einer solidarischen Gärtnerei. Infos dazu gibt‘s am 17. September in Eitze.

Verden – Nicht nur die Schmelztiegel der Städte bringen die Innovationen hervor, die neue Perspektiven eröffnen. Auch auf dem platten Land entstehen die Impulse mit Zukunftspotenzial. Ein weiteres Beispiel für den Versuch, eine Alternative zu der marktwirtschaftlich orientierten Landwirtschaft zu finden, entsteht gerade in Verden. Während auch konventionell wirtschaftende Betriebe, die auf Massenproduktion und Weltmarkt gesetzt haben, oft kaum noch ihre Kosten erwirtschaften, versucht es Sarah Meister ganz klein und regional mit einer „solidarischen Gärtnerei“.

Prinzip ähnelt dem einer Genossenschaft

In der Gemeinschaft eines Vereins, so die Idee der Verdener Neubürgerin, könnten die Mitglieder Gemüse für ihre Haushalte produzieren. „Die Verantwortung, die Kosten, das Risiko und die Ernte teilen alle nach ihren Möglichkeiten“, ist der Grundgedanke. Das Prinzip ist denkbar einfach und doch so anders als die herkömmlichen Produktionsprinzipien. Ähnlich wie bei der Genossenschaft legen viele zusammen, die nicht Land besitzen oder nicht die Zeit oder Arbeitskraft investieren können oder wollen.

Gerade die Feldarbeit will Sarah Meister gerne über nehmen, denn davon versteht sie etwas. Die 32-Jährige kommt aus dem Obstanbau im Alten Land und hat in Lüneburg und dann in Witzenhausen ökologische Landwirtschaft studiert. Bevor sie im April nach Verden zog, hat die unternehmungslustige Frau in Aachen und Schleswig-Holstein gearbeitet und viele Erfahrungen in solidarischen Landwirtschaften, abgekürzt „Solawi“, gesammelt. „Eine davon hatte 500 Mitglieder. Das ist dann schon ein richtiger Betrieb mit angestellten Mitarbeitern“, berichtet die Bio-Gärtnerin.

Geplant wird zunächst mit einem halben Hektar Fläche

So groß allerdings plant Meister nicht. Mit ihrem Partner Hans Tüllmann hat sie erst einmal an eine Fläche von einem halben Hektar gedacht. „Wir wollen sie nach dem Market Garden Prinzip anlegen“, erklärt Meister. Beete würden nur einmal für längere Zeit angelegt. Man spare Platz für Wege und Maschinen-Bearbeitung, erklärt sie. Und der kleinen Gemeinschaft, mit der sie am Anfang rechnet, bleibe die Anschaffung teurer Geräte erspart.

Bislang hat Sarah Meister weder die Fläche noch den Spaten und die Harke. Aber die Idee hat sie und die will sie am Sonnabend, 17. September, 15.30 Uhr, allen Interessierten auf Stoffers Hoff in Verden-Eitze (Im dicken Ort 22) präsentieren. „Was dann weiter passiert, hängt von den Teilnehmenden ab“, sagt die solidarische Gärtnerin. Wie die Interessierten zusammenkommen, was sie zur Gemeinschaft beitragen wollen und können, wie Lasten und Erträge verteilt werden sollen, werde dann von allen festzulegen sein.

Aufteilung der Ernte soll Möglichkeiten der Mitglieder berücksichtigen

„Ich würde mich freuen, wenn wir mit 20 Mitgliedern anfangen könnten. Dann können wir uns Zeit nehmen und sehen, wie es wächst“, sagt Meister. Die Größe wäre wegen der anfänglichen Belastung gut. Die grundsätzlichen Ausgaben würden den Einstieg teurer machen, je weniger Mitglieder sich finden. „Wir wollen aber nicht nur die Solidarität unter einander und mit den Anbauern“, erklärt die 32-Jährige ihr Ziel. Wenn die Mitglieder das mittragen, wünscht sie sich auch, dass die Anteile oder Beiträge nicht unverbrüchlich festgelegt werden, sondern auch die Möglichkeiten der Mitglieder berücksichtigen.

Die Anteilseigner jedenfalls tragen die Kosten gemeinsam und erhalten auch ihren Anteilen entsprechend, ihren Teil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse als Erlös. „Das hängt natürlich vom Wetter ab und von der Ernte. Aber ich gehe von zwei bis drei Kilogramm pro Woche aus“, sagt die Bio-Gärtnerin.

Da verdienen keine Zwischenhändler oder Lieferketten, Börsen oder Märkte mit und keine Finanzdienstleister mit ihren Spekulationen und Verzinsungen. Nur die Gärtnerin und ihre Kunden schließen die Vereinbarung. Ob sich das dann für jede Seite lohnt, sei nicht hundertprozentig vorherzusagen. Aber nach Ende der Saison werde deutlich werden, wo nachgebessert werden muss.

Solidarische Landwirtschaft liegt im Trend

„Alles ist freiwillig und das Risiko tragen alle gemeinsam“, sagt Meister. Die Nähe zur Genossenschaft zeigt, dass solche Konzepte nicht eigentlich neu sind. Seit ein paar Jahren schießen solche Vorhaben aber wie Pilze aus dem Boden, sodass man eher von einer „Solawi“-Bewegung sprechen könnte.

Wo man hinsieht, geht es den Initiatoren um mehr als reine Nahrungsmitttelproduktion. „Unsere Vision ist eine gemeinschaftsgetragene, vielfältige, bedarfsgerecht entlohnte, ökologische, und regionale Landwirtschaft, in der die Menschen unmittelbare Verantwortung für ihre lokale Grundversorgung übernehmen“, beschreibt etwa der Verein Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, was dahinter steckt. Die Entwicklung bei den „Solawi“-Genossenschaften verlaufe seit einiger Zeit sehr dynamisch.

Für Anmeldungen und Fragen ist Sarah Meister unter der Telefonnummer 0176/34609417 oder per E-Mail an sarah.meister@gmx.net erreichbar.

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