Erste Vermarktungsstrategien vorgelegt

E-Carsharing Verden:
Gemeinschaftsauto
ohne Gemeinschaft

E-Car der Stadtverwaltung Verden
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Sollten ursprünglich ebenfalls in den Pool des Verdener E-Carsharings gegeben werden: Die Stromer (Bild) der Stadtverwaltung. Jetzt bleiben sie außen vor. „Wir laufen Gefahr, die Fahrzeuge zu oft zu blockieren“, heißt es.

Es kommt später als geplant, das Carsharing in Verden, Pardon: das E-Carsharing. Das steht fest. Aus dem Herbst, der ursprünglich ins Auge gefasst war, wird nichts...

Verden- „Das Ausschreibungsverfahren ist noch nicht beendet“, erklärt Corbinian Schöfinius von der beteiligten Verdener Klimaagentur Klever. Nun sei es das Ziel, bis zum Jahresende einen Betreiber zu finden und bis Mitte Februar erste Fahrzeuge rollen zu lassen.Gestartet ist das Projekt dennoch schon jetzt. Aktuell geht‘s vor allem ums Marketing. Wie bringe ich acht Autos so an den Start, dass der geneigte Bürger auch einsteigt? Wo überhaupt sollen die Autos am besten stationiert werden? Die Antworten spielen künftig nicht nur an der Allermündung eine Rolle. Das Verdener Carsharing geht im Großraum Bremen/Oldenburg als Pilotprojekt auf die Straße. Die Erkenntnisse sollen den Städten der Metropolregion als Blaupause für eigene kommunale Auto-Verleihen dienen.

E-Car-Standorte in Verden: Drei kommen an den Warwickplatz sowie jeweils eines an die Commerzbank

Und da wäre zunächst mal die Frage nach den Standorten zu beantworten. Für sieben der acht Fahrzeuge steht er fest. Drei kommen an den Warwickplatz sowie jeweils eines an die Commerzbank, auf den Parkplatz Rheinstraße, zum Allerbus am Alten Pulverschuppen und an das Likedeeler an der Artilleriestraße. Beim achten Standort konkurrieren der Bahnhof und die Obere Straße. Eine Entscheidung steht noch aus, und das hat Gründe. Schöfinius: „Wenn die Ausschreibung von einem überregional tätigen Unternehmen gewonnen wird, ist der Bahnhof erste Wahl, wenn ein regionaler Anbieter gewinnt, ist es die Obere Straße.“

Zentrale Verdener Standorte: Knallharte Marketing-Überlegungen

Hinter dem Eiertanz ausgerechnet bei zwei zentralen Verdener Standorten stehen knallharte Marketing-Überlegungen. Gewinnt einer der überregionalen Interessenten die Ausschreibung an der Aller, dann werden auch auswärtige Nutzer seines Services die Verdener Angebote buchen können, also etwa jenes Auto am Bahnhof, und werden es in ihre Reisepläne einfließen lassen. „Geschäftsreisende könnten dann vom Zug direkt aufs Auto umsteigen und an ihr Ziel beispielsweise in eines der Gewerbegebiete fahren“, so Schöfinius. Gewänne allerdings ein regionaler Anbieter, so sei eher unwahrscheinlich, dass sich in dessen Service auswärtige Gäste einloggen. „Dann hätte der Standort Obere Straße bessere Erfolgsaussichten.“

Stadt Verden: Bereich Oderplatz etwa, am Meldauer Berg oder nahe des Lönsweges

Zwar werden die Fahrzeuge in Wohngebieten stehen, im Bereich Oderplatz etwa, am Meldauer Berg oder nahe des Lönsweges, aber ins Auge fallen besonders die drei Stromer, die am Warwickplatz ihre Parkbuchten zugewiesen bekommen, fern ab jeder größeren Siedlung der Stadt also. Aber auch das hat Gründe.

„Einer unserer Partner ist die Kreisverwaltung. Dienstfahrten sollen künftig mit den gemieteten E-Autos erfolgen.“ Schöfinius fährt damit eine Doppelstrategie. Einerseits würden zumindest diese Autos von Beginn an gut genutzt, was der Kassenlage zu gute käme, andererseits würden Verwaltungsmitarbeiter sich schon aus dienstlichen Gründen mit der Buchung der E-Autos vertraut gemacht. „Das senkt die Hemmschwelle, vielleicht auch privat aufs kostensparende und klimaneutrale Carsharing umzusteigen.“

Stadtverwaltung Verden nicht dabei: Wir laufen Gefahr, die Fahrzeuge zu oft zu blockieren

Ursprünglich war die Stadtverwaltung ebenfalls als Nutzer ins Auge gefasst. Davon wolle man allerdings Abstand nehmen, sagt die Klimabeauftragte im Rathaus, Lisa Pischke. „Wir laufen Gefahr, die Fahrzeuge zu oft zu blockieren.“ Wichtig sei ja, den Bürger hinters Steuer zu bekommen.

Das allerdings sei ein langer Prozess, glaubt Schöfinius. Noch habe sich Otto-Normalverdener eingerichtet, es stünden jedem irgendwie ausreichend Autos zur Verfügung. „Erst wenn mal wieder eine Neuanschaffung ansteht, eine teure Neuanschaffung, kommt in den Haushalten das Carsharing als kostensparende Alternative auf den Tisch.“ Auch Eintritte in neue Lebensphasen könnten dem Gemeinschaftsauto den Weg ebnen. „Beim Einstieg ins Rentenalter zum Beispiel.“ Darüber hinaus befeuere die Problematik des Zweitwagens den Umstieg. „Das ist ja die teuerste Art des Autofahrens.“

Tatsächlich kommen die Nutzer des Carsharings relativ günstig davon, wie ein Blick auf ähnliche Projekte der Region belegt. In Westen zum Beispiel, wo Schöfinius Mitinitiator der privaten Genossenschaft Allerauto ist, können Interessenten den Wagen für 4,50 Euro pro Stunde buchen.

E-Car-Sharing: Kämpfen um die schwarze Null

Etwas komplizierter ist es bei Anbieter Cambio, der ein Fahrzeug vor das Achimer Rathaus gestellt hat. Hier sind für die Fiesta-Größe beispielsweise 1,75 Euro pro Stunde und 25 Cent je Kilometer fällig. Resonanz bestehe durchaus, finanziell sei die Lage schwierig geblieben. Schöfinius über das Westener Angebot: „Jedes Fahrzeug legt um die 30 000 Kilometer pro Jahr zurück, ganz achtbar also, dennoch kämpfen wir um die schwarze Null.“

Noch ist vieles dem Prinzip Zufall ausgesetzt. Das Verdener E-Carsharing soll weiteres Licht ins Dunkel bringen. Es gilt als Modellprojekt der Metropolregion Bremen/Oldenburg. Runde 180 000 Euro macht der nordwestdeutsche Verbund dafür locker. Einer der Aspekte: Eine wissenschaftliche Begleitung, in der das Nutzerverhalten näher analysiert wird.

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