Gemeinsam für Europa

Parlamentarier aus Brüssel werben für parteiübergreifende Union

Verden - Von Henning Leeske. Noch sichtlich unter dem Einfluss der unmenschlichen Taten in Hanau bat Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) die zahlreichen Gäste am Abend für Europa zu einer Schweigeminute, um den Opfern der rassistischen Anschläge in Hessen zu gedenken. Danach lag der Fokus ganz auf Europa, weil es geeint ein Garant für Freiheit und Sicherheit sei.

„Es ist etwas ganz Besonderes, wenn in Verden drei Mitglieder des europäischen Parlaments gleichzeitig für Europa werben“, sagte Brockmann. Ziel der Veranstaltung mit den Abgeordneten aus Brüssel David McAllister (CDU), Sven Giegold (Grüne) und Tiemo Wölken (SPD) war, im Landkreis Verden die Idee der europäischen Integration mit Leben zu erfüllen und für die Neugründung des Kreisverbandes der Europa- Union zu werben. Das frühere Mitglied im Europaausschuss des Niedersächsischen Landtags, Wilhelm Hogrefe (CDU), und die aktuelle Vertreterin, Dörte Liebetruth (SPD), hatten diese Auftaktveranstaltung unter der Schirmherrschaft des Landrates Peter Bohlmann initiiert.

„Wir machen das ja nicht zur Unterhaltung der älteren Generation, sondern für die jungen Menschen“, sagte Hogrefe und warnte vor völkischem Denken und Nationalismus. Dieses sei bereits die Ursache für den Ersten Weltkrieg gewesen. Hogrefe: „Da muss man gegenhalten.“

Peter Bohlmann griff den Gedanken auf und nannte die Auftaktveranstaltung für einen parteiübergreifenden Europaverband im Landkreis Verden ein Zeichen gegen die anti-europäischen Proteste. Er kritisierte den wachsenden Populismus, dessen Ergebnis unter anderem der Brexit sei und mahnte, vorsichtig zu sein mit Volksabstimmungen zu komplexen Themen. „Die Faktenfreiheit dominiert, wenn soziale Medien derart das Volk befeuern“, sagte er.

Als Landrat lag ihm allerdings besonders am Herzen, dass die EU sich im Sinne der Subsidiarität auf ihre Aufgabe konzentriere und kommunale Fragen auch in der Kommune behandelt werden.

Dann gaben die Europaparlamentarier ihre Stellungnahmen unter der Moderation von Dörte Liebetruth ab. Sie brach dabei eine Lanze für den Jugendaustausch, weil eben nicht nur Studierende von diesen Programmen profitieren sollen. „Erasmus für alle“, war der Tenor, um den europäischen Gedanken mit jugendlichem Leben zu erfüllen. Auch deswegen habe der Landtag weitere Mittel für diese Maßnahmen beschlossen.

Passend dazu berichtete David McAllister von der Begegnung mit einem Kfz-Auszubildenden, der an einem Austausch nach Finnland teilnahm. „Finnisch oder Deutsch konnte keiner der Teilnehmer, aber der Schüler sagte ,Opel ist Opel, auch in Finnland‘“, vermittelte er den Kern derartiger Programme: Trotz sprachlicher Barrieren sähen die Jugendlichen die gemeinsamen Werte in Europa, was sie sicher nachhaltig verinnerlichten.

„Rassistische Morde sind genau das Gegenteil der europäischen Idee. In Europa gelten die gleichen Bürgerrechte für alle, egal welche Hautfarbe, Religion oder ob man in einer Shishabar sitzt“, wurde Giegold deutlich. In Sonntagsreden Europa gut zu heißen, sei immer noch beliebt. „Aber wenn es wirklich um Europa geht, sind das gleich weniger“, so der Grüne. So solle die EU eigene Steuern erheben können, um eine föderale Europarepublik irgendwann verwirklichen zu können. Alleine die eine Million Erasmus-Kinder, die durch den Austausch bereits entstanden seien, sollten ein Zeichen für die europäische Integration sein. „Nationalistische und populistische Regierungen wollen das, was wir erreicht haben, rückabwickeln. Das darf uns nicht passieren. Auch in Verden muss den Nationalisten klar sein, dass wir Europa nicht preisgeben“, sagte Giegold.

Sozialdemokrat Tiemo Wölken lobte die überparteiliche Arbeit der Europa-Union, dessen Vorsitzender er im Landkreis Osnabrück ist. „Wir als Demokraten, egal in welcher Partei, stehen für Europa. Der Staat muss seine Zähne zeigen, wenn es um Rechtsterror geht. In der EU zählen das Gemeinsame und die Demokratie als Stärke“, sagte Wölken.

„An der Europa-Union gefällt mir der überparteiliche Charakter. Ein geeintes Europa ist die einzige Antwort auf die Terrorregime des 21. Jahrhunderts“, so McAllister.

Der Kreisvorsitzende der Europa-Union Diepholz, Gerd Thiel, kündigte die Gründungsversammlung für den 22. April im Landkreis Verden an.

Hintergrund:

Die Europa-Union Deutschland (EUD) ist nach eigenen Angaben die größte Bürgerinitiative für Europa in Deutschland. Unabhängig von Parteizugehörigkeit, Alter und Beruf engagieren sich die Mitglieder für die europäische Einigung auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene. Rund 17 000 Mitglieder sind in 16 Landesverbänden mit rund 300 Kreis-, Orts- und Stadtverbänden vernetzt und haben Partnerorganisationen in über 30 Ländern Europas.

 Quelle: www.europa-union.de

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