Musik und Poesie

Ihno Tjark Folkerts begeistert in Verden mit Soloprogramm

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Ihno Tjark Folkerts unterhielt sein Publikum mit ausgewählten Balladen und Fantasien von Georg Philipp Telemann.

Verden - Ihno Tjark Folkerts, auch bekannt als Violinist des Trios Limusin und Teil des Duos Folani, war am frühen Sonntagabend zu Gast in der Stadtbibliothek. Erneut zeigte er sein Soloprogramm „Berühmte Balladen und acht Fantasien von Georg Philipp Telemann“, das er anlässlich des 250. Todestags des Komponisten im vergangenen Jahr aufgelegt hatte.

Zwar war die Bibliothek nicht geheizt, doch das tat dem Kunstgenuss keinen Abbruch, man behielt einfach Jacke oder Mantel an. „Applaus macht warm“, schmunzelte Folkerts und das Publikum kam dieser Aufforderung nur zu gern nach.

Die intime Atmosphäre tat ein Übriges. Man unterhielt sich vor dem Konzert bei einem Glas Wein und ließ sich dazu ein Stück dunkle Schokolade schmecken. Als Kulisse reichten Folkerts ein wenig roter Samt und ein Kerzenständer.

Für den musikalischen Teil des Abends hatte der Violinist acht der zwölf Fantasien für Violine ohne Bass von Georg Philipp Telemann (1681 - 1767) ausgewählt. Die Fantasien entstanden im Jahr 1735. Lange galten sie als verschollen, bevor sie schließlich in einem Privatarchiv wieder auftauchten. Die Fantasien Telemanns gehören mit ihrer Klangfülle und Ausdruckskraft zu den schönsten Kammermusiken des Barock. Gemeinsam mit den zeitlos schönen Balladen von Schiller, Goethe, Fontane, Droste-Hülshoff und Heine bildeten sie eine gelungene Mischung aus Musik und Poesie.

Spiel voller Hingabe

Folkerts eröffnete das Programm mit der 1. Fantasie für Violine in B-Dur. Mit seinem expressiven Spiel voller Hingabe zog der Vollblutmusiker sein Publikum sofort in den Bann. Doch auch als Rezitator versteht Folkerts die Zuhörer zu fesseln. Zur Einstimmung gab es die Ballade „Der Handschuh“ von Friedrich Schiller. 

Um die Macht der Liebe geht es Goethes Ballade „Der Gott und die Bejadere“. Die indische Legende erzählt vom Gott Mahadöh, der in der Stadt auf eine schöne Bejadere (Tänzerin) trifft. Diese verspricht ihm eine Liebesnacht und verspürt zum ersten Mal wirkliche Liebe. Als der Gott sich tot stellt, will sie sich mit ihm verbrennen lassen und folgt ihm in die Flammen. Der Gott erhebt sich mit ihr aus dem Feuer und beide schweben in den Himmel empor.

Immer wieder für eine Gänsehaut sorgt auch Goethes „Erlkönig“. Die Geschichte von dem Vater, der seinen Sohn nicht vor den bösen Mächten schützen kann. „Er erreicht den Hof mit Mühe und Not; In seinen Armen das Kind war tot.“ Gebannt lauschte das Publikum auch der von Folkerts ausdrucksvoll vorgetragenen Ballade „Die Brücke am Tay“ von Theodor Fontane. Hier verabreden sich drei Hexen, um die Brücke mit dem darüber fahrenden Zug einstürzen zu lassen. „Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand“, singen die Hexen höhnisch.

Drama und Entspannung

Unheimliche Stimmung beschwört der Rezitator auch mit Droste Hülshoffs surrealer Ballade „Der Knabe im Moor“ herauf. Das Publikum durchlebt selbst die Ängste des Knaben, der allein durchs Moor läuft und sich von Geisterwesen verfolgt sieht. Eine höhere Macht sorgt in Heines „Belsatzar“ dafür, dass der König von Babylon die Gotteslästerung nicht lange überlebt.

Entspannung von den dramatischen Ereignissen in den Balladen fanden die Zuhörer in den schönen Fantasien Telemanns, die Folkerts gefühlvoll im Wechsel mit den Gedichten darbot.

Zum Schluss belohnte das Publikum den Künstler mit reichlich anerkennendem Applaus. So gab es als Zugabe noch zwei humorvolle Gedichte von Wilhelm Busch und den langsamen Satz vom „Winter“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. - ahk

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