Kunden können helfen

Gutscheine statt Internetkauf: Wie können Geschäftsinhaber Corona-Krise überleben?

In der Innenstadt gibt es Leerstand, aber in einigen Immobilien wird kräftig saniert. Das ist auch unbedingt notwendig: „Wenn da noch die alte Einrichtung vor sich hin verstaubt, ist das schwer zu vermieten“, so Harald Nienaber. Foto: wienken
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In der Innenstadt gibt es Leerstand, aber in einigen Immobilien wird kräftig saniert. Das ist auch unbedingt notwendig: „Wenn da noch die alte Einrichtung vor sich hin verstaubt, ist das schwer zu vermieten“, so Harald Nienaber. 

Verden - Geschlossene Türen auf längere Zeit – wie sollen Verdener Geschäftsinhaber die Corona-Krise überstehen? Harald Nienaber, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins, und Angelika Revermann, im Rathaus zuständig für das Stadtmarketing, haben dazu eine Gutschein-Aktion entwickelt, die ein bisschen helfen soll, über die Krise zu kommen. 

Die Idee: Kunden kaufen jetzt Gutscheine und lösen sie später ein. Nienaber: „Als kaufmännischer Verein können wir natürlich keinen aktiven Beitrag leisten. Jeder muss jetzt sehen, wie er klarkommt. Erst mal mit staatlicher Unterstützung, aber das reicht ja auch nicht lange.“ Er und seine Mitglieder spüren in diesen Tagen stärker als je zuvor die Konkurrenz durch den Internethandel. Deshalb sein Appell an die Kundschaft: „Es geht auch anders.“

Seit zehn Jahren ist Nienaber Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins, hat den Negativtrend in der Fußgängerzone jeden Tag vor Augen und sich schon lange mit unaufhaltbaren Veränderungen abgefunden oder besser gesagt: angefreundet. Denn trotz vieler Leerstände blickt er positiv in die Zukunft. „Verden hat’s“, findet er immer noch und verweist auf zahlreiche inhabergeführte Fachgeschäfte. „Die machen das mit Leib und Seele.“ Kritisch sieht er Vermieter, die ihren Laden nach einer Geschäftsaufgabe nicht auf Vordermann bringen. „Wenn da noch die alte Einrichtung vor sich hin verstaubt, ist das schwer zu vermieten.“

Diese Einschätzung würde Immobilienmakler Gerhard Teichmann sicher teilen, kann aber aktuell von zwei gegenteiligen Abschlüssen berichten. Das alte Café Erasmie ist verkauft, aber noch nicht wieder vermietet. Teichmann: „Leider ist eine ganz tolle Sache geplatzt.“ Und auch das ehemalige Ladengeschäft Fisch Bremer ist verkauft. Bis sich da sichtbar etwas verändere, könne es aber noch dauern. Zu vermieten sei derzeit nicht einfach: „Die Filialisten ziehen sich zurück, meiden eher die kleinen Städte. Andere kann man nicht nach Verden locken, weil die Kleinteiligkeit große Handelsflächen nicht zu bieten hat. Sein Ausblick in die Zukunft: „Die Innenstädte werden mehr zum Wohnraum mit Angeboten von Gesundheitsdienstleistern oder Friseuren und mit Treffpunkten wie Cafés und Restaurants.“

Harald Nienaber akzeptiert Entwicklungen, die nicht aufzuhalten sind.

„Das sind Entwicklungen, die nicht aufzuhalten sind“, sagt auch Harald Nienaber, der dennoch zuversichtlich ist, dass Verden auch in Zukunft Anziehungspunkt sein wird. „Verden hat den Dom, eine schöne Altstadt, die Aller vor der Tür und Veranstaltungen, die viele Menschen in die Stadt locken. Ein professionelles Stadtmarketing könnte da noch mehr rausholen.“

Leider hakt es an manchen Stellen. Was aus den Domfestspielen wird, weiß im Augenblick niemand, die Stallgasse ist aus Kostengründen erst mal wieder auf Eis gelegt worden, ob es wieder eine Allersymphonie geben wird, steht auch in den Sternen.

Damit der Kaufmännische Verein leichter innerstädtische Höhepunkte wie etwa die Stallgasse oder andere derartige Publikumsmagneten stemmen kann, setzt Harald Nienaber gerade eine Idee um: „Ich bin dabei ein Netzwerk zu gründen, das in eine Kasse für Veranstaltungen einzahlt. Es ist mein Ziel für die nächsten Jahre, Unternehmen in Verden dafür zu gewinnen. Am Ende profitieren alle davon.“

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