Kirchlintler Firma Bohlmann baut in Verden neue Turnierplätze

Geheimsache

Anja Bohlmann und Ehemann Jochen sind stolz auf den Zuschlag für das Projekt. 
Foto: Preuß
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Anja Bohlmann und Ehemann Jochen sind stolz auf den Zuschlag für das Projekt. Foto: Preuß

Verden – Beim Gang über das weitläufige Areal zeigt es sich bereits. Und spätestens nach dem Gespräch mit Anja Bohlmann ist wirklich klar: Sand aufschütten und schon können die Pferde losgaloppieren, das geht nicht.

Reitböden sollen lange halten und nicht absacken. Sie müssen eine gewisse Festigkeit haben, damit die Pferde nicht darin versinken. Denn das kann ihre Leistung mindern und auf Dauer ihre Gesundheit gefährden. So ist der Aufbau eines turniertauglichen Platzes eine Wissenschaft für sich. Kein Wunder also, dass das Team von Reitböden Bohlmann sich bei den Arbeiten am Verdener Rennbahngelände nur bedingt in die Karten gucken lässt.

Dabei ist das Kirchlintler Unternehmen Bohlmann zu recht stolz darauf, den Zuschlag der Stadt Verden für den Bau der neuen Turnierplätze erhalten und acht Mitbewerber hinter sich gelassen zu haben. „Ein schönes Referenzprojekt vor unserer Haustür“, freut sich Anja Bohlmann.

Sie vermutet, dass die Spezialfirma, die sie gemeinsam mit Ehemann Jochen leitet, gegenüber der Konkurrenz mit dem besonderen Bewässerungssystem und dessen Steuerung punkten konnte. Bei Letzterem hat übrigens ein weiteres Unternehmen aus der Region seine Finger im Spiel: Das Steuerungssystem „WaCoNA“ entwickelten Bohlmann Reitböden gemeinsam mit Experten der Dörverdener Norka Automation GmbH.

Ehe mit dem Aufbau der Plätze begonnen werden konnte, musste aber erst einmal der sogenannte Urboden abgefahren werden. Einige Tausend Kubikmeter Mutterboden kamen raus. Er war nicht versickerungsfähig genug. Ihm fehlte zudem die nötige Festigkeit. Nicht tragfähig genug, lautete also das vernichtende Urteil. Gerade die Tragfähigkeit ist maßgeblich für einen Reitplatz, vor allem, wenn er auch internationalen Standards genügen soll.

Genau das möchten die Stadt und die „pVerd-event“ als Veranstalterin diverser Reitsport-Events. Und Anja Bohlmann kann das nur unterstreichen. Sie ist selber passionierte Reiterin. Als solche hat sie ein ganz persönliches Interesse daran, dass Verden als Austragungsort namhafter nationaler und internationaler Turniere eine Zukunft hat.

So wird nun Schicht um Schicht der Boden bereitet, auf dem diese Pläne wachsen und gedeihen sollen. Woraus er genau besteht, welches Sandgemisch mit welcher Körnung zum Einsatz kommt, da hat jeder seine eigene Rezeptur „Die Abstimmung zwischen fein und grob muss passen“, sagt Anja Bohlmann, „das ist die Kunst.“ Und die bleibt streng geheim.

Geht es um die Bewässerung, ist das Team Bohlmann schon auskunftsfreudiger. „Das alte System ist nicht mehr zeitgemäß“, erklärt die Expertin. Gemeint ist damit, vereinfacht ausgedrückt, das Gießen von oben. Wird der Boden im Laufe eines Turniers zu trocken, heißt es stopp, damit vom Wagen aus beregnet werden kann. Das stört zeitliche Abläufe, macht Arbeit und verbraucht nicht zuletzt wegen der Größe der Fläche und der Verdunstung einiges an Wasser.

Die Turnierplätze in Verden stattet die Firma Bohlmann mit „Hit Activ Aqua“, einem dem automatisierten Unterflurbewässerungssystem aus. Der sperrige Name bezeichnet das Prinzip der gleichmäßigen Durchfeuchtung von unten. Dafür sorgen einige Kilometer Schlauch im Boden, die ganz nach Bedarf das Wasser tröpfchenweise abgeben. Bei laufendem Betrieb.

Was nötig ist, ermittelt wiederum das schon erwähnte „WaCoNa“-System. Regnet es, kommt nichts, ist es trocken, heißt es „Wasser marsch“. Und drohen eisige Temperaturen, werden die Schläuche entleert, damit sie nicht kaputtfrieren. Diese Steuerung sei deutschlandweit einmalig, betont man bei Bohlmann Reitböden, sie machten gerade die neuen Plätze in Verden zu etwas Besonderem.

Die eingesetzten Gitter unterhalb der obersten, der sogenannten Tretschicht, in denen die Bewässerungsschläuche geschützt liegen, stellen sicher, dass das Oberflächenwasser zügig versickern kann. Die Entwässerung auf dem Gelände war eine Vorgabe der Stadt Verden bei der Ausschreibung.

„Es sind schon Premium-Plätze“, fasst Anja Bohlmann zusammen, auf die sich Reitsportler freuen können. Ende Juli soll alles fertig sein. Das war weitere Vorgabe. Und auch im Interesse der ausführenden Firma Bohlmann, die nach eigenem Bekunden schon zahlreiche Anschlussaufträge hat.

Von Katrin Preuss

Auf den beiden neuen Turnierplätzen, zusammen mehr als 14 000 Quadratmeter groß, wird mächtig was bewegt. Ehe aber der neue Untergrund für die Spring- und Dressurwettbewerbe geschaffen werden konnte, mussten erst ein paar Tausend Kubikmeter Mutterboden raus. Denn der war nicht tragfähig genug. Foto: Reitböden Bohlmann

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