Maikundgebung des DGB vor dem Rathaus

Gegen Entgrenzung der Arbeit

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Mehrere Einzelgewerkschaften waren bei der Maikundgebung auf dem Rathausplatz in Verden vertreten.

Verden - Die Ansage war klar und deutlich. Unter dem Motto „Zeit für mehr Solidarität“ fand heute am Tag der Arbeit die traditionelle Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf dem Rathausplatz Verden statt. Hauptredner war Johannes Grabbe vom DGB-Landesvorstand Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt.

Ebenfalls vor dem Rathaus vertreten waren die Einzelgewerkschaften IG Metall, ver.di und NGG mit Infoständen. Zudem gab es eine Unterschriftenaktion von Amnesty International gegen die Ausbeutung der Arbeitsmigranten für die Fußball-WM in Katar. Nach der Begrüßung des Vorsitzenden des DGB-Kreisverbandes, Dietmar Teubert, und Bürgermeister Lutz Brockmann sprach Grabbe ein breites Spektrum aktueller politischer Themen an.

„Es ist Zeit für mehr gute Arbeit, für mehr gute Bildung, für sichere Renten und für mehr Solidarität“, forderte der Gewerkschafter. Er erinnerte an den Ursprung des Tages der Arbeit im Jahr 1890. Damals versammelten sich Arbeiterinnen und Arbeiter erstmals, um für einen Acht-Stunden-Tag zu kämpfen. „Auch heute demonstrieren wir in der Tradition der Arbeiterbewegung für mehr Zeit“, so Grabbe. Er sprach von einer „Entgrenzung“ der Arbeit. Fast ein Viertel der Beschäftigten sagen, dass sie in der Freizeit oft für ihren Arbeitgeber verfügbar sein müssen. „Wir brauchen Zeit, in der die Arbeit keine Rolle spielt, Zeit für Familie und Freunde, Zeit, um einfach einmal abzuschalten“, sagte Grabbe.

Doch auch während der Arbeit fehle oft die Zeit. Hetze, Termindruck und Leistungsverdichtung bestimmen den Alltag. So sei die psychische Erkrankung Burn Out mittlerweile zur Volkskrankheit geworden. „Was wir brauchen, ist faire, gute Arbeit, von der man leben kann und die nicht krank macht“, forderte der Gewerkschafter.

Die Einführung des Mindestlohns sei ein großer Erfolg, betonte er. „All die Schwarzmalerei der Arbeitgeberverbände war reine Propaganda. Gerade in den Bereichen, in denen die Löhne deutlich zugelegt haben, ist auch die Beschäftigung gewachsen.“ Der Mindestlohn sei aber nur die „unterste Leitplanke des Anstands“. Deutschland sei im vergangenen Jahrzehnt immer mehr zum Land der prekären Beschäftigung verkommen. So vergiften Leiharbeit, Befristungen und Missbrauch von Werkverträgen immer mehr das tariflich geregelte Normalarbeitsverhältnis. Des Weiteren will Grabbe, dass die Unternehmen sich wieder ihrer Verantwortung stellen, für eine ordentliche Ausbildung zu sorgen, um jungen Menschen eine vernünftige Perspektive zu bieten.

„Der Tag der Arbeit steht heute auch unter dem Motto: Zeit für sichere Renten“, sagte Grabbe. Eine gute Rente sei längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Man brauche dringend einen Kurswechsel in der Rentenpolitik.

Die bei weitem wichtigste Zukunftsinvestition sei die Bildung der Kinder. Heute werde die notwendige Finanzierung der Bildung, aber auch des Gesundheits- und Rentensystems mit dem Argument der Schuldenbremse verweigert. „Ein aktiver Staat braucht eine gerechte Steuerpolitik, die die Reichen in die Pflicht nimmt“, forderte der Gewerkschafter.

„Heute, am Tag der Arbeit, setzen wir gemeinsam ein Zeichen für Solidarität und Gerechtigkeit, für Frieden, Demokratie und Toleranz“, so der Gewerkschafter. Bezüglich der Flüchtlingsthematik sagte er: „Es ist oftmals Verunsicherung, die den Rattenfängern von rechts Rückenwind verleiht.“ Die Ängste der Menschen dürften aber nicht zu einer Ausgrenzung führen. „Wir wissen, dass Integration am besten über Bildung, Ausbildung und Arbeit funktioniert. Dabei ist es völlig egal, woher unsere Kolleginnen und Kollegen kommen.“

ahk

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