Präventionsprojekt von Frauenhaus und Biss-Stelle fließt in Studie ein

Gegen Einstieg in die Gewaltspirale

Das Projekt und die Studie stellten Carola Schäfer (l.) sowie Angelika Bernstein-Janßen (r.) vom Zonta-Club mit Regina Ernst (2. v. l.) und Ulla Schobert vom Frauenhaus sowie der Autorin Iris Stahlke (sitzend) vor. Foto: Klee

Verden - Gewalterfahrungen in ersten Liebesbeziehungen von Teenagern können eine Gewaltspirale in Gang setzen, die sich durch das Leben der Opfer zieht. Hier frühzeitig mit Prävention gegenzusteuern, haben sich die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus und in der Biss-Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt in Verden vor zehn Jahren vorgenommen. Gemeinsam mit der Psychologin Iris Stahlke und der Unterstützung des Zonta-Clubs wurde daraus nicht nur ein Vorbeugungsprojekt, das viele Teenager in den Schulen des Landkreises erreicht hat, sondern auch eine wissenschaftliche Arbeit. Die Studie „Gewalt in Teenagerbeziehungen“ ermittelt aus Interviews mit Mittelstufenschülern, wie sich diese belastete Form der ersten Liebe entwickelt und wie das vermieden werden kann.

„Es ist gut zu lesen und zeigt, dass da eine Praktikerin mit dem nötigen theoretischen Hintergrund am Werke ist“, lobte Frauenhausleiterin Ulla Schobert das Buch im Pressegespräch. Aus ihrer Arbeit mit Frauen, die aus gewalttätigen Beziehungen in die städtische Einrichtung fliehen, weiß sie, wie wichtig gerade für Kinder und Heranwachsende mit diesen Gewalterfahrungen eine Vertrauensperson ist.

Und genau solche Ansprechpartner bietet das vor einem Jahrzehnt mit Iris Stahlke gestartete Präventionsprojekt. „Wir sind in die Schulen gegangen“, berichtet die Psychologin. Teams aus Mitarbeiterinnen des Biss und des Frauenhauses haben mit Unterstützung von Psychlogiestudenten in neunten Klassen Workshops durchgeführt. Dieses Alter sei sinnvoll, weil vorher zumindest bei Jungen kaum Beziehungserfahrungen vorliegen. In vier Unterrichtsstunden haben die Teams den Bildern von ihren Traumpartnern und ihrer -beziehung nachgespürt und ermittelt, was diese Ideale zerstören würde.

Für Stahlkes Studie schlossen sich daran Interviews, die die Schulsozialarbeit vermittelt hat. „Zwei Drittel der Mädchen und 60 Prozent der Jungen haben Formen von Gewalt erlebt. Vorbeugende Arbeit wie diese sollte überall durchgeführt werden“, stellte sie fest. Das reiche von Kontrolle bis hin zu Tätlichkeiten. Häufig eskalieren diese Tendenzen in den Beziehungen, wenn sie auseinanderbrechen. „Die Gewalt von Mädchen ist anders, als die von Jungen“, deutete Stahlke weitere Ergebnisse an. Hinzu kamen Beobachtungen, die vom Jugendamt, Frauenhaus, Biss-Stelle und der Polizei gemacht wurden. Stahlke, die mittlerweile Professorin für Sozialpsychologie an der Bremer Uni ist, hat das Ganze für ihre Habilitationsschrift ausgewertet und jetzt in Buchform (ISBN 978-3-8474-2217-4) veröffentlicht.

Partner des Verdener Projekts war von Anfang an der Zonta-Club. „Gewaltprävention ist auf dem Vormarsch“, ist die heutige Vorsitzende, Carola Schäfer, immer noch von der Arbeit überzeugt. Ohne die Hilfe wäre das Projekt nicht möglich gewesen, bekannte Schobert. „Dafür gibt es keinen Etat.“  kle

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