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Geflüchteten-Unterkünfte in Sporthallen und bei Sabatier

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Von: Heinrich Kracke

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Hof mit angrenzenden Lagerhallen.
Eine Sammelunterkunft mit bis zu 64 Plätzen soll den Plänen der Kreisverwaltung zufolge im leerstehenden Sabatier-Gebäude am Verdener Bahnhof entstehen. © Archiv/Kracke

Mit 684 Menschen beziffert die Kreisverwaltung die Geflüchteten aus der Ukraine, die im Raum Achim/Verden registriert wurden. Jetzt werden Sammelunterkünfte in Achim, Verden, Ottersberg, Kirchlinteln und Oyten hergerichtet.

Verden/Achim – Immer mehr geflüchtete Menschen aus der Ukraine erreichen den Landkreis Verden. 684 Personen (Stand: Mittwochmorgen) wurden einer Mitteilung aus dem Kreishaus zufolge seit Kriegsbeginn im Landkreis registriert. Der größte Teil von ihnen ist privat bei Verwandten, Freunden sowie hilfsbereiten Bürgern untergekommen. Rund 170 Personen, die größtenteils in Sammelunterkünften leben, erreichten bislang den Landkreis im Rahmen offizieller Zuweisungen durch das Land und den Bund.

Die Kreisverwaltung richtet sich allerdings auf einen weiteren Zustrom ein und baut nächste Sammelunterkünfte aus. Nachdem wie berichtet eine BBS-Sporthalle und die Turnhalle in Uphusen für diese Zwecke hergerichtet wurde, kommt jetzt zusätzlich auch die Ottersberger Tennishalle und das Sabatier-Gebäude in Verden in Betracht.

Die Mehrheit der registrierten Menschen aus der Ukraine sind Frauen, überwiegend Mütter mit minderjährigen Kindern. Nur in Einzelfällen begleiten Männer ihre Familien. Unter den Geflüchteten sind knapp über 300 Kinder und Jugendliche, davon 73 Kinder im Alter bis sechs Jahren. Knapp über 20 Personen sind älter als 65 Jahre.

„Es bleibt nach wie vor schwer abzuschätzen, mit welchen Zahlen an Geflüchteten wir im Landkreis in den nächsten Wochen zu rechnen haben“, erklärt Landrat Peter Bohlmann. Aktuell würden dem Landkreis wöchentlich rund 40 Personen aus dem Landesaufnahmestellen zugeteilt. Das Land behalte sich aber jederzeit die Möglichkeit vor, dieses Zuweisungskontingent lageangepasst zu erhöhen. Aus diesem Grund seien ständig mindestens 200 Plätze in Sammelunterkünften vorzuhalten. Bedauerlicherweise sei eine solche Unterbringung wegen der generellen Wohnungsknappheit unverzichtbar, so Bohlmann.

Sehr beindruckt zeigte er sich von dem gezielten Engagement von Ehrenamtlichen, privaten Wohnraum zur Unterbringung von Flüchtlingen zu akquirieren. „Da sprechen Ehrenamtliche ihre Nachbarn gezielt an, ob sie nicht das leerstehende Wohngeschoss oder die Einliegerwohnung zur Verfügung stellen könnten. Mit sichtbarem Erfolg.“

Dankbar sei man beim Landkreis zudem für die spontane und unkomplizierte Unterstützung aus vielen Privathaushalten, von Gewerbetreibenden und Unternehmen. So konnten beispielsweise die ersten 57 Flüchtlinge, die Ende der zweiten Märzwoche den Landkreis – mit einer Vorankündigungszeit von wenigen Stunden – per Bus direkt aus Berlin erreichten, im Appartementhaus des Niedersachsenhofes untergebracht werden. Das Hotel hatte seine Hilfe angeboten und die Räumlichkeiten für knapp drei Monate zur Verfügung gestellt – für den Monat März sogar, ohne Kost und Logis zu berechnen.

Platz auch in Kirchlinteln und Bassen

Unter Leitung der Gebäudewirtschaft des Landkreises und mit maßgeblicher Unterstützung durch das Technische Hilfswerk wurden zwischenzeitlich vier Sammelunterkünfte für die Aufnahme von Geflüchteten fertiggestellt. In den Containerbauten am Kreishaus in Verden stehen rund 120 Plätze zur Verfügung, in der BBS-Turnhalle in Verden sind es weitere rund 90 und in der Turnhalle in Kirchlinteln nochmals bis zu 96 Plätze. Auch das ehemalige Feuerwehrgerätehaus in Bassen wurde bezugsfertig hergerichtet und bietet Platz für bis zu 48 Menschen.

Derweil gehen beim Landkreis die Planungen zur Ertüchtigung weiterer Sammelunterkünfte weiter. Dafür vorgesehen sind im nächsten Schritt die Turnhalle in Uphusen mit Platz für bis zu 96 Menschen, die Tennishalle in Ottersberg mit bis zu 120 Plätzen und das ehemalige Sabatier-Gebäude in Verden mit geschätzten 64 Plätzen zur Unterbringung.

„Wir haben seit Mitte März schrittweise mit der Belegung der Containerbauten und der BBS-Turnhalle durch Ukraine-Flüchtlinge begonnen“, berichtet Erste Kreisrätin Regina Tryta von der Arbeit des Katastrophenschutzstabes des Landkreises. Zurzeit leben rund 50 Personen in den Containermodulen am Kreishaus und rund 50 Personen in der BBS-Halle. Weitere insgesamt 70 Personen sind in zwei Verdener Hotels untergebracht.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis und den Hilfsorganisationen sowie weiteren eingebundenen Betreuungskräften verlaufe sehr gut, so Tryta weiter. Die aufgebauten und eingespielten Strukturen innerhalb des Katastrophenschutzstabes würden sich jetzt im Krisenfall einmal mehr als sehr hilfreich und verlässlich erweisen.

Die Projektbetreuung in der Turnhalle der Berufsbildenden Schulen und den beiden Hotelunterkünften haben die Johanniter übernommen. Um die Geflüchteten im Containermodul kümmert sich ein Team des Deutschen Roten Kreuzes. Beide Hilfsorganisationen organisieren auch die Versorgung der Menschen.

Die soziale Betreuung an allen Standorten liegt in den Händen des Trägerverbundes, einem Zusammenschluss von vier ambulanten freien Trägern der Jugendhilfe. Sie bieten beispielsweise den Flüchtlingen Orientierungshilfe im Alltag, sind Ansprechpartner in Fragen der Gesundheit und bahnen die ersten Kontakte zu Kitas und Schulen an.

Auch der Kirchenkreis Verden engagiert sich. Dessen Gemeinden sehen sich in der seelsorgerischen Verantwortung für die geflüchteten Menschen in den Unterkünften.

„Die Aufnahme der geflüchteten Menschen stellt die Kommunen bundesweit vor große Herausforderungen“, sagt Bohlmann. Die Menschen bräuchten nicht nur ein Dach über den Kopf und eine warme Mahlzeit. Neben dem Aufbau und dem Betrieb von Unterkünften gehe es auch um die Registrierung der Geflüchteten, die Auszahlung von Sozialleistungen, um Gesundheitsfürsorge, Schulbesuch und Jugendhilfe, um Sprachkurse und Arbeitsvermittlung. Der Landrat: „Hier arbeiten der Landkreis, die kreisangehörigen Kommunen sowie zahlreiche andere Akteure Hand in Hand.“

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