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Sammelunterkunft für Ukrainer: Kreis verzichtet vorerst auf Uphuser Halle

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Von: Manfred Brodt

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Containerdorf unter großen Bäumen.
Das Containerdorf am Kreishaus für Geflüchtete aus dem vom Krieg heimgesuchten Land. © Brodt

In den Anfangstagen waren es um die 40 Menschen aus der Ukraine, die pro Woche im Landkreis Verden strandeten. Inzwischen sind die Zahlen rückläufig. Gleichzeitig zeichnet sich im Hallenstreit in Achim ein Ende ab.

Landkreis - Geflohene, schutzsuchende Menschen aus der Ukraine sind längst auch im Landkreis Verden angekommen. 1253 Frauen, Jugendliche und Kinder sind es nach der jüngsten Zählung des Kreises. „Es ist ein sehr dynamisches Geschehen“, sagt Landrat Peter Bohlmann. Zunächst waren es gut 40 Personen pro Woche, zuletzt um die 20 plus minus, die neu im Kreis ankamen. Geschätzt ein gutes Drittel ist dann bald schon weiter gereist.

Der Landrat weiß auch aus eigener Anschauung, wovon er redet, denn vor seinem Amtssitz im Verdener Kreishaus befindet sich die größte Sammelunterkunft im Kreis in Form des Containerdorfes, das in Hochzeiten der Pandemie noch als zentrale Impfstation diente. Weitere Sammelunterkünfte sind vorgesehen in den Turnhallen an den Verdener Berufsbildenden Schulen, in Kirchlinteln, Ottersberg und Cluvenhagen, im Sabtiergebäude in Verden und im Bassener Feuerwehrhaus. Ursprünglich war auch die Sporthalle in Uphusen vorgesehen, was – wie berichtet – einen Proteststurm des Achimer Behindertensportvereins auslöste. Doch der Kreis hatte, so der Landrat, der Stadt schon vor vier Wochen mitgeteilt, dass er zunächst dort keine Flüchtlinge unterbringen wird. „Schuld“ daran ist der DFB, der für die Fußballspiele des TB Uphusen Duschen fordert, die dann nicht gleichzeitig von Flüchtlingen genutzt werden könnten.

Warum dann die Stadt jetzt schon dem Behindertensport die Halle sperrte, erklärt uns der damit konfrontierte Bürgermeister Rainer Ditzfeld so: „Wir wissen ja nicht, wie lange die Halle für Flüchtlinge nicht gebraucht wird. Wir wollten den Behindertensportler ein Hin und Her ersparen.“ Anfang nächster Woche aber will die Stadt mit dem Kreis sprechen, ob es nicht wenigstens bis zu den Sommerferien eine Perspektive für den Behindertensport in Uphusen gibt.

Die Sammelunterkünfte sind dabei gar nicht mal am wichtigsten. 245 Menschen im Kreis sind da jetzt untergebracht, 100 Plätze sind noch frei, weil fast 80 Prozent der Ukrainer in Wohnungen untergekommen sind. Landrat Bohlmann: „Das spricht für eine beeindruckende Hilfsbereitschaft.“

Genau 1 098 der Menschen aus der Ukraine beziehen Leistungen aus dem Asylbewerbergesetz, verteilt auf 214 in Achim, 138 in Dörverden, 194 in Kirchlinteln, 65 in Langwedel, 181 in Ottersberg, 185 in Oyten, 132 in Thedinghausen und 461 in Verden. Die übrigen 155 überwiegend Ukrainerinnen beziehen kein Geld nach dem Asylgesetz, weil sie arbeiten und ihnen dies ausreicht.

Aus anderen Ländern sind 2022 nur 150 Asylsuchende hierher gekommen..

Von den 1 098 Menschen aus dem überfallenen osteuropäischen Land sind 115 Kinder bis fünf Jahre und 355 zwischen 6 und 17 Jahre alt. 245 dieser Kinder besuchen Schulen im Kreis.

Ab Juni gelten diese Geflüchteten als Hartz-IV-Empfänger und müssten sich selbst um eine Wohnung kümmern. Da sie dies bei dem Wohnungsmarkt nicht schaffen, hilft der Landkreis hier weiterhin. Dabei ist es laut Landrat von Vorteil, dass der Kreis eine Optionskommune für die Bearbeitung und Betreuung von Hartz-IV-L.eistungen ist. So kann er von der Unterkunft bis zum Sprachkurs ein dickes Paket anbieten, und die Menschen müssen nicht von Behörde zu Behörde pendeln. Jetzt laufen bei der Kreisvolkshochschule bereits drei Sprachkurse für 40 Personen. Zehn Kurse sollen es bald noch werden. Und natürlich engagieren sich für die Sprachkompetenz und vieles andere auch ganz viele Ehrenamtliche.

Eine befriedigende Momentaufnahme der Ukrainehilfe hier. Aber wer weiß schon, was Putin morgen macht?

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