Muss das wirklich sein?

Süßes an der Supermarkt-Kasse - eine gefährliche Verführung für Kinder

Bunte Verführung: An dieser „Zuckertankstelle“ kommt man auf dem Weg zur Supermarktkasse zwangsläufig vorbei.
+
Bunte Verführung: An dieser „Zuckertankstelle“ kommt man auf dem Weg zur Supermarktkasse zwangsläufig vorbei.

Besonders Kinder lieben Süßes. Und sie lassen sich leicht verführen, wenn die Süßigkeiten schön bunt sind, die Verpackung mit lustigen Comicfiguren lockt oder das zuckerhaltige Lebensmittel im Supermarkt auf Augenhöhe steht.

Verden – Eltern haben es da nicht leicht, eine gesunde Ernährung durchzusetzen beziehungsweise beim „Nein!“ im Supermarkt zu bleiben, wenn darauf ein protestierendes Geschrei folgt. Um so ärgerlicher sind verlockende Angebote an der Supermarktkasse oder im Bereich davor – meistens an unausweichlicher Stelle, so wie in einem Verdener Rewe-Markt. Eine bunte Schokolinsen-Station müsste man schon weiträumig umfahren, um Kinder von der Selbstbedienung fern- oder abzuhalten, zu der hier aufgefordert wird.

Auf eine Anfrage beim Leiter der Unternehmenskommunikation Rewe, Raimund Esser, ob solche Verlockungen angesichts von Übergewicht und Diabetes bei Kindern noch zeitgemäß sei, folgte diese Antwort: „Eine bewusste und gesunde Ernährung ist uns als Einzelhandelsunternehmen sehr wichtig. So ist die Rewe Group durch das Engagement im Bereich Zuckerreduktion Impulsgeber im deutschen Lebensmitteleinzelhandel und übernimmt als Händler gleichermaßen Verantwortung für einen bewussteren Zuckerkonsum.“ Bis Ende 2020 sollten alle relevanten Eigenmarken-Produkte mit reduziertem Zuckergehalt überprüft sein, heißt es weiter und: „Die von Ihnen angefragte ,m&m Zuckerstation’ ist bei Rewe nicht gelistet und insofern auch nicht flächendeckend in unseren über 3000 Märkten in Deutschland anzutreffen. Der Lieferant Mars bietet diese Station an und bei Bedarf können sich Rewe Märkte diese Station individuell bestellen.“

Wenig Bewegung, viel Süßes, Softdrinks und Pizza aus der Tiefkühltruhe: Immer mehr Kinder sind übergewichtig.

Doch Deutschlands Kinder werden immer dicker, auch im Landkreis Verden: Laut einer Langzeitstudie des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern ist jedes sechste Kind in Deutschland übergewichtig oder sogar adipös. Im Vergleich zu den 1980er- und 1990er-Jahren sei das ein Anstieg um 50 Prozent. Ärzte warnen vor der Gefahr, die übermäßig süße Lebensmittel für die Gesundheit bedeuten. Wer schon als Kind Übergewicht habe, trage es in der Regel bis ins Erwachsenenalter weiter.

Ernährungsberaterin aus Verden hat oft mit übergewichtigen Kindern zu tun

Die Verdener Ernährungsberaterin Sabine Prull hat tagtäglich mit übergewichtigen oder gar adipösen Kindern zu tun und hilft deren Eltern bei der Ernährungsumstellung, ohne den Zeigefinger zu heben. Außerdem ist sie Ansprechpartnerin für das Gesundheitsamt und Kinderärzte.

Sie sagt, dass Süßigkeiten im Zusammenhang mit Übergewicht ein wichtiges Thema sind. „Die Verführungs- und Verlockungssituationen nehmen zu. Süßigkeiten sind heute überall verfügbar.“ Aber es gebe mehrere Faktoren, die zu Übergewicht führen könnten: weniger Bewegung in Sportvereinen, dafür mehr Stunden an der Spielekonsole. Außerdem werde durch Berufstätigkeit weniger selber gekocht. Prull hat aber auch festgestellt, dass Süßgetränke einen großen Anteil am Übergewicht von Kinder haben. Die Verantwortung dafür trage die Lebensmittelindustrie. „Die machen gnadenlos Werbung auf Kosten unserer Kinder.“

„Fit in Klasse 6“-Projekt will Schulen im Landkreis Verden aufklären

Im Rahmen der Aktion „Fit in Klasse 6“ besucht das Team des Schul- und Jugendärztlichen Dienstes im Landkreis Verden regelmäßig alle sechsten Klassen der weiterführenden Schulen im Zuständigkeitsbereich. Wegen der Corona-Pandemie gibt es von dort keine aktuellen Zahlen, doch schon vor zwei Jahren zeichnete sich ein Anstieg ab.

Bei der Ermittlung des Body-Mass-Indexes bei 956 Kindern seien 108 (11,2 Prozent) übergewichtig gewesen, bei 90 Kinder (9,3 Prozent) sei Fettleibigkeit (Adipositas) festgestellt worden. Diesen Jugendlichen händigten die Mediziner eine Mitteilung für den behandelnden Kinderarzt aus. „Es fällt auf, dass die Zahl der Jugendlichen mit Adipositas im Vergleich zum Vorjahr von 7,3 auf 9,3 Prozent angestiegen ist. Auch bei den Kindern mit starkem Untergewicht ist ein leichter Aufwärtstrend zu verzeichnen“, kommentrierte seinerzeit Amtsärztin Birgit Fredershausen.

Übergewicht und Adipositas ein ernst zu nehmendes Problem“

Auch das Bundesministerium für Gesundheit warnt: „Übergewicht und Adipositas sind in Deutschland ein ernst zu nehmendes Problem. Um die Verbraucher bei der Auswahl gesunder Lebensmittel zu unterstützen, soll ab Herbst die Verordnung zum Nutri-Score in Kraft treten. Eine fünfstufige Farb- und Buchstabenskala liefert einen Überblick über die Nährwerte eines Produktes. Die Verbraucherzentrale kritisiert: „Die Verwendung bleibt den Herstellern freigestellt. Nur die EU könnte aktuell eine verpflichtende Kennzeichnung vorschreiben.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

München feiert Ersatz-Wiesn

München feiert Ersatz-Wiesn

Fans feiern Bundesliga-Rückkehr - BVB gewinnt Topspiel

Fans feiern Bundesliga-Rückkehr - BVB gewinnt Topspiel

Fotostrecke: Werder-Niederlage gegen Hertha bei Fan-Rückkehr

Fotostrecke: Werder-Niederlage gegen Hertha bei Fan-Rückkehr

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Meistgelesene Artikel

Corona-Verstöße in Verden: 170 Bußgeldbescheide für Maskenverweigerer

Corona-Verstöße in Verden: 170 Bußgeldbescheide für Maskenverweigerer

Corona-Verstöße in Verden: 170 Bußgeldbescheide für Maskenverweigerer
Betrunkene greifen in Verden Polizist und Klinikmitarbeiterin an

Betrunkene greifen in Verden Polizist und Klinikmitarbeiterin an

Betrunkene greifen in Verden Polizist und Klinikmitarbeiterin an

Kommentare