Im Verdener Impfzentrum und in den Arztpraxen bleibt es bei der Mangelverwaltung

Geduldsspiel Impfkampagne

Den leeren Behälter für die Impfstoffvials zeigen Henning Hovorka und Andrea Schröder vom Verdener Impfzentrum und vermitteln so den Eindruck der anhaltenden Knappheit.
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Der Impfstoff bleibt knapp. Mit dem Mangel im Impfzentrum müssen der ärztliche Leiter Dr. Henning Hovorka und die organisatorische Leiterin Andrea Schröder seit den ersten Spritzen zurechtkommen.

Die Priorisierung für die Impfung gegen Covid-19 ist ausgelaufen und auch das Datum, wann im Impfzentrum die Lichter ausgehen, steht fest: der 30. September. Das klingt so, als gehe die Impfkampagne ihrem Ende entgegen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, zeigt eine Zwischenbilanz.

Verden – Weder bundesweit noch im Kreisgebiet ist bislang auch nur die Hälfte der Einwohner geimpft. Fast 45 Prozent sind es nach den aktuellen Zahlen, die das Kreishaus gestern für den Landkreis gemeldet hat. Und bei der Versorgung mit Impfstoff herrscht immer noch Mangelverwaltung. Das beklagen die impfenden Arztpraxen ebenso wie die Teams im Impfzentrum. Jetzt aber sind alle dran und können sich beim Impfportal des Landes anmelden. Die Warteliste wird immer länger und Geduld ist gefragt: „Die Abarbeitung der Warteliste und die Impfung der priorisierten Gruppen wird noch einige Wochen in Anspruch nehmen“, heißt es aus Hannover.

800 Impfungen am Tag - mit mehr Impfstoff könnten es sein

„Im Impfzentrum werden derzeit täglich rund 800 Impfungen durchgeführt. Es wären aber mehr möglich, was die nach wie vor anhaltende Impfstoffknappheit aber nicht zulässt“, berichtet Landkreis-Sprecher Ulf Neumann auf Nachfrage. Die Mitarbeiter der Teams stünden bereit. Sie seien bis zum 30. September befristet eingestellt und so könne der Betrieb in den Impfstraßen reibungslos laufen.

Auch der Beitrag der Arztpraxen am Fortschritt der Kampagne wird noch von der verfügbaren Menge an Impfdosen begrenzt. Für die kommende Woche etwa konnten die impfenden Ärztinnen und Ärzte bis zu 69 Impfdosen der Vakzine von Biontech-Pfizer, Vaxzevria von Astrazeneca und Janssen von Johnson & Johnson ordern. Für Zweitimpfungen gebe es keine Obergrenzen. Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung informiert, hänge aber von der bestellten Gesamtmenge ab, wieviel Impfstoff dann wirklich an die Praxis geliefert wird. Ähnliche Erfahrungen machen auch die Betriebsärzte, die jetzt eingestiegen sind. So berichtet ihr Landesverband.

Im Verdener Impfzentrum haben derzeit immer noch die Zweitimpfungen einen Vorrang. Aber auch Erstimpfungen sind im geringeren Umfang wieder angelaufen. „An den nächsten beiden Wochenenden erfolgen auch die Zweitimpfungen der Erzieherinnen und Erzieher sowie der Lehrkräfte aus Grund- und Förderschulen in der Sporthalle der Grundschule am Lönsweg“, berichtete Neumann aktuelle Pläne.

Von dem erwarteten Ansturm der Impfwilligen, nachdem die Priorisierung aufgehoben wurde, bekommen die Mitarbeiter des Impfzentrums am Verdener Kreishaus nichts mit. Sie melden die möglichen Termine nach der Ankündigung von Impfstofflieferungen wie gewohnt nach Hannover. Im Impfportal werden sie mit den Impfwilligen in der Reihenfolge der Warteliste besetzt. „Bis zum Ende des Sommers wird aber jede und jeder in Niedersachsen die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen“, verspricht das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in einer Presseinformation, und die Chefin, Ministerin Daniela Behrens, bittet die Impfwilligen um Geduld.

Keine Erstimpfung mit Astrazeneca

Nach Vorgabe des Landes würden derzeit keine Astrazeneca-Erstimpfungen im Impfzentrum mehr durchgeführt, berichtet Neumann. Etwa zehn Prozent der Impflinge, so hatte der Experte Dr. Tom Schaberg im April von einer Konferenz in Verden berichtet, lehnte den Impfstoff ab. Jetzt werde auch die zweite Gabe bei Astrazeneca-Erstgeimpften mit einem mRNA-Impfstoff wie dem von Biontech-Pfizer durchgeführt, wenn die Impflinge jünger als 60 sind, berichtet Landkreis-Sprecher Neumann. Auch diese Kreuzimpfung gebe das Land vor. Er konnte aber auch berichten, dass in dieser Personengruppe mittlerweile vermehrt eine Zweitimpfung mit dem gleichen Impfstoff gewünscht wird.

Über Stornierungen von Impfterminen, weil etwa jemand das Vakzin ablehnt oder seine Dosis woanders erhalten hat, hat der Sprecher keine Informationen. „Stornierungen von Impfterminen erfolgen direkt im Portal des Landes. Diese Termine werden vom Land schnellstmöglich von der Warteliste neu besetzt oder für die Terminbörse freigegeben“, erklärt Neumann. Bedauerlich sei es aber, wenn die Impftermine nicht abgesagt würden, weil beispielsweise die Impfung schon beim Hausarzt durchgeführt wurde. „In diesen Fällen bleiben die Impftermine vor Ort unbesetzt.“ Der Sprecher empfiehlt deshalb dringend, Termine, die aus absehbaren Gründen nicht wahrgenommen werden, über das Impfportal zu stornieren.

Von Ronald Klee

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