Gespräch mit Museumsleiter Dr. Björn Emigholz

Gedanken rund um Weihnachten

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Weihnachten und seine Geschichte beschäftigt auch die Historiker. „Das Licht spielt dabei immer eine ganz besondere Rolle“, so Dr. Björn Emigholz.

Verden - Von Markus Wienken. Fröhliche Weihnacht’ überall: „Naja, so vergnügt war es nicht immer“, schmunzelt Dr. Björn Emigholz. „Was wir heute unter Schenken verstehen, kam im ursprünglichen Gedanken des Weihnachtsfestes so gar nicht vor“, erzählt der Leiter des Historischen Museum – Domherrenhaus Verden.

Und wenn er in seinen alten Gechichtsbüchern blättert, dann muss er gar nicht lange suchen, wie es denn nun wirklich war.

Was früher, will heißen vor Jahrhunderten, als „Geschenk“ zu Weihnachten auf dem Gabentisch lag, würde heute wohl nur noch ein müdes Lächeln auslösen. „Dabei ging es eben gar nicht darum, etwas Großes zu schenken, sondern nur um eine Kleinigkeit“, so Emigholz. „Manchmal war es nur ein Vanillekipferl, mit dem vor allem Kinder überrascht wurden.“ Geschenkt worden sei immer nur um des Schenkens willen. „Niemand erwartete grundsätzlich – ganz anders als heute – im Gegenzug selbst beschenkt zu werden“, weiß Emigholz.

Auf den großen Bauernhöfen oder in den bürgerlichen und gut betuchten Haushalten der Städte, wo viel Personal beschäftigt war, da war Weihnachten und die „Geschenkidee“ hingegen klar definiert: „Zum Fest gab’s zusätzlich zum Lohn etwas oben drauf. Das war eingeplant. Alles andere wäre eine Enttäuschung gewesen.“

Zusammenhang mit der Wintersonnenwende

Doch warum wird Weihnachten rund um den 25. Dezember gefeiert? In der Bibel selbst gebe es keinerlei Angaben zum Datum der Geburt Jesu Christi. „Eine mögliche Erklärung ist der Zusammenhang mit der Wintersonnenwende. Um dieses Datum herum werden die Tage wieder länger, es ist die Zeit, an dem der Siegeszug des Lichtes über die Dunkelheit beginnt“, erklärt Emigholz. „Da die Symbolik des Lichtes auch im Neuen Testament vielfach auf Christus bezogen wird, liegt es nahe, an diesem Tag Christi Geburt zu feiern.“

Wer das Licht in dem Zusammenhang in den Mittelpunkt rücke, der müsse zugleich verstehen, welche Bedeutung die Sonne oder einfach nur Tageslicht schon immer für die Menschen gespielt habe. „Es gab keinen Strom, die Verhältnisse waren vielerorts sehr ärmlich“, schildert Emigholz. Er spricht damit die Zustände im späten Mittelalter an, wo die Menschen zudem erheblich unter Kälte litten. 

„Die Kleine Eiszeit war eine Periode relativ kühlen Klimas von Anfang des 15. Jahrhunderts bis in das 19. Jahrhundert hinein. Sie gilt in der heutigen Diskussion als das klassische Beispiel einer durch kurzfristige Schwankungen geprägten natürlichen Klimavariation“, so Emigholz. „Die Tage, die gegen Ende des Jahres wieder länger wurden, gaben den Menschen damals Hoffnung, dass der Winter zur Hälfte vorbei sei. Auch das war sicherlich ein Grund, zu feiern, ganz nach dem Motto: Ich habe bisher überlebt, jetzt schaffe ich den Weg bis zum Frühjahr auch noch.“

Vielfach, so Emigholz, sei auf den Bauernhöfen zu dem Zeitpunkt eine Inventur fällig gewesen. „Dazu gehörte auch zu prüfen, wieviel Korn noch in der Kammer lag und ob noch genug für die Aussaat im Frühling bleibt. Je nach Resultat, dürfte die Freude mal groß, mal weniger groß ausgefallen sein.“

Einen Konsumrausch befördert

In der Forschung gab es auch den Versuch, das Weihnachtsdatum im Zusammenhang mit einem wichtigen Tag in der heidnisch-römischen Kultur zu erklären. „Dort feierte man am 25. Dezember den Festtag zu Ehren des ,Sol invictus’ – des unbesiegbaren Sonnengottes“, so Emigholz. Möglich wäre, dass die Christen einen ihrer wichtigsten Feiertage diesem heidnischen Feiertag bewusst entgegengesetzt hätten, so lautete eine Vermutung. Dieser Erklärungsansatz werde aber allein deshalb angezweifelt, da die Christen anderen heidnischen Feiertagen eher mit Bußübungen, zum Beispiel durch bewusstes Fasten, begegneten.

Belegt sei hingegen, dass sich das Weihnachtsfest über die Jahrhunderte immer mehr verändert habe. Die Industriealisierung und das massive Wachsen der Städte hätten darauf maßgeblichen Einfluss genommen: „Ein Konsumrausch wurde befördert, der letztendlich mit dem eigentlichen Weihnachtsfest ja nur noch wenig zu tun hat“, beobachtet Emigholz. Dabei werde nichts dem Zufall überlassen.

Die Bedeutung von Weihnachten und dem ganzen Drumherum habe sich ja bis in die Etagen der Fernsehsender ihre Bahn gebrochen. „Dort sitzen sogar die Verantwortlichen schon im Sommer zusammen, um über das Programm der Feiertage zu beraten, vielleicht auch dafür zu sorgen, dass es in den Familien keinen Streit gibt“, vermutet Emigholz. Und er bleibt dabei: „Weihnachten wirft noch immer viele Fragen auf“, so der Museumsleiter. „Und das ist doch irgendwie auch ganz schön und spannend.“

mw

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