260 Jahre gastronomische Geschichte finden ein Ende

Ein letztes Bier bei Früchtnicht

Das Gasthaus an der Achimer Straße in Dauelsen macht zum Jahresende dicht. Ein Grund für die Schließung ist die Schwierigkeit, einen geeigneten Nachfolger zu finden. - Fotos: Bruns
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Das Gasthaus an der Achimer Straße in Dauelsen macht zum Jahresende dicht. Ein Grund für die Schließung ist die Schwierigkeit, einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Verden - „Schade, dass wir nicht wiederkommen können“, so verabschiedete sich ein Gast bei der Familie Richter. Sätze wie diesen hören die Inhaber und Betreiber des Gasthauses „Eichenkrug Früchtnicht“ derzeit häufig, denn die Schließung steht unmittelbar bevor. Freitag soll mit Stammgästen und Freunden das letzte Fass geleert werden. Und nach einer privaten Silvesterfeier werden die Zapfhähne für immer hochgedreht.

Insbesondere Inhaberin Hilde Richter, geborene Früchtnicht, ist deutlich anzumerken, wie schwer ihr der Abschied fällt. Verständlich, schließlich ist das Gasthaus in Dauelsen vielmehr als nur ihr Elternhaus. 1964 hatte sie gemeinsam mit ihrem 20 Jahre später verstorbenen Ehemann Karl-Heinz den Betrieb übernommen. Zunächst bauten sie das heutige Clubzimmer an und sechs Jahre später die Kegelbahn.

„Montags nach dem Schweinewiegen wurde in der Gaststätte gezecht"

„1975 wurde der Saal ausgebaut“, erinnert sich die Eigentümerin. Dort hatte bislang das Tischtennistraining des örtlichen Sportvereins stattgefunden und die Schützen sich im Schießen mit Luftgewehren geübt. „Die Nischen waren Knechtkammern“, berichtet Sohn Jens Richter und im Bereich des Tresens auf dem Saal war der Kuhstall. „Der Heuwagen ist durch das große Dielentor reingefahren und das Heu wurde durch eine Luke auf den Boden hoch geladen.“

Das Schießen mit dem Luftgewehr wurde mit dem Ausbau des Saals zunächst in einen Anbau im heutigen Parkplatzbereich verlegt. Dort stand früher die Viehwaage. „Montags nach dem Schweinewiegen wurde in der Gaststätte gezecht. Da flog dann schon mal der Aschenbecher durch die Scheibe“, berichtet Jens Richter.

Eine Postkarte aus vergangenen Zeiten, die im Gasthaus hängt.

Doch die Geschichte des Eichenkrugs reicht noch viel weiter zurück. 1755 hat sie begonnen mit einer Pferdewechselstation. Das Lokal an der heutigen Achimer Straße war ein wichtiger Versorgungspunkt auf der Poststrecke Hannover-Bremen. In diesem Ausspann wurden die Pferde gewechselt und der Kutscher konnte sich in der Gaststätte stärken.

Seit rund 15 Jahren führt Hilde Richters zweiter Sohn, Thomas Richter, in fünfter Generation den Eichenkrug. Als gelernter Koch, wie sein verstorbener Vater, war er für das hoch gelobte Essen in dem Gasthaus zuständig. Lebensmittelpunkt des 52-Jährigen wird künftig Klein Heins sein, wo er mit Frau und Tochter lebt.

Eichenkrug war immer in Familienbesitz

Mehr als 260 Jahre gastronomische Geschichte finden nun ein Ende. Immer war der Eichenkrug in Familienbesitz, doch das Gasthaus wurde verkauft, wird abgerissen und mit modernen Mehrfamilienhäusern bebaut. Persönliche Gründe und die vergebliche Suche nach einem Käufer oder Pächter, der den Betrieb weiter führt, haben zu dieser Entscheidung geführt. Sie hätten bei einer Modernisierung einen sechsstelligen Betrag investieren müssen, sagt Jens Richter „Da überlegt man sich gut, ob man das Risiko eingehen will“, erklärt er. Zumal die Gastronomie derzeit stark im Wandel ist. „Die Dorfgaststätten sterben aus“, so Richter.

Umtrunk am Freitag

Freitagabend gibt es ab 17 Uhr einen Umtrunk als Dankeschön für Stammgäste und Freunde. Die letzte Chance, für alle die Lust haben, noch ein Bier im Eichenkrug Früchtnicht zu trinken. 

wb

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