„2G-plus schlimmer als Lockdown“

Verdener Gastronomen: Tests, aber rapider Gästerückgang

Blick durchs Schaufenster auf leeres Café.
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Vollgeschriebene Fensterscheiben, eher Leere im Innenraum: Verdener und Achimer Gastronomen und Café-Betreiber bieten zwar Tests an, die Gästezahlen gehen dennoch rapide zurück.

Verden/Achim – Einige Gastronomen bieten den Test kostenlos an, andere stellen ihn für einen Betrag von vier bis fünf Euro zur Verfügung. Und alle reagieren fassungslos. „Das 2G-plus ist das Schlimmste, was uns passieren konnte“, spricht der Achimer Atrium-Betreiber Frank Adler den Berufskollegen aus der Seele.

„Ein Lockdown wäre natürlich ebenso katastrophal gewesen, aber es hätte uns immerhin wirtschaftlich nicht so schwer geschadet. Jetzt müssen wir auch noch geöffnet haben.“ Spätestens seit vergangenen Mittwoch ist nichts mehr, wie es war. Zugelassen sind ohnehin nur noch Geimpfte und Genesene, aber auch die bleiben immer häufiger weg. Die Gästezahlen brechen ein, die Stornos wachsen ins Unendliche und die Kosten laufen weiter. Gleichzeitig droht das Personal abzuwandern, das ohnehin schon dezimierte Personal, eine Rückkehr beinahe ausgeschlossen. Die ganze Branche steht am Abgrund.

Allerdings gibt sie nicht kampflos auf. Darauf deuten die Reaktionen hin, die im Kreishaus landen. „Hunderte von Telefonaten haben wir geführt, mit vier Leuten stehen wir den Anrufern Rede und Antwort“, sagt Berit Härthe vom Verwaltungsdienst Corona. Veranstalter suchen Rat, Sportvorstände auch, dann die körpernahen Dienstleister, und eben Gastronomen. Und der überwiegende Teil hätte da mal eine Frage zu den Tests. „Also“, sagt Härthe, „vor Ort in den Lokalen ist ein Test möglich. Dazu bedarf es keiner besondere Qualifikation. Einzige Bedingung: Das Personal muss ein Verfahren ermöglichen, das zuverlässig abläuft.“

Klingt einfach, birgt aber jede Menge Unklarheiten. Wer zahlt das eigentlich?, lautet eine der wesentlichen Fragen. „Für Stammkunden führen wir den Test durch“, sagt eine Verdener Gastronomin. Ihren Namen möchte sie nicht nennen, aus gutem Grund, wie sie findet. „Wir drohen damit zu einer Ausweichmöglichkeit für die überlaufenden Testzentren zu werden. Erste Tendenzen dazu sind schon jetzt erkennbar.“ Andere bieten einen solche Überprüfung für ein paar Euro an, dies aber ebenfalls mit Bauchschmerzen. „Kostendeckend ist das nicht. Im Einkauf sind die Tests teurer, und die Frage, wie lange sie noch am Markt erhältlich sind, kann ohnehin keiner beantworten.“ Außerdem brauche man einige Tests auch fürs Personal. „Unsere Leute können nicht schutzlos jedem Zufall ausgesetzt bleiben.“

Wer abends ins Restaurant möchte, hat allerdings zwei weitere Möglichkeiten. Einerseits den Weg in eines der Testzentren. Das ist kostenlos, dauert aber, wenn es überhaupt Termine gibt. „Das bürden sich die Menschen nur selten auf.“ Und dann wäre da noch der Test, den der geneigte Besucher mitbringt und vor den Augen des Personals anwendet. „Auch das ist möglich“, sagt Härthe, „vorausgesetzt natürlich, die Tests sind vom Bundesamt für Arzeimittel zugelassen.“

Wirtschaftliche Einbrüche vermögen diese Maßnahmen nicht zu verhindern. „Ich habe beispielsweise den ganzen Donnerstag über nur zwei Gäste gezählt“, heißt es etwa aus dem Café Erasmie. „Die Umsätze sind um 50 bis 60 Prozent weggebrochen“, sagt Gastronom Sven Sottorff, „und das in einem Dezember, im stärksten Monat der Branche. Es ist fatal.“ Ähnliche Bilanzen auch im Achimer Atrium. „Wir verzeichnen 70 Prozent weniger als im Jahr 2019.“ Das gehe an die Substanz, es gehe an die Reserven. „Was wir uns im zurückliegenden Jahr erarbeitet haben, geht flöten, wenn es überhaupt reicht“, sagt Frank Adler. Eines indes wolle er vermeiden. „Unsere Mitarbeiter werden wohl nicht in Kurzarbeit gehen, sie haben noch Urlaub abzufeiern.“ Kurzarbeit wolle man ihnen nach den schweren Einschnitten der vergangenen fast zwei Jahre nicht noch einmal zumuten.

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