Ganz neu: Der Corona-Handschlag

Nein, nicht im falschen Moment auf den Auslöser gedrückt, sondern im genau richtigen: Vereidigung des neuen Stadtratsmitglieds Benedikt Pape (l.) per Handschlag durch Bürgermeister Lutz Brockmann. Foto: kra

Das Virus hat die hinterletzten Ecken erreicht. Verdens Bürgermeister Brockmann brach bei der Vereidigung eines neuen Ratsmitgliedes mit einer Jahrhunderte alten Tradition. Und auch die Politik beschritt Wege, hätte sie jemand vor vier Wochen geweissagt, er wäre für verrückt erklärt worden.

VON HEINRICH KRACKE

Verden – Die 37 Minuten der Notsitzung waren schon fast vorüber, da stürmte Corona eine der letzten Bastionen. Er hatte die ganze Zeit, nicht allzu lange also, er hatte die ganze Zeit abseits von allen ganz hinten in der Mensa des Verdener Campus gesessen. Er war zwischenzeitlich wahrgenommen worden. Ob er denn eine Frage habe, wurde er gefragt, immerhin stehe jetzt die Einwohnerfragestunde auf der Tagesordnung, und die solle eingehalten werden. Aber Benedikt Pape, der einzige Zuhörer jener außergewöhnlichen Ratssitzung (wir berichteten), nein, sagte er, er habe keine Frage. Und geduldig wohnte er auch dem einstimmigen Beschluss bei, mit der der Stadtrat seine Entscheidungshoheit auf den Verwaltungsausschuss übertrug. Die große Stunde Benedikt Papes kam später, Pardon: die große Minute.

Er hätte eigentlich als Vorsitzender des SPD-Ortsverbandes in den Stadtrat einziehen sollen. So sah es die sozialdemokratische Stallregie vor. Ging nicht, die Hauptversammlung war dem Virus zum Opfer gefallen. Der Stadtrat arbeitete schmerzbefreiter. Kurz bei der Abstimmung die Hände empor, und schon war Benedikt Pape aufgenommen. Jetzt noch die Unterschrift unter die Verpflichtungserklärung, auch kein Problem, in Corona-Zeiten halten alle Abstand, auch derjenige, der Papier und Füller überreicht, und derjenige, der es später zurückgibt. Aber dann kam‘s: „Zur guten Tradition gehört zum Schluss der Handschlag“, sagte Bürgermeister Lutz Brockmann. Handschlag mit dem Stadtoberhaupt, Handschlag mit der Ratsvorsitzenden, diesmal Anja König (CDU). Aber Handschlag in Corona-Zeiten? Eine Sekunde standen sie einander gegenüber, vielleicht auch zwei, oder weniger, eine knisternde Sekunde. Und schon war er erfunden. Der ganz neue Handschlag geht so: Die rechte Hand in Richtung des Gegenübers führen, fix und routiniert, dann aber ungefähr anderthalb Meter vor dem Aufeinandertreffen stoppen, abrupt stoppen. Klappte prima.

Völliges Neuland betrat zuvor auch die Kommunalpolitik. Es ging um die Redebeiträge. Man wolle die Sitzung nicht unnötig in die Länge ziehen. Deshalb: Möglichst keine Reden, aber was zu sagen gewesen wäre, bitte aufschreiben und es der Protokollführerin zusenden, sie werde diese Beiträge dann allen zukommen lassen und abheften.

Nun, wie berichtet vermochte die Politik nicht ganz zu verstummen, aber sie hielt sich immerhin kurz. Und am Ende war bis gestern Mittag lediglich eine Rede, die nicht gehalten wurde, im Rathaus eingeschwirrt. Digital. Und absprachegemäß der Presse weitergeleitet. Ebenfalls digital. Wer sie einsehen möchte, gerne melden. Aber bitte digital.

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