Organisationen von Doz 20 bis zum DGB informieren und verdeutlichen: „Verden bleibt bunt“

Für Respekt und Toleranz

Gegen Rechtsextremismus: Verschiedene Organisationen stellten sich vor.  FOTOS: FRIEDERIKE MÜLLER
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Gegen Rechtsextremismus: Verschiedene Organisationen stellten sich vor. FOTOS: FRIEDERIKE MÜLLER

Verden – Die Ansage ist deutlich: „Aktiv gegen Rassismus und Rechtsextremismus“. Dafür warben gestern Verdener Organisationen auf dem Holzmarktgelände. Mit ihrer Veranstaltung unter dem Motto „Respekt. Toleranz. Verden“, initiiert vom Dokumentationszentrum (Doz) 20, erinnerten sie auch an die Nürnberger Rassengesetze, die am 15. September 1935 auf dem Reichsparteitag der NSDAP beschlossen wurden. „Für uns gehört zum Klimaschutz auch der Antifaschismus“, erklärte Jakob Geweke aus dem Orga-Team von Fridays For Future. „Wir kämpfen als Ortsgruppe für eine klimagerechte Welt. Dort ist kein Platz für Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten.“

Die Verdener Polizei war ebenfalls vor Ort, genauso wie die Ortsgruppe von Amnesty International. Laut Axel Sonntag, Leiter dieser lokalen Gruppe, beschäftigt die Organisation sich vorrangig mit Verhaftungen aus politischen, religiösen oder rassistischen Gründen. Gerade die Kriminalstatistiken aus den USA zeigten, dass Dunkelhäutige öfter verurteilt werden. „Bei Todesstrafen werden in der Regel Weiße begnadigt.“

Die „Omas gegen Rechts“ machten ihren Stand interaktiv und stellten Gläser mit Schildern auf. Darauf standen Worte wie „Gleichberechtigung“ oder „Toleranz“. Interessierte konnten drei Holzkugeln in die Gläser mit den Themen werfen, die ihnen wichtig sind. Ulla Held von „Omas gegen Rechts“ setzt ihre Priorität so: „Dass unsere Nachfahren ohne Rechtsextremismus aufwachsen können.“

Bürgermeister Lutz Brockmann erklärte, er wünsche sich eine Gesellschaft mit gleichen Rechten, Respekt und Würde für alle. So etwas von einer Personengruppe wegzunehmen, greife die Gesellschaft im Kern an. Daher wolle er die Vernetzung von Organisationen fördern und durch Bildungsarbeit das Lernen aus der Geschichte voranbringen. Das ist auch ein Stichwort für das Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage (Wabe). Dessen Koordinator Rudi Klemm berichtete von Workshops für Jugendliche, die überall im Landkreis stattfinden, sowie mobiler Beratung, die beim Umgang mit Rassismus und Rechtsradikalismus helfe. Gerade in Zeiten von Verschwörungsglauben sei es wichtig, vor den aktuellen Entwicklungen zu warnen. „Es sind zwar wenige Personen, aber sie sind laut“. Ein Workshop zum Thema „Hassreden begegnen“ findet am 19. September, 10 Uhr, im Jugendhaus Nienburg statt.

Auch Kindern, so Gwen Sühsmann von der Stadtbibliothek, könne man das Thema Rassismus schon vermitteln. An ihrem Stand lagen Bücher wie „Zivilcourage 2.0“ aus.

Der DGB-Kreisverband informierte über seine gewerkschaftspolitische Arbeit. Vorstandsmitglied Jutta Liebetruth befürwortet mehr Zusammenhalt für weniger Missgunst. Eva Hibbeler, die den Verdener Ortsverein leitet, fügt hinzu: „Wenn alle gleiche Rechte haben und die Gewerkschaften das durchsetzen, ist man selbst kein Spielball.“ Daher biete der DGB-Kreisverband kostenlose Beratung für alle an, die Probleme mit ihrem Arbeitgeber haben. Mitglieder könnten tarifpolitische Forderungen mitgestalten und sich beruflich weiterbilden.

Petra Holste von der städtischen Fachstelle für Inklusion, Integration und Prävention, erinnerte an die Initiative „Verden ist bunt“ und eine damit verbundene Resolution des Stadtrates. Das höchste politische Gremium der Stadt wandte sich bereits 2005 „entschieden gegen alle Formen des Rechtsextremismus in der Stadt Verden, im Landkreis Verden und darüber hinaus“. Interkulturelle Begegnungen unterstütze die Stadt auch durch den „Kulturentreff“, so Holste. Dienstags, 14 bis 18 Uhr, sowie mittwochs, 14 bis 19 Uhr, findet dieser im Bistro Kult am Holzmarkt 13 statt.

Obwohl jede Organisation ein eigenes Anliegen vertritt, in einer Sache waren sich alle einig: In Verden und auch anderswo muss man sich weiterhin gegen Rechtsextremismus und Rassismus, für Demokratie und Menschenrechte engagieren. Jan Ommen von „Fridays for Future“ fasst es so zusammen: „Es reicht nicht, kein Faschist zu sein. Man muss aktiv antifaschistisch sein.“

Kathrein Goldbach vom Doz 20 zieht ein positives Fazit: „Wir haben in einer positiven Atmosphäre ‚Verden ist bunt‘ wiederbelebt.“ Auch sie wünschte sich, dass Menschen sich weiter für Freiheit und Demokratie einsetzen.

Von Friederike Müller

Klare Ansage: Das Motto der Infoveranstaltung.

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