Die Ortschaft im Fokus

Heimatverein Eissel präsentiert zweites Heft zur Geschichte

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Einige Nachkommen der gefallenen Eisseler waren gekommen, um ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten.

Verden-Eissel - Die Präsentation der Biographie ihres im Januar 1944 in Russland gefallenen Vaters war es Gertrud Reeck wert, nur für einen Nachmittag ins beschauliche Eissel zurückzukehren.

Dort hatte die Essenerin als Flüchtlingsmädchen einen Teil ihrer Kindheit verbracht. Der Heimatverein Eissel präsentierte sein zweites Heft zur Heimatgeschichte, das die Lebensgeschichten der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Männer des Ortes beschreibt.

In enger Zusammenarbeit haben der Heimatverein und die Ortsfeuerwehr seit 2015 die herkömmlichen Gedenkfeiern zum Volkstrauertag umgestaltet. Grundlage dafür waren die Lebensgeschichten der Eisseler Gefallenen. Mit den Toten und Vermissten des Ersten Weltkrieges befasst sich das erste Geschichtsheft. 

Rechtzeitig zum kommenden Volkstrauertag ist es dem Heimatverein gelungen, die Lebensgeschichten der acht Männer nachzuzeichnen, die auf dem Eisseler Ehrenmal als im Zweiten Weltkrieg gefallen oder vermisst genannt sind. Zur Präsentation im Dorfgemeinschaftshaus begrüßte der Vorsitzende des Heimatvereins, Gerd Meyer, auch Gerd Depke, den Geschäftsführer des Kreisverbandes Verden vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Geschichten von Hofstellen und Familien

Der Verfasser der Gedenkschrift, Günter Palm, begleitete die mittels Beamer großformatig an die Wand projizierten Inhalte des Heftes mit zusätzlichen Informationen. In dem Heft ist beschrieben, auf welchen Hofstellen die Gefallenen gelebt haben, wer ihre Familien waren und unter welchen Umständen sie als Soldaten ihr Leben verloren haben. 

Gerd Meyer (links) und Günther Palm mit dem neuen Heft.

Eine Besonderheit und Abweichung zu den Biographien der Männer, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben, besteht darin, dass auf dem Ehrenmal auch Gefallene genannt sind, die nicht in Eissel gelebt haben. Bei Edmund Salo, Gisbert Pahl und Johannes Glode handelt es sich um Angehörige von Flüchtlingsfamilien, die in den Wirren der Jahre ab 1945 im niedersächsischen Eissel „gestrandet“ sind.

Günter Palm vergaß nicht, den Angehörigen und Nachkommen zu danken. Ohne ihre Unterstützung, die sich nicht nur auf persönliche Gespräche, sondern auch auf die Herausgabe von Fotos und Dokumente aus dem Familienbesitz bezieht, wäre es nicht möglich gewesen, die biographischen Einzelheiten darzustellen.

Viele der Angehörigen und Nachkommen waren der Einladung des Heimatvereins gefolgt, an der Präsentation des Eisseler Geschichtsheftes teilzunehmen. Auch Gertrud Reeck, die eigens aus Essen angereist war, um bei der Vorstellung der Lebensgeschichte ihres im Januar 1944 gefallenen Vaters dabei zu sein.

Mit einem Zitat geendet

Sie war während des Krieges mit ihrer Mutter aus Westpreußen geflüchtet und kam in Eissel bei Familie Müller unter. Die Wiedersehensfreude war groß, als Reeck am Sonntag auch einige ehemalige Freundinnen und Bekannte aus Eisseler Kindertagen von vor mehr als 60 Jahren wiedersah. „Die Anwesenheit von Frau Reeck darf der Verein durchaus als eine besondere Anerkennung seiner Arbeit werten“, meinte Günter Palm.

Der Vortrag endete mit einem Zitat von Erhard Fricke, Sohn des letzten Dorfschullehrers von Eissel, Ludwig Fricke. Erhard Fricke fiel ebenfalls in Russland und wurde nur 19 Jahre alt. Bis zum heutigen Tage bewegen seine Worte, die er zu Lebzeiten sprach: „Für andere gibt’s das Ritterkreuz, für mich wohl nur ein Birkenkreuz“.

Am kommenden Sonntag wird die kurze Lebensgeschichte von Erhard Fricke anlässlich der Gedenkfeier zum Volkstrauertag von zwei Mitgliedern der Jugendfeuerwehr vortragen.

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