Hohe Umweltauflagen bei Neubau der Nordbrücke / Muscheln absammeln

Fünf Millionen Euro für Fledermaus

Irgendwo Fledermäuse in den Verstecken? Die alte Nordbrücke muss laut Planfeststellungsbeschluss intensiv abgesucht werden.
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Irgendwo Fledermäuse in den Verstecken? Die alte Nordbrücke muss laut Planfeststellungsbeschluss intensiv abgesucht werden.

Verden – Die Zwergfledermaus ist betroffen, die Rauhautfledermaus ebenfalls, und die Teichfledermaus, jawohl, auch sie spielt eine Rolle. Fledermäuse schätzen keine Eindringlinge in ihre Lufträume. Sie gleiten mehr oder minder lautlos durch die Nacht, laben sich an Insekten und hängen den Rest des Tages in ihren Verstecken ab. Und das werden sie auch während eines der größten Straßenbauprojekte der Region ab dem übernächsten Jahr tun. Beim Bau der Aller-Nordbrücke. Wie jetzt im Rahmen der Denkmalschutzlösungen für das Altbauwerk bekannt wurde (wir berichteten), erreicht dieses Projekt auch bei den Nebenkosten bemerkenswerte Ausmaße. Allein fünf Millionen Euro fließen in Fledermaus und Co. Zusätzlich werden aus diesem Topf Grundstückskäufe, weitere Naturschutzmaßnahmen und der Asphalt für die kommenden Brückenzufahrten bezahlt.

Die Bausummen fallen astronomisch aus. So viel steht mal fest. „30 Millionen Euro sind nach aktuellem Stand für den Neubau der Nordbrücke freigegeben“, sagt Gisela Schütt von der Straßenbaubehörde Verden. 25 Millionen Euro verschlingt allein die kommende Brückenkonstruktion.

Völlig unklar allerdings, ob es auch wirklich dabei bleibt. Die Kalkulation stammt aus dem vergangenen Herbst. Seither sind die Kosten gestiegen, Insider sprechen von bis zu zehn Prozent Bau-Inflationsrate innerhalb eines einzigen Jahres.

Und bis zum tatsächlichen Baustart sind es nicht nur zwölf Monate, es ist noch länger hin. Schütt allerdings bleibt vorerst gelassen. Ihre Hoffnung: „Wir holen die Angebote mehrerer Firmen ein. Da herrscht ein gesunder Wettbewerb.“

Wie hoch tatsächlich die Kosten für den Naturschutz ausfallen, ist noch offen. Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung sind lediglich die zu ergreifenden Maßnahmen festgelegt. Wieder das Beispiel Fledermaus. Peinlich genau seien alle drei Brückenbauwerke vor dem Abriss auf potenzielle Quartiere zu überprüfen. Gleiches gelte auch für das Fällen von Gehölzen ab 30 Zentimeter Durchmesser. Und da die gemeine Fledermaus nun mal gern im Dunkeln unterwegs sei, werde auf ein Ausleuchten der Baustelle in der warmen Jahreshälfte zu verzichten sein.

Und, natürlich, eine dauerhafte Beleuchtung der unteren Brückenseite, sie komme selbstverständlich ebenfalls nicht in Frage. Auf diesen Dunkelheitsservice haben auch Singschwan, Zwergtaucher, Reiherente, Teichhuhn und Zwergsänger Anspruch. Der Gartenrotschwanz kommt zudem „bis zur vollen Funktionsfähigkeit der neu zu entwickelnden Weidengehölze in den Genuss von anzubringenden Nisthilfen“. All das sind Verordnungen aus dem Planfeststellungsbeschluss, der gegenwärtig im Verdener Rathaus ausliegt.

Schon mal was von Schlammpeitzger gehört? Oder Mühlkoppe? Das sind Fischarten, genauso wie Aal, Steinbeißer oder Bitterling. Ihnen zuliebe sind die Bauzeiträume laut Planfeststellungsbeschluss im und am Wasser zwischen März und Ende Juli einzuschränken. Muscheln seien zudem vor Beginn der Bauzeit ab August abzusammeln.

Einige andere Bewohner der Allerwiesen werden umziehen müssen. Die Krähen zum Beispiel. Noch halten sie sich in den Pappeln an der Bundesstraße auf, künftig sollen sie ein neues Domizil mehr in Richtung Allermündung erhalten.

Der Umzug sei vor Beginn der Baumaßnahmen durchzuführen, heißt es im öffentlichen Planfeststellungsbeschluss. Fraglich eben nur, ob die Krähen das auch so sehen. Kostenbegrenzungen jedenfalls sind nicht vorgesehen.

Auch die Belange des Menschen kommen auf den 50 Seiten zur Geltung. Umfangreich dargelegt beispielsweise, warum der Rad- und Gehweg nicht auf rund vier Metern zu verbreitern sei, wie von der Kreisverwaltung gefordert. Eine Breite von zweieinhalb Metern entspreche den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, heißt es.

Lärmschutz werde ebenfalls integriert. Nicht allerdings in dem Umfang, wie es die Stadt Verden vorgeschlagen hatte. Das Rathaus hatte eine niedrige Lärmschutzwand zwischen Fahrbahn und Radweg ins Spiel gebracht. Geht nicht, heißt es in dem Planfeststellungsbeschluss. Dass dafür kein Platz sei, wird halbseitig wortreich erklärt.

In einem anderen Punkt war die Stadtverwaltung erfolgreicher. Ja, sie dürfe die Farbe der Stahlkonstruktion analog zur Südbrücke mitgestalten. Immerhin.

Von Heinrich Kracke

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