Berührendes in Borstel

Kitas ziehen Corona-Zwischenbilanz: Fünf Kinder mit Erkältungssymptomen

Ungewöhnliche Begegnung mit der Corona-Krise: Ilka Hettlich, Dr. Christiane Morré, Lars Kück und Petra Otten (v.l.) berichten aus den Verdener Kitas.
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Ungewöhnliche Begegnung mit der Corona-Krise: Ilka Hettlich, Dr. Christiane Morré, Lars Kück und Petra Otten (v.l.) berichten aus den Verdener Kitas.
  • Heinrich Kracke
    vonHeinrich Kracke
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Verden – Am Mittwoch wartet die nächste kleine Lockerung auf die Jüngsten in den Kindertagesstätten. „Es gibt wieder Mittagessen“, sagt Petra Otten von der städtischen Einrichtung in Dauelsen. Und das wird nicht einfach nur so hin- und eingenommen. „Das ist bejubelt worden“, sagt die Leiterin.

Wieder ein Stück mehr Normalität in immer noch schwieriger Zeit. Aber bis zur vollständigen Rückkehr in den Alltagsbetrieb dürfte es noch etwas dauern. „Dankenswerterweise haben sich die Mitarbeiter entschlossen, in den Kindertagesstätten ohne Mundschutz zu arbeiten“, sagt Dr. Christiane Morré aus dem Verdener Rathaus. Ganz wohl sei manchen unter den 170 Beschäftigten allerdings dabei nicht. Das Risiko sei da. „Deshalb diskutieren wir zurzeit über einen Einsatz von durchsichtigen Visieren.“

Und auch die Unsicherheit ist geblieben. Gestern erst wieder. Die Kindertagesstätte in Dauelsen. „Dass mal gelegentlich ein Kind mit Hüstel-Symptomen zu Hause bleibt, das ist üblich,“ sagt Petra Otten, „das war schon vor Corona so.“ Aber am Dienstag häufte es sich merkwürdigerweise. Gleich fünf Kinder aus ein und derselben Gruppe, die wegen Schnupfens abgemeldet wurden. Ein Grund zur Unruhe? Die ganze Kindertagesstätte schließen? Gar nicht reagieren? Otten: „Wir machen nicht auf Panik, aber wir stehen mit den Eltern in Kontakt und die mit den Kinderärzten.“ Überraschend käme die fünffache Erkältung nicht. „Es ist an den vergangenen Tagen kühler geworden, die Kinder waren beim Baden, da kann sich schon mal Schnupfen einstellen,“ sagt die Leiterin. Für sie sei dies die wahrscheinlichste Erklärung. Früher hätte sie es nur so zur Kenntnis genommen. Aber jetzt werde sie am Ball bleiben, kündigte Petra Otten an.

Und schon war die ohnehin turbulente Zeit um eine Facette reicher. Eine Art Zwischenbilanz zog Fachbereichsleiterin Christiane Morré gestern im Rahmen einer Pressekonferenz in der Kita Dauelsen mit Vertretern von drei Einrichtungen. Und da fiel als allererstes der durchaus üppige Stapel Papier ins Auge, den Morré mitgebracht hatte. „Alles Verordnungen, die uns oft aus heiterem Himmel trafen, und innerhalb weniger Stunden umgesetzt werden mussten.“ Angefangen vom Freitag, den 13. März, als das Land sämtlichen Kindergärten die Schließung verordnete. Dann die Notbetreuung nach den Osterferien, die Notgruppen ab dem 18. Mai, und die Rückkehr zum Vollbetrieb seit Mitte Juni. Ein Vollbetrieb allerdings mit angezogener Handbremse. „Noch können wir nicht die vollen Zeiten an allen Standorten anbieten.“

Die Eltern seien in dieser Zeit durch ein emotionales Wechselbad gegangen. „Sie reagierten anfangs nicht begeistert“, sagt etwa Lars Kück aus der Kita Sachsenhain, „aber sie haben es als dringlich akzeptiert, und das sogar erstaunlich lange.“ Genaugenommen bis nach den Osterferien. Dann jedoch war der Urlaub zu Ende, den sie genommen hatten, und es waren die Überstunden abgebummelt. „Da haben einige schon mal nachgefragt.“ Wohlgemerkt: Einige. Andere reagierten vorsichtiger. „Von den 700 Kindern, die bei uns betreut werden, sind 30 bis heute nicht in die Einrichtungen zurückkehrt“, so Morré.

Aber es waren nicht nur die behördlichen Anweisungen, die in den vergangenen dreieinhalb Monaten eine Rolle spielten, nicht nur die roten Flatterbänder, die gegenwärtig den Gruppen draußen ihren Spielplatz markieren, nicht nur die ungewohnte Abgabe der Kinder vor der Kita-Tür, es waren die zwischenmenschlichen Kontakte, die in Erinnerung blieben und bleiben werden. „Erzieher haben Ideen entwickelt, wie sie den Kontakt zu ihren Schützlingen aufrecht erhalten können“, sagt etwa Lars Kück, „Da wurden kleine Pakete gepackt, die per Fahrrad zu den Familien gebracht wurden, da wurden Briefe geschrieben, Ausmalbilder verteilt, es wurde sogar geskypt.“ Auch Schatzkisten standen an den Kindergärten bereit, viele junge Familien wurden hier fündig.

„Am berührendsten aber liegt mir eine Mutter in Erinnerung“, sagt Ilka Hettlich von der Borsteler Kita, „ich habe sie angerufen und gefragt, warum sie nicht auch mal mit ihrem Kind vorbeischaut und in der Kiste wühlt. Sie würde gern, sagte sie, aber sie befürchte, dann werde ihr Kind noch trauriger.“

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