Tag des offenen Denkmals in Verden

Führung über den jüdischen Friedhof und durch den Syndikatshof

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Hebräischlehrer Günter Schmidt-Bollmann führte über den jüdischen Friedhof.

Verden - Günter Schmidt-Bollmann, Hebräischlehrer aus Bremen, steht auf dem jüdischen Friedhof in Verden vor dem Grabstein von Ascher und Röschen Lehmann: „Beliebt und angesehen im Leben, sind sie auch im Tode nicht getrennt“, übersetzte er die Inschrift. Die Teilnehmer der Führung hörten andächtig zu. Und Schmidt-Bollmann wusste gestern, am Tag des offenen Denkmals, noch weitere spannende Details aus der Geschichte zu erzählen.

Die erste Bestattung auf dem jüdischen Friedhof fand 1835 statt, die letzte 1969. Mindestens 132 jüdische Mitbürger fanden hier ihre letzte Ruhe. Bevor es den Verdener Friedhof gab, mussten die Juden ihre Toten in Hoya bestatten, da sie in Verden kein Friedhofsgrundstück erwerben durften. So stammt der älteste Grabstein aus dem Jahr 1835. „Dies ist der erste Grabstein“, übersetzte Schmidt-Bollmann die hebräische Inschrift. Auf dem Grabstein des Friedhofsgründers Josef Herzberg Meir ist verewigt, dass er das Friedhofsgrundstück erwarb, säuberte und mit einer Mauer umgab.

Eines der ältesten und bedeutendsten Baudenkmale der Stadt

Auch Ascher Lehmann, der sich um 1800 als einer der ersten Juden in Verden niederließ, seine Ehefrau und einige ihrer acht Kinder, darunter mehrere Bankiers, ruhen auf dem jüdischen Friedhof in Verden. Die verschränkten Hände auf dem Doppelgrabstein von Ascher und Röschen Lehmann sind das Symbol langer ehelicher Verbundenheit. Die Eheleute waren 50 Jahre lang verheiratet, Ascher starb 21 Tage nach seiner Frau.

Florian Fedderke, Leiter Bauaufsicht und Denkmalschutz und Wolfgang Tobias, Leiter Hochbau bei der Stadtverwaltung, begleiteten die Führung durch den Syndikatshof am Norderstädtischen Markt in Verden. Er gehört zu den ältesten Häusern und bedeutendsten Baudenkmalen der Stadt Verden.

Im Dachgeschoss kann man noch alle Bauepochen ablesen.

Das ganze Gebäude wurde als Einzeldenkmal eingestuft. Nach Ende des 1476 aufgelösten Benediktiner-Nonnenklosters Mariengarten war das Gebäude seit dem 17. Jahrhundert bis 1852 Amtswohnung des städtischen Syndikus´. Die neuromanische Fassade der Marktseite wurde auf Mitte des 19. Jahrhunderts datiert. Die Hofseite, laut Fedderke der „spannendere Teil“, ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit Rosetten und achteckigem Treppenturm, ist ein Bau der Weserrenaissance aus dem 17. Jahrhundert. Die beiden Hochreliefritter, die jetzt am Carl-Hatzky-Weg stehen, standen früher neben der Toreinfahrt.

Verschiedene Besitzer haben Bausubstanz nicht gewürdigt

Da das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte viele verschiedene Besitzer hatte, erfuhr es viele Veränderungen, die alte Bausubstanz wurde nicht gewürdigt. So legte man in den 70er-Jahren eine Abwasserleitung, die direkt über die Fächerrosetten führte. Auch der Anbau, der Ende der 80er-Jahre entstand, ist nicht denkmalgerecht. Seit 2014 befindet sich der Syndikatshof wieder im Besitz der Stadt. Er soll zum Teil rekonstruiert werden. Wie genau er genutzt werden soll, steht noch nicht fest. Im Keller des Gebäudes sieht man noch Findlinge, die vom abgerissenen Kloster stammen.

Tag des offenen Denkmals in Verden

Die Fenster sind zugemauert, da das Gelände um 80 Zentimeter aufgeschüttet wurde. „Auch das soll wieder rückgängig gemacht werden“, erläuterte Wolfgang Tobias. Eine architektonische Besonderheit ist auch der Turm. Die Treppenstufen sind aus Wesersandstein einzeln gefertigt. „Sie haben in der Mitte ein Loch, wurden aufeinandergestapelt und gedreht“, berichtete Tobias. Es gebe nur zwei Türme, in denen diese Technik ebenfalls angewandt wurde – im Schloss Petershagen und beim schiefen Turm von Pisa. Im Turm wurden elf übereinander liegende Farbschichten festgestellt. Die Jüngste ist das „Berliner Blau“ aus dem 17. Jahrhundert, die Älteste ist eine Eisenoxydfarbe in dunklem Rot, die auf das 15. Jahrhundert datiert wurde. Das Dachgeschoss gehört zum ursprünglichen Bau. „Hier kann man alle Bauepochen ablesen“, weiß Tobias. Die Dielenbretter stammen aus dem Jahr 1592. Geplant ist, das Dachgeschoss soweit zu rekonstruieren, dass es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

ahk

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