Florian Scheidler stellt sein Buch „Das Ende der Megamaschine“ vor

Führt das moderne Weltsystem in den Abgrund?

Karin Walther von der Bewegungsakademie im Gespräch mit Fabian Scheidler. - Foto: Haubrock

Verden - Führt das moderne Weltsystem mit der Megamaschine, die immerwährendes Wirtschaftswachstum verlangt, durch Ausbeutung von Mensch und Ökosystemen geradewegs in den Abgrund? Auf Einladung der Bewegungsakademie, Bildungsträger für politische Jugend- und Erwachsenenbildung, las Fabian Scheidler am Freitagabend in der Verdener Halle 57 aus seinem Bestseller „Das Ende der Megamaschine“.

In acht Thesen führte er durch sein Buch und zeigte Möglichkeiten für tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft auf.

„Der Ausgangspunkt dieser Überlegungen sind die globalen Krisen, in denen wir uns zurzeit befinden. Wir haben gleichzeitig eine globale, soziale und ökonomische Krise“, so Scheidler. Zudem gebe es eine globale Krise des kapitalistischen Systems.

Alle diese Krisen hätten gemeinsame Wurzeln im kapitalistischen Weltsystem, stellte der Autor die erste These des Buches vor. Der Zwang, aus Geld mehr Geld zu machen, führe zur Krise, sobald die Wirtschaft nicht mehr wachse.

Die zweite These Scheidlers besagt, dass die Megamaschine nicht nur ein ökonomisches System ist, sondern von Anfang an mit Strukturen der organisierten Gewalt verbunden ist. Der moderne Staat habe sich gemeinsam mit der Institution der Kapitalakkumulation entwickelt. „Der moderne Staat war in den ersten drei Jahrhunderten ausschließlich ein Militärapparat, Kapital und Staat sind von Anfang an eng verflochten“, erläuterte Scheidler.

Auch der moderne Kapitalismus hätte sich nicht ohne die militärische Gewalt des Staates durchsetzen können. So hätten zum Beispiel die ersten Aktiengesellschaften ein eigenes Militär gehabt, Recht sprechen und über Leben und Tod entscheiden können. Heute habe der moderne Staat diese Aufgaben übernommen. Ein Beispiel von Verflechtung von Kapital und Staat sei auch das Subventionswesen.

Die dritte These Scheidlers besagt, dass die Megamaschine das produktivste und zugleich auch destruktivste System der menschlichen Geschichte ist. „Die Herstellung der gewaltigen Reichtümer der Moderne ist untrennbar mit einer 500-jährigen Kette von Völkermord, Kulturvernichtung, Naturzerstörung und Kriegen verbunden, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts das Potenzial erreicht hat, alles Leben auf der Erde auszulöschen.“

„Die gewaltsame Expansion der Megamaschine wurde und wird durch eine Mythologie legitimiert, die den Westen als Träger einer weltgeschichtlichen Heilmission darstellt“, so die vierte These des Autors. Durch die mythologisierte Überlegenheit des Westens sei das Recht abgeleitet, anderen das eigene Weltbild aufzuzwingen. Auch heute sei noch die Rede von den „westlichen Werten“.

„Die Megamaschine ist mit echter Demokratie im Sinne von Selbstbestimmung und Selbstorganisation nicht vereinbar, denn sie fordert die Unterordnung der Menschen unter die Zwänge der endlosen Kapitalakkumulation“, stellt Scheidler seine fünfte These auf. Die heutigen demokratischen Rechte seien in massiven Auseinandersetzungen gegen das System erkämpft worden. Auch mit diesen Erfolgen lebten die Menschen immer noch in einer Teildemokratie. Weite Teile des Lebens, zum Beispiel in der Arbeitswelt, seien von totalitären Strukturen bestimmt.

Die sechste These Scheidlers besagt, dass die Megamaschine im 21. Jahrhundert an Grenzen stößt, die wahrscheinlich unüberwindlich sind. Es gebe zwei Arten von Grenzen, die sozialen und ökonomischen. Scheidler erläuterte, dass viele Menschen vom ökonomischen Geschehen abgehängt seien. Sie hätten nicht das Geld, die ständig wachsende Menge von Gütern und Dienstleistungen zu bezahlen, wodurch das System Schulden machen müsse. „Das endet irgendwann in einem Crash.“ Zum anderen könne das ökologische System des Planeten dem endlosen Wachstum nicht mehr standhalten.

Als Konsequenz fordert Scheidler in seiner siebten These den Ausstieg aus der Megamaschine, der endlosen Kapitalakkumulation und eine Umverteilung des Geldes, bevor es zum Crash kommt. Einen sanften Übergang könne es allerdings nicht geben, so der Autor in seiner achten These. Interessenkonflikte seien unvermeidlich. - ahk

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