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Auf dem Weg zum Führerschein: Tänzchen mit der „Badewanne“

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Von: Markus Wienken

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Verbunden mit vielen Erinnerungen: Renate Maaß mit ihrem „Lappen“.
Verbunden mit vielen Erinnerungen: Renate Maaß mit ihrem „Lappen“. © Markus Wienken

Den Führerschein, ihren „Lappen“, wollte Renate Maaß unbedingt machen. Kein Problem, so schien es. Aber dann... die Premiere! Meistens kommt es anders...

Verden – „Angst vor der Führerscheinprüfung?“ Renate Maaß, geborene Thoenelt, muss nur ganz kurz überlegen. „Ist ja schon ein bisschen länger her“, lacht sie und winkt dann ab. „Aufgeregt ja, aber Angst, nein, die hatte ich nicht.“ Und: „Brauchte ich auch nicht, schließlich hatte ich 19 Fahrstunden.“ Weil damals eine vergleichsweise lange Übungszeit, schiebt sie eine Begründung hinterher: „Mach das richtig, hat mein Vater damals zu mir gesagt.“ In der Prüfung sollte sich das auch auszahlen, aber dann.....

Führerscheinprüfung an einem heißen Sommertag

Die Prüfung, das war ein sehr warmer Sommertag. „Der 1. August 1967“, erinnert sich Renate Maaß. „Und es war nicht nur sehr warm, es war brüllend heiß.“ Machte der jungen Dame zunächst aber nichts aus. Sie juckelte mit ihrem Fahrlehrer, der zufällig ihr Nachbar war, von ihrem damaligen Elternhaus in Neddenaverbergen nach Verden. „Am Kreishaus in Verden, damals noch an der Bremer Straße, ist der Prüfer zugestiegen.“

Und weil es eben immer stickiger im Auto wurde, eine Klimaanlage gab’s in dem Ford nicht, wurde die junge Frau aktiv und ergriff, ganz nach ihrem Naturell, mutig die Eigeninitiative: „Ich kurbelte die Seitenscheibe nach unten, war ja nicht auszuhalten“, erzählt Renate Maaß. Ordentlich Fahrtwind, das kam gut an, ihre Stimmung wurde deutlich besser. Ganz anders hinten auf dem Rücksitz. Da hob der Lehrmeister den Finger und rief zur Ordnung: „Scheibe hoch, hier hinten zieht’s“, nörgelte der Mann. Also, Scheibe hoch und dicke Luft im Auto. Pluspunkte hatte die Schülerin mit dem Manöver schon mal nicht gesammelt.

Prüfung in Verden und mit dem ersten Anlauf rückwärts eingeparkt

Weiter durch die Hitze des Tages, in die Bürgermeister-Münchmeyer-Straße, lief super, bis vom Rücksitz die Anweisung kam, die jedem Fahrschüler den Schweiß auch im Winter auf die Stirn treibt: „Bitte dahinten rückwärts einparken.“ Renate Maaß hatte die Situation mit ihrem Fahrlehrer zigmal in den 19 Fahrstunden durchgespielt. Maaß: „Es hatte nie geklappt.“ Die Hoffnung, in der Prüfung davor verschont zu bleiben, schmolz wie Butter in der Sonne. „Ich hab’ gedacht, das war’s.“ Also los, rückwärts, scharf eingeschlagen, noch mal bisschen lenken und rollen lassen. „Ich stand, mit dem ersten Versuch, eins a in der Lücke, konnte es kaum fassen“, berichtet Renate Maaß.

Das „Fräulein“, so steht es im Lappen, bekam den Führerschein, stand kurz darauf mit dem Zertifikat auf dem elterlichen Hof. Vater und Mutter wollten in Richtung Dodenhof aufbrechen, die Tochter, erfüllt von unerschütterlichem Stolz und Optimismus, tippte dem Papa auf die Schulter und forderte die Schlüssel. „Ich fahr.“

Fahrt zu Dodenhof: Der Vater rückt die Schlüssel raus, und dann ein Überholmanöver

War es die Entschlossenheit, der mutige Blick, der Vater rückte die Schlüssel seines geliebten Fords heraus, setzte sich auf den Beifahrersitz und Familie Thoenelt zuckelte in Richtung Dodenhof. Die Straße in Richtung Posthausen, was heute noch zuweilen ein Abenteuer, war damals schon eine echte Herausforderung. Kopfsteinpflaster und an den Rändern der Seitenstreifen mit Sand planiert, der Ford Taunus – damals aufgrund seiner Form auch liebevoll „Badewanne“ gerufen – schwankte und wankte, blieb aber sauber in der Spur.

Doch es ging nicht richtig vorwärts, weil das Fahrzeug vor Renate Maaß einfach nicht in die Gänge kam. „Das geht mir hier zu langsam“, so die 18-Jährige an die Adresse ihrer Eltern. Also, Blinker gesetzt, links rüber, und Gas geben. Tagelange Hitze, pralle Sonne, der ehemals fest planierte Seitenstreifen hatte sich in tückischen feinen Treibsand verwandelt, der sein Spielchen mit den Rädern des Ford begann. Hin und her bewegte sich der Popo der nun schwimmenden „Badewanne“ und schlug dabei immer gegen den Popo des benachbarten Fahrzeugs. Seite an Seite, ein munteres Tänzchen, Blech gegen Blech, so rollte das Paar scheppernd nach etlichen Metern aus. Vater Thoenelt war ob des Schadens außer sich, die Mutter sagte lieber gar nichts und die Tochter wäre am liebsten im sandigen Erdboden verschwunden. Ging aber nicht, weil der Schaden reguliert werden musste. „Beulen und Kratzer hielten sich zwar in Grenzen, schön sah es aber nicht aus“, so Renate Maaß. Der Widersacher aus dem anderen Fahrzeug ließ mit sich reden, Vater Thoenelt regelte den Fall, die Polizei blieb außen vor.

Auf der Fahrt zu Dodenhof: Keine Polizei, aber ein ernstes Gespräch nach dem Crash

Ganz ohne Strafe kam die ambitionierte Rennfahrerin aber nicht davon: „Die Fahrt zu Dodenhof, da herrschte im Fahrzeug eisiges Schweigen. Am Steuer saß mein Vater, würdigte mich keines Blickes und der Bummel in der Einkaufsstadt war für mich auch kein Vergnügen“, erzählt Renate Maaß. Und die Reparatur der rasenden „Badewanne“? „Dafür ging mein Taschengeld drauf.“ Trotz des holprigen Starts als Autofahrerin, ihren Mut und Optimismus hat sich Renate Maaß im Straßenverkehr bewahrt. Beruflich war sie als Reisekauffrau viel unterwegs, auch in fernen Ländern. „Ich bin bis heute immer gerne Auto gefahren. Das wird auch so bleiben“, sagt sie – und freut sich schon auf weitere Touren.

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