Die frühere Verdenerin Jutta Michels legt mit dem Roman „Spurensuche“ nach

Diesmal geht es um einen Mord im idyllischen Ahausen

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Jutta Michels begibt sich für ihren neuen Roman auf „Spurensuche“ in Ahausen.

Verden-Ahausen - Von Bettina Diercks. Gute-Nacht-Lektüre ist das nicht, was Autorin Jutta Michels aus Ahausen liefert. Nach ihrem Debüt-Roman und Bestseller „Pfingstfeuer“ legt sie jetzt mit „Spurensuche“ ein Werk nach, das Leser regungslos zwischen Laken und Decken werden lässt. Ein Buch, das Macht ergreift und nur schwer aus der Hand zu legen ist.

Der spannende Stoff, der sich erneut um eine wahre Begebenheit aus dem beschaulichen Dorf Ahausen rankt, fesselte auch sofort den Schünemann-Verlag (Bremen). So sehr, dass es zum so genannten „Schwerpunkt-Buch“ des Verlages für die eben zu Ende gegangene Frankfurter Buchmesse auserkoren wurde.

Dieses Mal geht es um Mord. Nicht fiktiv, wahrheitsgemäß. Im April 1946, zwei Tage nach seinem Geburtstag, wird in Ahausen der Bremer Architekt Alfred Runge ermordet. Er gehört zu den Machern der Böttcherstraße, die Adolf Hitler ein Dorn im Auge war.

Der Tod um den angesehenen Bürger blieb ungeklärt. Mal gilt er in den Überlieferungen bis heute als erschossen, mal als erschlagen. Mal lag am Tatort nur seine Leiche, mal die von zwei oder drei Personen. So erzählen es die Dorfgeschichten.

Sicher erscheint an der verbalen Dorfchronik nur, dass der oder die Mörder zwar unerkannt blieben, aber aus dem Dorf stammten. Doch wer sollte dem offensichtlich beliebten Bremer, der ein Wochenendhäuschen nahe der Wümme in Ahausen besaß, den Tod gewünscht haben? Gibt der Roman weitere Hinweise oder gar die Lösung?

Für Michels war der ungeklärte Fall mit der Vielzahl an überlieferten Ungereimtheiten ein Grund mehr, genauer hinzugucken. „Ich habe gemerkt, dass etwas an der Geschichte nicht stimmt, das hat mich voran getrieben.“ Sie durchdringt in ihrem Buch Geschichte und Menschen, begreift, kombiniert, durchschaut und liefert viel historische Hintergrundinformationen.

Ein erstklassig recherchiertes Buch. Viele Puzzlestücke für den neuen Roman fielen ihr dabei in den Schoss. Die Geschichte an sich. Ob sich dieser Wink des Schicksals so verhält, wie im Buch beschrieben? Einige Zeilen und Kapitel lassen vermuten, dass sie wahr sind. Ein paar Zeilen weiter tauchen wieder Zweifel auf. Spannung pur. „Hatte Runge eine Rechnung offen?“, ist der bleibende Gedanke nach der fesselnden Lektüre.

Mit Skepsis und Zurückhaltung hat die mittlerweile alteingesessene Neubürgerin in Ahausen nicht zu kämpfen: „Die Menschen gehen insgesamt sehr positiv mit mir und meinen Interessen um. Manche sprechen mich an, erzählen von sich aus etwas, manche fragen mich. So komme ich an viele Informationen.“

Nachdem sich im Dorf herumgesprochen hatte, dass sie sich für den Fall interessiert, erhielt sie immer mehr Informationen und befragte Zeitzeugen. „Bei den Erzählungen habe ich versucht einzuschätzen: Wie glaubwürdig ist der Zeitzeuge?

Ihre Spurensuche führte sie aber auch auf das alte Grundstück von Runge. Das Haus steht schon lange nicht mehr, es ist vor vielen Jahren abgebrannt. Angeblich ausgelöst durch einen Schornsteinbrand. Dennoch wurde die Autorin fündig, als sie im Acker grub. Meißner Porzellan, Bleiverglasung, Gläser, Silber. „Das Einpackmaterial stammte aus dem Jahr 1944“, sagt Michels, die die Kreisarchäologie verständigte.

Unterstützung bei ihren Recherchen erhielt sie außerdem von Runges Verwandschaft. „Die sind sehr an der Wahrheit interessiert.“ Anhand des vielen Materials gelang Michels eine „ziemlich genaue Rekonstruktion der Ereignisse“. Nachdem sie das Gefühl hatte, alle Quellen seien erschöpft, strukturierte sie das Buch vor.

Doch dann gelangten weitere Details in ihre Hände. „Ich musste versprechen, dass ich sie erst nach dem Tod des Informanten verwende“, erzählt Michels. Vor gut zwei Jahren fing sie an zu schreiben. Schünemann riss ihr das neue Werk dann förmlich aus den Händen.

Interessant ist: Das Bremer Verlagshaus hatte zu Kriegszeiten im Ahauser Hof sein Zwischenlager für Papier, da die Hansestadt schwer bombardiert wurde.

Seit mehr als 20 Jahren lebt die Gymnasiallehrerin mittlerweile in Ahausen und befasst sich seitdem mit der Historie des Dorfes. Zu Beginn wohnte sie im Wald, im Wochenendgebiet. „Und jetzt mitten in der Geschichte“, sagt sie. Der alte Teil ihres jetzigen Hauses gehörte zum wahren Leben Runges.

Aufgewachsen ist Jutta Michels in Verden. Hier ist sie vielen noch sehr gut bekannt, und hier hat sie natürlich auch ihre Fans.

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