Corona-Lage am Domgymnasium, Gamma, Gymnasium am Wall und der BBS in Verden und Achim

Das Leben an den Schulen ist ein anderes geworden

Leerer Pausenhof, nur zwei Leute.
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Die große Pause sieht in Coronazeiten anders als gewohnt aus. Wo sonst jede Menge los ist, geht es jetzt übersichtlich zu. Sehr übersichtlich, wie hier am Gymnasium am Wall in Verden.

Ausreichend Laptops, besseres Internet, aber das reicht offenbar nicht. Nur schöne neue Technik macht noch keinen schönen neuen Unterricht. Das Leben an den Schulen im Landkreis Verden ist im Zuge der Pandemie ein anderes geworden. Eine Bestandsaufnahme an vier großen Schulen in Achim und Verden.

  • Stimmung in Moll: Was noch Hoffnung gibt
  • Nur einige wenige meldeten sich vom Unterricht ab
  • Videokonferenzen vorsichtshalber ohne Bild

Verden/Achim – Sie haben einige ungewöhnliche Proben bestanden. Freitagabends bis in die Nacht Konzepte aufstellen für den kommenden Montag, sonnabends wieder alles umwerfen, irgendwie eine Schule zuhause erfinden, möglichst alle mit einbeziehen. Hunderte, Tausende. Richtig erschüttern kann sie also nichts, die Schulleiter. Und dennoch keimte zum Wochenbeginn noch einmal so etwas wie Spannung auf. Den Abschlussklassen von Hauptschule bis Abitur war Präsenzpflicht verordnet. In Niedersachsen eine windelweiche Präsenzpflicht. Also auch im Kreis Verden. Man dürfe sich befreien. Mail genügt. Man dürfe zuhause bleiben. Die interessante Frage nun, wer und wieviele würden tatsächlich fehlen. Das Ergebnis fällt überschaubar aus. Zehn Prozent und weniger meldeten sich ab, wie eine Umfrage ergab. Gleichzeitig erlaubt das Ergebnis einen tiefen Blick auf die Schule 2021: Zwischen Mathe und Maske hat man sich zu arrangieren gelernt. Nur noch durchkommen, irgendwie, das ist jetzt das Motto.

Ob Lockdown, Wechsel-Unterricht, Szenario A und Szenario B, Distanzunterricht, Ferien vorverlegt oder verlängert, manchmal über Nacht neue Regeln für den nächsten Tag. Kein gesellschaftlicher Bereich war der Pandemie-Hektik so ausgeliefert wie die Schulen. Das Leben zwischen Zuckertüte und Zeugnis, keine Frage, es ist ein anderes geworden. Petra Sehrt, Leiterin am Gymnasium am Wall in Verden, schildert die Stimmung folgendermaßen: „Als ich beim ersten Lockdown schulfrei bekanntgegeben habe, da herrschte Gejohle auf allen Fluren. Jetzt beim zweiten Lockdown reagierten die Schüler betreten und still.“ Am Verdener Domgymnasium kann aktuell von Euphorie ebenfalls keine Rede sein. Sie pflege den telefonischen Kontakt zu den Schülern einer zehnten Klasse, sagt Leiterin Dr. Dorothea Blume. Die Meinung falle einhellig aus. „Alle Schüler sagen, es wäre schöner in die Schule zu kommen.“ Ähnlich sieht man es am Gamma in Achim. „Distanzlernen kann man nicht so einfach einführen“, sagt Leiter Dirk Stelling, „Kinder brauchen Kinder zum Lernen.“ Lediglich dort, wo ein Ende absehbar sei, im Abijahrgang, da stelle er so langsam ein Aufhellen der Mienen fest. „Da macht sich ausgeprägte Vorfreude breit.“

Errungenschaften wie I-Serv, Videokonferenz oder Hybrid-Unterricht veränderten freilich nicht nur die Gefühlslage zwischen Tischen und Bänken, sie veränderten auch die Lage vor der Klasse. BBS-Leiter Stefan Frese findet folgende Formulierung: „Die Stimmung ist angefasster. Das muss man sagen. Aber es ist noch nicht so, dass wir nicht mehr miteinander reden.“

Und es wird erduldet. Mal sind es zwei Schüler des ganzen Abijahrganges, wie am Domgymnasium, die dem Unterricht Lebewohl gesagt haben, zwei von 120, mal wie an der BBS 18 junge Leute, die von 499 Abschlussschülern lieber zuhause bleiben. Sehr überschaubare Zahlen also. Und wenig Taktik wie erhöhter Freizeitbedarf dabei. „Es sind vor allem die besseren Schüler, die sich nach zuhause zurückgezogen haben“, sagt etwa Gaw-Leiterin Sehrt. Andererseits könne der verordnete Präsenzunterricht locker verabreicht werden. „Es stehen genügend Räume zur Verfügung, es herrscht Abstand ohne Ende“, bestätigt etwa Gamma-Leiter Stelling.

Der technische Rückstand wurde aufgeholt, oder wo nicht geschehen, stellte man sich darauf ein. Sämtliche Schüler verfügen inzwischen über Laptop oder I-Pad. Knapp 300 Geräte seien an den vier Einrichtungen Dog, Gaw, Gamma und BBS vergeben worden, und entstehe weiterer Bedarf, könne rasch reagiert werden. „Wir haben die Hälfte unseres Kontingents vergeben“, sagt etwa Dog-Leiterin Blume. Internet- und Serverstärke wurden in den vergangenen Wochen angepasst. Zuletzt an den BBS. „Wir wurden Anfang Januar noch einmal großzügig aufgerüstet“, so BBSler Frese, „Server und Kabel – vieles kam neu.“

Allerdings könne man von einer für jeden Anlass ausreichenden Bandbreite nicht sprechen. Frese: „Zu Abstürzen war es schon in der Vergangenheit gekommen, zu Abstürzen kommt es auch jetzt immer mal. Vor allem morgens um acht gehen offenbar alle ins Netz.“ Längst habe man sich darauf eingestellt. „Videokonferenzen werden oft ohne Bild durchgeführt“, sagt Gaw-Leiterin Sehrt. An ihrer Schule setze man noch stark auf das Mittel des direkten Kontaktes, manchmal vielleicht zu stark, wie eine Elternbefragung ergab. „Drei Videokonferenzen pro Tag, heißt es, das schlauche zu sehr.“ Man werde also reduzieren. Sehrt: „Das ruckelt sich so langsam hin.“ Im wahrsten Sinne des Wortes. Am Domgymnasium war man einen anderen Weg gegangen, auch, weil schon beim ersten Lockdown eine relativ schwache Internetverbindung diagnostiziert wurde. Blume: „Maximal eine Videokonferenz pro Woche und Klasse, das ist unser Prinzip.“ Damit sei man gut gefahren. Der Rest werde aufgabenbasiert per I-Serv erledigt. „Das funktioniert inzwischen routiniert.“

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