Mildtätige Mission in Lederkutten

Mit der kostenlosen Frisur kehrt die Würde zurück: Barber Angels erstmals in Verden

Freiluftsalon: Concettina Michaelis, Manfred Michaelis, Sascha Gaksch und Dilek Güvenc haben alles vorbereitet und erwarten nun die Kundschaft.
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Freiluftsalon: Concettina Michaelis, Manfred Michaelis, Sascha Gaksch und Dilek Güvenc haben alles vorbereitet und erwarten nun die Kundschaft.

Verden – Und dann war der Bart ab, und ein bisschen auch die Mähne, und das alles im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Die Friseure in Lederkutten, die Barber Angels statteten gestern der Herberge zur Heimat in Verden einen Besuch ab. Ihre Mission: Menschen, die es sich sonst nicht leisten können, einen neuen Haarschnitt zu verpassen und ihnen damit ein Stück Würde zurückzugeben. Ein knappes Dutzend machte davon Gebrauch. „Gerne wieder“, sagte einer der Teilnehmer.

Anklang findet die Aktion auch in der Leitung der Herberge. „Begrüßen wir sehr“, sagt Sascha Gaksch, „gut, dass es so was gibt. Viele Menschen können sich den Friseurbesuch eben nicht leisten.“ Für die „Helfenden Scherenhände“, wie sich die vor fünf Jahren in Biberach gegründete Hilfsorganisation nennt, war es ebenfalls eine Premiere. „In Bremen sind wir bereits an vier Standorten tätig geworden“, sagt Leiterin Concettina Michaelis, „jetzt konnten wir uns erstmals im Umland vorstellen.“ Die Verdener Friseurin Dilek Güvenc hatte sich als Gastengel beworben und die Allerstadt ins Gespräch gebracht. Der Einsatz im Zelt auf dem Hof der Obdachlosenunterkunft stellte auch für sie eine Erstaufführung dar.

Unklar noch, ob eine solche Aktion in die nächste Runde geht. „Wir warten mal die Resonanz ab und beraten dann über weitere gemeinsame Projekte“, so Gaksch. Dass Bedarf besteht, hatte sich allerdings schon im Vorfeld abgezeichnet. Sieben Interessierte aus der näheren Umgebung ließen sich bis Freitagmittag auf der Liste eintragen, weitere vier Herbergen-Bewohner gesellten sich hinzu.

Der regionale Ableger der Barber Angels Brotherhood, das „Chapter Bremen“, kann mit der Initiative von gestern bereits auf drei Dutzend Einsätze für den guten Zweck zurückschauen. Und habe einen Überblick erhalten. „Eine Randgruppe, wo wir nicht hingucken wollen“, sagt Conettina Michaelis, „alles Menschen, die vieles verloren haben, vor allem oftmals ihr Selbstwertgefühl.“ Sie treffe auf Leute jeden Alters, junge Leute, aber genauso ältere, Hilfsarbeiter genauso wie Ingenieure, alle mit einer tragischen Geschichte. Nur eines verbinde sie: „Vorrangig sind es Männer.“

Dilek Güvenc soll das Haar ordentlich kurz schneiden.

Ihnen war auch gestern ein professioneller Haarschnitt gratis und mit besonderem Outfit gewiss. Die schwarze Lederkutte ist das Markenzeichen der Barber Angels. „Eine Art Uniform“, findet Conettina. Verziert mit einem Wappen, das statt des Adlers, wie sonst oft, nur zwei Flügel zum Inhalt hat, zwei Schwingen, Engel eben. Und zwischen den Flügeln Kamm, Schere und Rasiermesser. „Mit diesem Outfit bauen wir eine Brücke zu den Menschen, denen wir helfen wollen.“

„Diese lockere Kleidung nimmt den Menschen Hemmungen, die eventuell durch eine normale Salonkleidung aufkommen würden“, ergänzt Claus Niedermaier, Vereinsmitbegründer der Barber Angels und als „Figaro von Biberach“ bekannt. In den vergangenen fünf Jahren absolvierten er und all die anderen über 400 Events in ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz, auf Mallorca und in den Niederlanden. Kaum ein Fernsehsender, hat noch nicht über die kreativen „Scherenhände“ der Barber Angels berichtet. Eine Auszeichnung in Paris gab es obendrein: den Grand Prix Humanitaire de France, die Goldmedaille am Bande.

Aber auch in eigener Sache sind die Scherenhände unterwegs. Seine europaweite Bekanntheit möchte der etwas andere „Club der Friseure“ dafür nutzen, neben Kollegen des eigenen Handwerks auch andere Branchen anzusprechen – und wachzurütteln. Frei nach Goethe: Wer nichts für andere tut, tut nichts fürs sich. Jeder könne sozial schwächer gestellte Mitmenschen mindestens einmal im Monat auf irgendeine Weise unterstützen und ihnen damit sagen: Das Leben ist für jeden von uns lebenswert!

Diese Leidenschaft für die gute Sache sei der Motor, der auch die Barber Angels immer wieder antreibe.

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