Freiwillige Aufgabe: Finanzausschuss stimmt zwei zusätzlichen Stellen zu

ALV soll Eingliederung von Flüchtlingen übernehmen

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Teilnehmer eines Sprachkurses für Asylbewerber im Gespräch mit Tomma Ahlers von der KVHS (l.) und der Bundestagsabgeordneten Christina Jantz.

Verden - Asylverfahren dauern zu lange. Das beklagen nicht nur Kreise, Gemeinden und ihre Spitzenverbände, auch Kreistag und Landrat in Verden sind sich da einig. Die frühzeitige Arbeit an der Integration der Flüchtlinge, die der Landkreis schon seit einem Jahr freiwillig leistet, soll jetzt in der ALV zusammengefasst werden. Der Finanzausschuss hat bereits einmütig zugestimmt. Auch den beiden zusätzlichen Stellen, die dafür geschaffen werden sollen.

Wenn die Flüchtlinge nach ihrer oft lebensgefährlichen Reise übers Mittelmeer im Landkreis eintreffen, kommen sie nicht nur mit großen Erwartungen. Oft sind sie hochmotiviert, einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Lange Wartezeiten auf die offizielle Anerkennung bei dem anhaltenden Strom von Asylbewerbern nagen aber an ihrer Motivation. Eineinhalb Jahre, die sie untätig verbringen müssen, sind keine Seltenheit.

„Das Asylverfahrensrecht geht davon aus, dass im Idealfall innerhalb von drei Monaten nach Ankunft im Bundesgebiet über einen Asylantrag entschieden werden kann“, informierte Landrat Peter Bohlmann die Abgeordneten. Die Wirklichkeit im Bundesamt für Integration und Flüchtlinge (BAMF) weicht auch nach der kräftigen Personalaufstockung vom Ideal ab. Von den Flüchtlingen im Kreis seien 100 noch nicht einmal im Antragsverfahren.

Darum haben Kreistag und Behörde bereits im vergangenen Jahr beschlossen, freiwillig selbst ein Stück Integrationsarbeit in die Hand zu nehmen. Viel früher als die vom BAMF geförderten Integrationskurse können die Flüchtlinge seitdem Sprachkurse bei der Kreisvolkshochschule besuchen. Dort erwerben sie erste Kompetenzen, um den Alltag zu bewältigen.

Die Organsation dieser Maßnahmen soll künftig die ALV übernehmen. Die kreiseigene Anstalt öffentlichen Rechts „Arbeit im Landkreis Verden“ soll aber auch beraten, das Profil des Flüchtlings für den Übergang in die Arbeitswelt erstellen sowie Praktika und Arbeitsmöglichkeiten betreuen und anbahnen. Und, wenn es der Verfahrensstand erlaubt, wird es zur Aufgabe der ALV, die Flüchtlinge in einen Job oder eine Ausbildung zu vermitteln.

Die Anstalt wird ohnehin automatisch für die Flüchtlinge in dem Moment zuständig, wenn sie als Asylanten anerkannt sind. Wie bei anderen Personen im Bezug von Sozialleistungen wird es ihre Aufgabe, die Flüchtlinge zu betreuen und, wo es nötig ist, zu qualifizieren. Kein neues Betätigungsfeld also für die Einrichtung des Kreises, aber mehr Arbeit. Und die sollen zwei neue Mitarbeiter bewältigen. 94000 Euro würden die Stellen für den Rest des Jahres kosten und 137000 Euro in 2016.

Den zusätzlichen Kosten stimmten die Abgeordneten ohne Diskussion zu. Und das, obwohl der Bund die Mittel für die Eingliederung nicht aufstockt. Ein Antrag auf eine EU-Förderung läuft bereits. Heinz Möller (SPD) freute sich, dass sich die Fraktionen dennoch so einig sind, und Wilhelm Hogrefe (CDU) betonte die Bedeutung der Aufgabe.

kle

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