Staatsanwaltschaft: Berufung

Freispruch beim Tierquälerei-Prozess

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Verden – Vom Vorwurf der Tierquälerei wurde gestern am Amtsgericht Verden ein 42 Jahre alter Pferdezüchter und -ausbilder aus dem Kreis Goslar freigesprochen. Nach Überzeugung der Strafrichterin hat sich der Vorwurf bestätigt, dass er bei der Hengstkörung 2016 in Verden einem Hengst die Hinterbeine im Bereich des Röhrbeins mit Klebeband umwickelt und so Leiden verursacht hat. Jedoch hatte sie Zweifel, dass das in erheblichem Maß war.

„Unter Leiden ist eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens zu verstehen, die der Wesensart und den Instinkten zuwider läuft“, sagte Strafrichterin Kattau. Dafür hätten Anzeichen wahrnehmbar sein müssen. „Das Zufügen von Schmerzen konnte ausgeschlossen werden“, zitierte sie Ausführungen eines Sachverständigen.

Nach Aussagen von zwei Mitarbeitern des Hannoveraner Verbandes, die den Angeklagten nach dem Longieren aufgefordert hatten, die Bandagen abzunehmen, seien die Einlassung des 42-Jährigen und die Behauptung eines weiteren Zeugen widerlegt, dass sich unter den Bandagen ein flexibles Tape befunden habe. Die Verbands-Mitarbeiter hatten ausgesagt, dass es sogenanntes Panzerband gewesen sei. Der heutige Zuchtleiter berichtete gestern, dass ein Mitarbeiter aus dem Stall ihn auf ein Band unter den Bandagen hingewiesen habe. Weil das Pferd da schon in der Halle war, habe man es nach dem Longieren kontrolliert.

Im Schlusswort hatte der 42-Jährige erklärt, wie wichtig ihm sei, Pferde „gesund und ihrer natürlichen Art entsprechend aufzuziehen“. Das Band sei flexibel gewesen, damit die Bandagen nicht rutschen. „Ich wollte ihn schützen vor einer traumatischen Verletzung. Mein Interesse ist der Schutz des Pferdes.“ In der Urteilsbegründung sagte die Strafrichterin dem Angeklagten aber auf den Kopf zu, dass sie ihm seine Darstellung einer „aus der Not geborenen Schutzmaßnahme“ zum Wohle des Pferdes nicht glaubt. Dann hätte er ein raues anstatt des glatten Tapes verwendet. „Dass das überhaupt nicht geht, das wissen sie. Alleine das Abziehen eines Klebebands ist unangenehm und führt zu Schmerzen“, wandte sich die Strafrichterin an den Angeklagten. Er habe dem Pferd Leiden zugefügt.

Kritik erntete auch der Verband für sein Verhalten unmittelbar nach dem Vorfall. „Warum man eine Manipulation feststellt und das Pferd nicht sofort disqualifiziert, weiß ich nicht, muss ich aber nicht entscheiden. Aber deshalb konnte man das Pferd nicht sofort untersuchen“, merkte die Richterin an.

Verteidiger Kai Bemmann hatte einen Freispruch beantragt und Oberstaatsanwalt Lüder Müller-Wolfsen eine Verurteilung zu 90 Tagessätzen á 100 Euro. Die Staatsanwaltschaft hat nach der Verkündung gleich Berufung eingelegt.  wb

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