Theater-AG des Gymnasiums am Wall versetzt Schillers Räuber in die Gegenwart

Freiheit und Liebe

Die Leiterin der AG Sarina Wilhelm mit Moritz Bölter, der für Licht und Technik zuständig ist.

Verden - Von Christel Niemann. Die Theater-AG Sek II des Gymnasiums am Wall in Verden hat es wieder geschafft und bereits zwei tolle Aufführungen von „Die Räuberinnen“ auf die Bühne in der Schulaula gebracht. Das frei nach Schiller zeitgemäß inszenierte Theaterstück wurde vom Publikum mit viel Beifall belohnt. In einer ebenso temporeichen wie stimmigen Inszenierung stellt die von Sarina Wilhelm und Per Dittmann geleitete Truppe den Freiheits-Klassiker als moderne Adaption mit weiblicher Räuberbande vor.

Möglich, dass Friedrich Schiller ein wenig „verschnupft“ reagiert hätte, sein testestoronlastiges Drama „Die Räuber“ überwiegend mit Frauen besetzt zu sehen. Dazu noch im Zeitalter von Handy und Co und dann auch noch diese moderne, teils sogar mit vulgärer Sprache. Die immer noch gültige Botschaft macht es dennoch auf unterhaltsame Weise deutlich.

Und darum geht es: Karla und Franziska, die beiden Töchter des reichen Industriellen Maximilian Moor, stehen in stetiger Rivalität zueinander. Karla, die Erstgeborene, ist die Lieblingstochter, und soll einmal das Unternehmen erben. Franziska dagegen ist neidisch und schwärzt die Schwester beim Vater an. Vom Vater verstoßen, sagt die freiheitsliebende Karla sich von den Zwängen der Gesellschaft los und geht mit einer Bande Freundinnen in den Untergrund. Sie genießen das Ganovendasein und finden in ihrem Zusammenhalt einen neuen Lebenssinn. Doch dann wird eine der Räuberinnen festgenommen, der Plan, sie zu befreien, geht fürchterlich schief und fordert Dutzende Opfer.

Friedrich Schillers Erstlingswerk „Die Räuber“ mag über zweihundert Jahre auf dem Buckel haben – die Themen Freiheit, Verantwortung, Liebe und Familie sind jedoch so aktuell wie bei der Uraufführung 1782. Die Theater-AG Sek. II des Gymnasiums am Wall hat sich daher des klassischen Stoffs angenommen, und ihn – wie schon im vergangenen Jahr auf der Suche nach „Peer Gynt“ – bearbeitet und modernisiert.

Da es bei Schiller nur eine einzige weibliche Rolle gibt, das Ensemble aber bis auf zwei Ausnahmen ausschließlich aus Mädchen besteht, lag es nahe, die Geschlechter der Rollen zu tauschen. Die „Räuberinnen“ sind ebenso auf der Suche nach Freiheit wie ihre klassischen männlichen Vorfahren, und der Streit der Töchter Karla und Franziska um die Liebe (oder das Vermögen) des Vaters wird nicht weniger erbittert und hinterlistig geführt, wie in Schillers Original. Und auch in dieser Adaption ist das Ende ein schreckliches. Weder mit Gewalt noch mit Hinterlist lässt sich erringen, was beide Schwestern eigentlich suchen: Anerkennung und Liebe.

Der Konflikt zwischen den Schwestern aus Hass, Liebe, Eifersucht und Intrigen ist hier zentrales Motiv des Dramas und spiegelt zugleich den gescheiterten Kampf zwischen Freiheit und Gerechtigkeit, zwischen Weltfrieden und Kriminalität innerhalb der Bande wieder. Der Herausforderung, die gesellschaftlichen Zwänge des späten 18. Jahrhunderts auf die heutige Zeit zu übertragen, haben sich die Schüler und ihre Leitung, unterstützt von Moritz Bölter (Licht und Technik) und Amelie Nienstedt (Regieassistenz), gemeinsam gestellt. Aus einzelnen überarbeiteten Szenen wurde ein spannendes modernes Werk, das fesselt, den Geist Schillers in die Gegenwart trägt und vielleicht auch den Freiheitsdichter selbst gefesselt hätte.

Weitere Aufführungen sind noch am Mittwoch, 7., und am Freitag, 9. März, jeweils ab 19 Uhr in der Aula des Gymnasiums am Wall. Karten sind in den Buchhandlungen Heine und Mahnke sowie im Schulsekretariat für sechs Euro, ermäßigt vier Euro, erhältlich.

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