Kontaktverbot erschwert Arbeit

Corona-Pandemie in Verden: Frauenhaus steht vor besonderen Herausforderungen

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Elektronik gegen Kontaktbeschränkungen: Ilse Hastmann-Nott (l.) und Carola Schäfer (r.) übergeben die Spende an Ulla Schobert.

Es wird enger im Verdener Frauenhaus. Die Leiterin Ulla Schobert berichtete von täglichen Anfragen Hilfe suchender Frauen. Enger wird es aber auch, weil Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen in der Pandemie das Raumangebot des Gebäudes überfordern. Zu der Arbeit mit den Hilfe suchenden Frauen und ihren Kindern kommen für das Team der Zuflucht und der Biss-Stelle auch viele praktische Probleme hinzu.

Verden – Wenn der Stress zunimmt, schlägt er häufiger genau da in Gewalt um, wo die Menschen Geborgenheit suchen. In den Familien sorgt die Corona-Krise für zusätzlichen Stress. Isolation durch Kontaktsperre, Kurzarbeit mit Geldsorgen und Zukunftsängste kommen zu den ohnehin bestehenden Problemen hinzu. Nicht von ungefähr sind das Verdener Frauenhaus und die Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt (Biss) in diesen Tagen besonders gefordert. Zugleich müssen sie sich auf die neue Normalität in der Pandemie einstellen.

Zunächst sei der befürchtete Ansturm ausgeblieben, resümierte Schobert im Pressetermin. Aber mittlerweile sei der erhöhte Bedarf nicht mehr zu übersehen. „250 Fälle im Jahr sind normal, aber jetzt haben wir täglich mindestens einen.“ Auch die Anfragen innerhalb des Netzes der Frauenhäuser deute auf wachsenden Druck hin.

Mit der Polizei sei zu Beginn der Krise vorsorglich verabredet worden, vorrangig von dem Recht Gebrauch zu machen, den Schläger aus der Wohnung zu weisen. So ist zu verhindern, dass Frauen und oft auch die Kinder nach Übergriffen keine Alternative als das Frauenhaus haben.

Verdener Frauenhaus in der Corona-Pandemie: Aktuell fünf Mütter mit Kindern untergebracht

Fünf Frauen mit Kindern haben zur Zeit Zuflucht in der Einrichtung gefunden. Anfangs, zu Beginn der Corona-Krise, wollte das Team den Zugang auf Frauen aus dem Kreisgebiet beschränken. „Aber das konnten wir nicht lange durchhalten“, berichtete Schobert. Da sei eine Anfrage aus Bremen gekommen, in der es um eine Frau in einer besonderen Bedrohungslage ging. „Die konnten wir nicht ablehnen.“

Damit bei einer Infektion nicht der gesamte Betrieb eingestellt werden muss, haben sich die zehn Mitarbeiterinnen konsequent auf Biss und Frauenhaus aufgeteilt und arbeiten unabhängig. Im Frauenhaus selbst krempelten sie erstmal die Raumstruktur um. „Gemeinsame Büros und Unterbringung ging nicht mehr. Ein abgeschlossener Wohnbereich wird als Übergangsschleuse genutzt“, berichtete Schobert. 14 Tage bleiben neu aufgenommene Frauen mit ihren Kindern dort, bevor sie ins Haus kommen. Das reichte aber auf Dauer nicht aus. Deshalb seien mittlerweile zwei „Außenstellen“ geschaffen worden. In angemieteten Wohnungen sei es möglich, die Kontaktbeschränkungen durchzuhalten.

Corona-Krise in Verden: Frauenhaus sieht sich besonderen Herausforderungen gegenüber gestellt

Veranstaltungen, Fortbildungen, Sprachkurse und Gerichtstermine seien natürlich ausgefallen, berichtete Schobert. „Aber auch viele Hilfen sind schwerer zu aktivieren“, beschrieb sie die Erfahrung in der Krise. Mittlerweile habe die Anerkennung des Biss- und Frauenhaus-Teams als systemrelevant Hürden beseitigt. Ein „Dienstausweis“ ermögliche bei Bedarf trotz Kontaktsperre den Zugang.

Insgesamt allerdings vermittelte Ulla Schobert eher Zuversicht, die Probleme zu bewältigen. Gute Vernetzung vor Ort und bereitwillige Unterstützung helfen dabei. Hochwillkommen sei deshalb auch die Whatsapp-Anfrage von Carola Schäfer gewesen: „Wie geht es Euch, was braucht Ihr?“ Die amtierende Präsidentin der Frauenorganisation Zonta in Verden setzt einen Schwerpunkt im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen. Sie freute sich denn auch über die Antwort, dass sie in der Krise helfen konnte: Ein Laptop und ein Tablet würden die praktische Arbeit enorm erleichtern.

Coronavirus-Pandemie: Digitalisierung im Frauenhaus Verden stößt an Grenzen

„Viele Besprechungen und manchmal sogar Beratungen machen wir jetzt als Video-Konferenz“, erklärte Schobert. Da würden die Geräte dringend gebraucht. Ein vollwertiger Ersatz dafür, dass man sich gegenüber sitzt, sei das Gespräch übers Internet nicht, aber unter den jetzigen Bedingungen sei vieles sonst nicht mehr zu bewältigen. „Eigentlich ist unsere Arbeit sehr persönlich, und manchmal geht es auch nicht anders.“ Aber selbst dann werde häufig das Tablet benötigt. „Bei uns sind Frauen der verschiedensten Nationalitäten“, berichtete Schobert. Mit der handlichen Verbindung zum Internet könne dann eine Dolmetscherin hinzugeschaltet werden.

Mit der Vorsitzenden des Vereins der Freunde von Zonta International, Ilse Hastmann-Nott, konnte Carola Schäfer die Spende im Wert von 1. 500 Euro überreichen. Die Geräte helfen so, die Zahl der Kontakte einzuschränken, um die Schutz suchenden Frauen und die Mitarbeiterinnen vor der Infektion zu bewahren. Wer den Helferinnen ebenfalls helfen möchte, kann sich bei Ulla Schobert unter Telefon 0171/9461774 oder per E-Mail an frauenhaus-verden@t-online.de melden. Der Frauennotruf 04231/961970 ist Tag und Nacht, auch an Sonn- und Feiertagen erreichbar. Beratung in der Biss-Stelle finden Betroffene unter der Telefonnummer 04231/956474.

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