Bedarf steigt in allen Bereichen

Frauenberatung feiert Jubiläum: Heute so wichtig wie vor 25 Jahren

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Das Team der Frauenberatung Verden feiert sein 25-jähriges Bestehen (v.l.): Friederike Geißler, Inge Dotschkis-Hillejan und Marianne Tjarks. Es fehlt Regine Balk.

Verden - In diesem Jahr feiert die Frauenberatung Verden ihr 25-jähriges Jubiläum. Psychosoziale Beratung sowie die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung sind die beiden Säulen der Verdener Institution. Heute besteht das Team aus Inge Dotschkis-Hillejan, Dipl.-Sozialpädagogin, Regine Balk, HP-Psychotherapie, Friederike Geißler, Sozialpädagogin und Marianne Tjarks, Dipl.-Sozialpädagogin. Ihre Daseinsberechtigung hat die Frauenberatung heute mehr denn je. „Der Bedarf ist in allen Bereichen gestiegen und steigt weiter“, weiß Marianne Tjarks.

Gegründet wurde die Beratungsstelle 1993 als ein „Ort für Frauen“ durch das Frauenhaus. Der ehrenamtlich geführte „Frauenberatungsladen“ in der Lahusenstraße hatte regen Zulauf. „Der Beratungsbedarf war nicht nur bei häuslicher Gewalt groß, Beratung gab es auch bei jeder Form von Lebenskrise“, so Dotschkis-Hillejan. Bereits 1995 zieht die Frauenberatung an ihren jetzigen Standort in die Grüne Straße 31.

Durch die Anerkennung als Stelle für Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung können zwei weitere Mitarbeiterinnen eingestellt werden. Um die Frauenberatung finanziell auf bessere Füße zu stellen, wird 1995 der Förderverein „Frauen helfen Frauen“ zur Einwerbung von Spenden gegründet. 1998 startet eine große Fundraising-Aktion. Durch den Verkauf der von der Emma-Cartoonistin Emma Becker gestalteten Sterntaler-Sleep-shirts kommen 30.000 Euro zusammen. „Mit diesem Geld als Anschubfinanzierung konnte mit dem Landkreis über die Finanzierung einer Stelle im psychosozialen Bereich verhandelt werden“, erzählt Dotschkis-Hillejan. Mit Erfolg, 1999 übernimmt der Landkreis Verden die Gegenfinanzierung dieser Stelle.

2000 setzt die Frauenberatung verstärkt auf Öffentlichkeitsarbeit. In Zusammenarbeit mit Caritas, Diakonie und der Frauenbeauftragten des Landkreises Verden erscheint die Broschüre „Schwanger – was nun?“.

Ab 2001 geht es bei der Frauenberatung mit verschiedenen Projekten richtig bergauf. 2001 entsteht das Präventionsprojekt „Vom Schlankheits- zum Schönheitswahn – zur Essstörung“ mit 20 Präventionsveranstaltungen an Schulen. „Dieses Thema zieht sich bis heute durch unsere Arbeit“, berichtet Friederike Geißler. Im Rahmen des neuen Gewaltschutzgesetzes formiert sich 2002 das Verdener Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt.

Personelle Aufstockung im Jahr 2005

2005 wird die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung auf zwei volle und eine halbe Stelle aufgestockt. „Meistens geht es bei den Beratungen um finanzielle Hilfe und um Krisen rund um Schwangerschaft und Geburt. Die Konfliktberatung ist der bei weitem kleinere Bereich“, so Dotschkis-Hillejan. 2006 geht die erste Website www.frauenberatung-verden.de an den Start. 2008 erscheint landkreisweit der erste professionell gestaltete Veranstaltungskalender der Frauenberatung.

Seit 2009 setzt sich die Frauenberatung für kostenfreie Verhütungsmittel für bedürftige Frauen sowie die kostenfreie Verfügbarkeit für die „Pille danach“ ein. 2010 gibt die Frauenberatung den Flyer „Die Pille und was Sie beachte sollten“ heraus, der landkreisweit verteilt wird. Mit der Beratung bei der Pränataldiagnostik kommt 2011 ein weiterer Bereich in der Schwangereninfo hinzu. Trotz Unterfinanzierung integriert die Frauenberatung 2011 ein Projekt für Migrantinnen im ländlichen Raum. Auch bei der Einrichtung des Netzwerks „Pro Beweis“ für Opfer sexueller Gewalt 2014 in der Aller-Weser-Klinik wirkt die Frauenberatung mit. Mit der „Vertraulichen Geburt“ bekommt die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung 2015 ein weiteres Pflichtarbeitsfeld.

Dolmetscherinnen ab 2016

2016 können durch das Projekt „Worte helfen Frauen“ Dolmetscherinnen für geflüchtete Frauen und Migrantinnen finanziert werden. Durch die Verabschiedung einer neuen niedersächsischen Richtlinie und aufgrund der hohen Fallzahlen bekommt die Frauenberatung zudem höhere finanzielle Zuwendungen im psychosozialen Bereich.

„Beratung bei Trennung und Scheidung, aber auch Beratung bei häuslicher Gewalt sind nach wie vor die Schwerpunkte unserer Arbeit“, erzählt Marianne Tjarks. Gerade durch die geflüchteten Frauen seien die Zahlen gestiegen. „Gewalt zieht sich aber durch alle Schichten. Wir brauchen viel Geduld, weil sich viele Frauen erst nach Jahren aus der Gewalt-spirale lösen“, so Tjarks. Friederike Geißler betont, wie wichtig es sei, dass jede Frau ihren eigenen Weg findet. „Wir begleiten die Frauen und zeigen ihnen Möglichkeiten auf.“

In diesem Jahr bahnt sich bei den Mitarbeiterinnen ein Generationswechsel an. Zunächst wird ab dem 1. Oktober eine junge Mitarbeiterin die Aufgaben von Inge Dotschkis-Hillejan übernehmen. 

ahk

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