Frauen eine Stimme geben

Verdener Frauenberatung feiert 25-jähriges Jubiläum

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Das Team der Frauenberatung (v.l.) Regine Balk, Vereinsvorstand Dr. Ute Sonntag, Marianne Tjarks und Friederike Geißler. Es fehlt Inge Dotschkis-Hillejan.

Verden - Die Frauenberatung Verden feierte ihr 25-jähriges Jubiläum offiziell mit rund 50 geladenen Gästen im Domgemeindesaal. Den Festvortrag hielt Marita Blauth von der Beratungsstelle Therapie, Beratung und Coaching für Frauen (TuBF) in Bonn. Für die musikalische Begleitung des Vormittags sorgten Christine Schmidt-de Vries und Mattis Reinders.

Dr. Ute Sonntag, Vorstand des Vereins Frauenberatung Verden, begrüßte die Gäste und gab einen kurzen Abriss der Geschichte der Einrichtung. Sie konnte mit Ulla Schobert, Anette Schulte, Regina Ernst und Roswitha Urbanski auch vier der fünf Gründerinnen der Verdener Frauenberatung begrüßen. Ulrike Helberg-Manke musste absagen.

Das erste Grußwort sprach die stellvertretende Landrätin Karin Labinsky-Meyer. Sie überbrachte die Grüße des Landkreises und dankte dem Team für das Engagement und die kompetente und einfühlsame Beratung in den vergangenen Jahren. „Ihr gebt den Frauen eine Stimme, viele fanden durch euch zu einem freien und selbstbestimmten Leben“, sagte Labinsky-Meyer.

Nun gelte es, weiter beharrlich für die Rechte der Frauen zu kämpfen. Viele Partner stünden der Beratungsstelle dabei solidarisch zur Seite.

Viele Frauen brauchen Unterstützung

Seit 2006 gehört die Frauenberatung Verden dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachsen an. Die Grußworte des Verbandes überbrachte Anne Günther. Sie würdigte die vielfältigen Aktivitäten, die die Frauenberatung auf- und ausgebaut hat. „Immer noch sind viele Frauen benachteiligt, werden unterdrückt oder misshandelt. Hier ist schnelle, unbürokratische Hilfe nötig“, sagte sie.

Günther verwies zudem auf den großen Einsatz der Frauenberatung Verden bei der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung und der Finanzierung von Verhütungsmitteln. Man müsse weiter gemeinsam streiten, dass Frauen informiert werden und die Wahl einer selbstbestimmten Entscheidung haben.

Gabriele Frech von der Cara Beratungsstelle zu Schwangerschaft und Pränataldiagnostik verwies auf die kritische Haltung der Beratungsstellen zur Pränataldiagnostik. „Wir fordern eine ganzheitliche und bestärkende Begleitung, die nicht nur risikoorientiert ist“, sagte sie. 

Den Festvortag hielt Marita Blauth von einer Frauenberatungsstelle in Bonn.

Neben einer individuellen Beratung sei auch der Blick über den Tellerrand und die kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Bedingungen unverzichtbar. Der besondere Wert der Arbeit der Frauenberatung sei, dass sie sich nicht am Mainstream orientiere, sondern sich für eine Selbstbestimmung der schwangeren Frauen einsetzt.

Der Festvortag von Marita Blauth stand unter dem Thema „Frauenberatung – Professionelle Beratung zwischen Realität und Qualität“. Die ersten Frauenhäuser hätten die Lebensumstände der Frauen aus dem Privaten geholt, blickte Blauth zurück. Die Beratungsstellen waren von Beginn an Orte, an denen die Frauen offen sprechen konnten, ohne in ihre Rollen verwiesen zu werden.

Zunächst seien diese Anlaufstellen eine Selbsthilfebewegung gewesen. „Die Frauen entwickelten sich zu Expertinnen für ihre eigenen Belange“, berichtete die Referentin. Auf der anderen Seite standen die Ärztinnen und Therapeutinnen. „Das waren zwei Welten, die sich gegenseitig misstrauisch beäugten. In der Frauenberatung galt es, beide Konzepte miteinander zu verbinden.“

Individuelle Lösungen und Kreativität sind wichtig

Zunächst sei auch die staatliche Förderung umstritten gewesen, da die Frauen fürchteten, dies könne ihre selbstständige Arbeit gefährden. Heute sei die Arbeit der Beratungsstellen geprägt von der Balance zwischen Kreativität und Professionalität, was der Arbeit an vielen Orten eine besondere Qualität verleihe. In Beratungsgesprächen würden gemeinsam individuelle Lösungen gefunden.

Der Druck auf die Frauen sei durch die Aufgabenfülle heute keineswegs kleiner geworden. Die Referentin warnte ferner vor einem Wettbewerbsdenken im sozialen Bereich. „Frauenberatungen arbeiten ganzheitlich, es braucht Zeit, Vertrauen zu schaffen.“  - ahk

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