Verkehrsbetriebe bestellen vier Stromer für zwei Millionen Euro / Erstmals Bundeszuschuss

Flüsterbusse nehmen Kurs auf Verden

Seit Frühjahr auf den Verdener Straßen unterwegs: Der erste Stromer bei Allerbus. Jetzt bestätigten Geschäftsführer Henning Rohde, Prokurist Moritz Bruckhoff und Landrat Peter Bohlmann (v.l.) die Bestellung von vier weiteren Elektro-Fahrzeugen.
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Seit Frühjahr auf den Verdener Straßen unterwegs: Der erste Stromer bei Allerbus. Jetzt bestätigten Geschäftsführer Henning Rohde, Prokurist Moritz Bruckhoff und Landrat Peter Bohlmann (v.l.) die Bestellung von vier weiteren Elektro-Fahrzeugen.

Verden – Der einzige Elektrobus auf den Straßen des Landkreises Verden erhält Gesellschaft. Die Verdener Verkehrsgesellschaft Allerbus, die seit dem Frühjahr einen solchen Flüsterbus betreibt, will innerhalb des nächsten Jahres zwei weitere Stromer in Dienst stellen. Ein übernächstes Duo wird bis Ende 2022 erwartet. Das bestätigte gestern VVG-Geschäftsführer Henning Rohde. Mit der Unterschrift Landrat Peter Bohlmanns wurden die Vorhaben jetzt auf den Weg gebracht. Das ehrgeizige Ziel: Innerhalb der nächsten drei Jahre soll die Elektromobilität bei Allerbus auf 21 Prozent wachsen, bis zum Jahr 2030 sogar auf 50 Prozent. Gleichzeitig zeichnet sich bereits eine nächste Fahrzeuggeneration ab. „Wir verzeichnen langfristig ein Plus bei den Fahrgastzahlen“, so Rohde, „wir denken über den Einsatz beispielsweise von Gelenkbussen nach.“

Mit einem Stapel höchst wertvollen Papiers trat Rohde gestern an den Elektrobus heran. Erstmals ist es gelungen, Zuschüsse auch vom Bund zu erhalten. Das kleine Problem: Das Berliner Umweltministerium fördert solche Projekte nur, wenn namhafte Zahlen zusammen kommen. Die Messlatte liegt bei fünf elektrisch betriebenen Bussen. Dank einer niedersachsenweiten Zusammenarbeit der Verkehrsbetriebe bis hinunter nach Goslar und Braunschweig war ein Antrag für 39 Fahrzeuge auf den Weg gebracht worden. Von den 550 000 Euro, die ein solcher Bus kostet, trägt nun der Bund bemerkenswerte 187 000 Euro. Einschließlich der Landesförderung, die für die nächsten beiden Busse bereits vorliegt und für die darauffolgenden zwei erwartet wird, klettert der Zuschussanteil laut Rohde auf 67 Prozent. Insgesamt werden mehr als zwei Millionen Euro bewegt. Und das sorgt nicht nur für ein gutes Gewissen aus ökologischer Sicht, es sorgt auch für ein Glänzen in den Augen der Betriebswirtschafter. „Dank der hohen Förderung kostet uns ein E-Bus genauso viel wie ein herkömmliches Diesel-Modell“, sagt Prokurist Moritz Bruckhoff. Nämlich 190000 Euro. Die Unterhaltungskosten indes sinken.

Mit der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach wäre die Verdener Verkehrsgesellschaft schon jetzt in der Lage, rechnerisch zumindest einen Bus zu versorgen. Allerdings werden die Akkus nachts geladen, dann, wenn die Sonne nicht scheint. Landrat Bohlmann sieht dennoch einen ökologischen Vorteil: „In der dunklen Tageshälfte kommt vorrangig grüner Strom zum Einsatz, überschüssiger Windstrom zum Beispiel.“

Mit den neuen Fahrzeugen sinke der Dieselverbrauch um 70 000 Liter pro Jahr. Gleichzeitig sei die neue E-Generation deutlich geräuscharmer unterwegs. „Die Bevölkerung wird einen spürbaren Rückgang der Lärmemissionen feststellen, da die Motorgeräusche der Busse gegenüber konventionellen Dieselmotoren einen Anteil von 60 bis 80 Prozent der Gesamtgeräusche verursachen,“ so Rohde. Die kommenden Fahrzeuge werden nicht nur genauso leise ausfallen, sie sind auch ähnlich dimensioniert. „Sie müssen eine Reichweite von 250 Kilometern pro Tag erreichen. Damit kommen wir hin.“

Das Engagement macht Sinn. War der Öffentliche Personen-Nahverkehr in früheren Jahrzehnten lediglich „ein Anhängsel des Schulbusbetriebes“, wie Landrat Bohlmann sagte, so entwickelt sich die eigenständige Bus-Komponente inzwischen l zum Erfolgsmodell. „Wir verzeichnen seit langem Zuwächse bei den Fahrgastzahlen“, so Rohde, „das Angebot ist daraufhin schon mehrfach vergrößert worden.“ Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie beginnen sich zu beruhigen. Ein halbes Jahr nach dem Lockdown liege man „schon wieder bei 80 Prozent des üblichen Aufkommens“.

Mit dem bisher einzigen Bus habe man gute Erfahrungen gesammelt, „Zuerst kam es zu Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Ladegerät und Fahrzeug. Aber diese Kinderkrankheiten sind ausgebügelt,“ sagt Rohde.

Von Heinrich Kracke

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