Flüchtlinge bekommen kaum Wohnungen

Als Mieter unerwünscht

Familie Ahmadi: Vater Nooragha, Mutter Zara Yossefi und die Zwillinge Mahdi (r.) und Hadi. - Fotos: Haubrock-Kriedel
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Familie Ahmadi: Vater Nooragha, Mutter Zara Yossefi und die Zwillinge Mahdi (r.) und Hadi.

Verden - Einfach einmal die Tür hinter sich abschließen und endlich wieder ein Stück Privatsphäre genießen – das ist der große Wunsch von der 16-jährigen Zaynab Alizadeh. Die junge Frau aus Afghanistan lebt schon seit Monaten mit ihren Eltern und den beiden Brüdern in der Containersiedlung auf dem Parkplatz der Kreisverwaltung. Wie Zaynab und ihre Familie hoffen viele Flüchtlinge, die zurzeit im Landkreis Verden leben, endlich eine Wohnung zu finden. Doch viele Vermieter wollen keine Flüchtlinge als Mieter.

Dabei ist ein lebenswertes Wohnumfeld für die Integration unerlässlich. Das war auch ein Ergebnis der Integrationskonferenz „Wohnen und Leben“, die im November in Verden stattfand. Die Sammelunterkünfte oder die Containersiedlung, in denen immer noch viele Flüchtlinge leben, erfüllen diese Voraussetzungen auf die Dauer aber mit Sicherheit nicht. Pastor Ludolf Ulrich, der sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagiert, weiß zu berichten, dass zum Beispiel in der Lesumstraße immer noch zehn Eritreer in äußerst beengten Verhältnissen leben. „Sie sind schon seit zwei Jahren dort, bis vor kurzem waren es sogar noch 14“, berichtet er. Teilweise müssten sich die jungen Männer zu dritt ein Zimmer teilen.

Ehrenamtliche meidet Immobilienverwaltungen

Wie schwer es ist, Flüchtlingen eine Wohnung zu vermitteln, erfährt auch Britta Wahlers immer wieder aufs Neue. Die Kirchenvorsteherin der Zionsgemeinde Verden engagiert sich ebenfalls ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Sie hat einen jungen Mann aus Eritrea bei sich aufgenommen und hilft ihm seit Anfang des Jahres bei der Wohnungssuche. „Ich weiß inzwischen sehr genau, welche Immobilienmakler gar nicht erst auf eine Bitte zur Kontaktaufnahme zwecks Besichtigung reagieren. Ich weiß auch, welche Makler ich gar nicht erst anrufen darf, weil ich ihnen ihre wertvolle Arbeitszeit stehle. Eine Maklerin sagte mir, ich solle nicht mehr anrufen, da ich sie von ihrer richtigen Arbeit abhalte“, so Wahlers kopfschüttelnd. Immobilienverwaltungen meidet sie inzwischen sogar komplett. „Sie haben von ihren Auftraggebern, den Hauseigentümern, meist die Vorgabe, nicht an Flüchtlinge zu vermieten oder aber nicht mit dem Amt beziehungsweise dem Landkreis zusammenzuarbeiten“, erzählt sie frustriert.

Viele Wohnung stehen leer

Dabei stehen gerade in Verden viele Wohnungen leer, zum Beispiel in der Weserstraße, der Nassen Straße, der Salzstraße oder der Goethestraße. Einige Vermieter scheinen gar kein Interesse daran zu haben, die Wohnungen überhaupt zu vermieten. Selbst Einheimische haben hier keine Chance.

So werden sich wohl auch die beiden afghanischen Familien Alizadeh und Ahmadi darauf einstellen müssen, noch eine ganze Weile in der Containersiedlung zu wohnen. Beide Familien sind ungefähr seit einem Jahr in Deutschland und waren zunächst in einer Sammelunterkunft untergebracht. Seit Mai leben sie nun in den Wohncontainern. 

Nooragha Ahmadi und Zara Yossefi sind Eltern der 17-jährigen Zwillinge Mahdi und Hadi. Beide Söhne sprechen bereits sehr gut Deutsch. Zunächst besuchten sie die Sprachlernklasse des Domgymnasiums und konnten nun in die reguläre achte Klasse wechseln. „In der Containersiedlung hatten wir zunächst nur ein Zimmer, jetzt sind es zwei, aber es ist immer noch sehr wenig Platz“, erzählt Hadi. Gerade an seinem Vater sind die Strapazen der letzten Monate nicht spurlos vorübergegangen. Er hat Herzprobleme und leidet unter zu hohem Blutdruck.

Auch Mariam Alizadeh geht es nicht immer gut, sie ist Diabetikerin.

Familie Alizadeh: Vater Musa, Mutter Mariam, Ali Asgar, Zaynab, Ali Akbar (v.l.).

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Musa hat sie neben ihrer 16-jährigen Tochter Zaynab noch zwei Söhne, den 17-jährigen Ali Akbar und den zehnjährigen Ali Asgar. Aufgrund eines Übersetzungsfehlers wurden Zaynab und Ali Asgar zwei Jahre zu alt eingeschätzt. Ali Asgar kam in die sechste Klasse des Domgymnasiums, wo den Lehrern aber schnell auffiel, dass er jünger sein muss. Nun besucht der Zehnjährige die dritte Klasse der Grundschule am Lönsweg und fühlt sich dort sehr wohl. Auch bei Zaynab fiel der Fehler auf, sie besucht jetzt wie ihr älterer Bruder das Domgymnasium. Gerade für Zaynab ist das Leben im Container nicht leicht. Andere junge Mädchen in ihrem Alter gibt es dort nicht. Da die Türen aus brandschutztechnischen Gründen nicht abgeschlossen werden dürfen, fühlt sie sich oft nicht sicher. Jetzt im Winter sei es nachts oft seht kalt. Auch werde das Wasser nicht mehr richtig warm, so dass man gar nicht warm duschen könne, erzählt sie.

Sandra Bruns vom Verein Verden hilft steht beiden Familien und mit vielen anderen Geflüchteten in engem Kontakt. „Es sind alles sehr motivierte Menschen, die sich integrieren möchten, ich bin sicher dass es keine Probleme gibt, zumal alle auch Betreuer haben, die sehr engagiert sind“, sagt sie. Wer eine Wohnung an Flüchtlinge vermieten möchte, kann sich unter der Telefonnummer 04231/8898035 gern an Pierre Melchers vom Verein Verden hilft wenden. 

ahk

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