Flucht in den Wirren der Revolution / Versorgung der Bevölkerung schwierig

Die Soldaten kehren zurück

Warenangebote für die heimkehrenden Krieger.
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Warenangebote für die heimkehrenden Krieger.

Verden - Der Arbeiter- und Soldatenrat in Verden arbeitete nach der Übernahme der Macht mit der Verwaltung der Stadt und des Kreises sowie den örtlichen Vertretern der Vereine und sonstigen bürgerlichen Gruppierungen zusammen. Allerdings beanspruchten die gewählten Vertreter der Arbeiter und Soldaten in strittigen Fragen das letzte Wort.

Dieses einvernehmliche Handeln nahm Rücksicht auf die nach wie vor prekäre Versorgung der Bevölkerung und die mit der Rückkehr der Soldaten unmittelbar und mittelfristig absehbaren Herausforderungen.

Die zwei fleischlosen Tage pro Woche wurden aufgehoben, die Brotration heraufgesetzt, aber die Politik der Höchstpreise und Rationierungen bestand fort. Die verringerte Zulieferung von Kohle führte zur Verringerung der städtischen Gaslieferungen an Haushaltungen und eingeschränkten Öffnungszeiten in den Geschäften und Einrichtungen der Stadt.

Die Ernährung der Bevölkerung war weiterhin für Teile der Bevölkerung nur sichergestellt über die nun schon seit Jahren von der Stadt betriebene Volksküche. Im März 1919 wurde seitens der Stadt die Volksküche geschlossen.

Die Rückkehr der heimischen Soldaten begann bereits mit dem Ende des Krieges an der Ostfront in den letzten Julitagen, als der schon 1914 in russische Gefangenschaft geratene Friedrich Emigholz nach Jahren in Sibirien in den Wirren der Revolution die Flucht wagte. Unteroffizier Steinberg als Angehöriger des Feldartillerie Regiments 26 informierte im Hotel Höltje die interessierte Öffentlichkeit über seine Jahre in russischer Gefangenschaft und seine Flucht. Schon im Mai war die Stadt über die Rückkehr von der Ostfront in Kenntnis gesetzt worden. Allerdings mit dem Hinweis, dass einer endgültigen Rückkehr an den heimischen Herd die Quarantäne vorausgehen müsse.

Im Dezember des Jahres 1918 und in den nachfolgenden Wochen und Monaten häuften sich die Anzeigen in der Zeitung „Aus dem Feld zurück“ und „nach glücklicher Heimkehr.“

Die in die Heimat nach Jahren des Krieges zurückkehrenden Soldaten nahmen ihre beruflichen Tätigkeiten wieder auf. Meist waren es Mitteilungen Selbstständiger und freiberuflich Tätiger wie der Klempnermeister Jasper, der Barbier und Friseur Lohmann, der Malermeister Schwabe, der Kunst- und Bauschlosser Behne, der Möbelfabrikant Wöhler und der Rechtsanwalt Becker. Die Rückkehr in das zivile Leben dürfte auch denen leicht gefallen sein, die als ehemalige Bergleute, Fabrikarbeiter, Schlosser und Handwerker das Arbeitsangebot der Bergbaugesellschaft Wilhelmine in Hülsen annahmen. Für die Mehrzahl der Rückkehrer allerdings waren die wirtschaftlichen Aussichten ungewiss. Arbeiter- und Soldatenrat und das Arbeitsamt der Garnison in Verden baten deshalb alle Arbeitgeber vorhandene freie Stellen der großen Anzahl Arbeitssuchender aller Berufsklassen zur Verfügung zu stellen.

Der Landrat des Kreises sicherte den Kriegsteilnehmern zu, dass sie auf Antrag Einrichtungsgegenstände für Küche und sonstiges erhielten. Schon Ende November erörterten die gewählten Vertreter Verdens Maßnahmen zur Linderung der sozialen und wirtschaftlichen Not. Erwerbslosenunterstützung als auch Notstandsarbeiten im Bereich des Straßenbaus wurden als Maßnahmen festgelegt. Die Deutsch-Hannoversche Partei wies zu Recht auf die Folgen drohender Unterversorgung hin, denn Millionen von Soldaten müssten ernährt werden und Plünderungen und Gewalttaten wären unabwendbar, würde die Lebensmittelversorgung den Bedarf nicht sichern. In Verden fand diese Befürchtung ihre Bestätigung mit dem Eierkrawall im März 1919.

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