Zain Al-Kathir schreibt Erlebnisse auf

Flucht aus dem Sudan

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Eindrucksvoller Abend: Autor Zain Al-Kathir (r.) mit Pierre Melchers und Svenja Niederkrome vom Verein „Verden hilft“.

Verden – Ungewöhnlich der Veranstaltungsort, der aber dennoch passte: „Verden hilft“ und Borsteler FC hatten eine Lesung mit Zain-Alabidin Al-Kathir organisiert. Der Autor las in der Pizzeria Cappuccino aus seinem Buch „Ums Überleben kämpfen“.

Der junge Sudanese, der heute in Hildesheim lebt, berichtete ausführlich und beinahe dokumentarisch über seine Flucht aus dem Sudan über Libyen und das Mittelmeer bis nach Deutschland. Al-Kathir selbst las auf Arabisch und Svenja Niederkrome von „Verden hilft“ auf Deutsch.

In dem erst kürzlich erschienenen Buch berichtet der 27-Jährige in zeitlich gestalteten Kapiteln von seinem Kampf ums Überleben während seiner Flucht. Es ist ein bewegender Rückblick, in dem der Autor insbesondere die unendlichen Strapazen der Flucht beschreibt und der auch seine Furcht und Ängste nachvollziehbar macht, selbst wenn hin und wieder auch kleine Freuden durchklingen.

Die Flucht aus politischen Gründen beginnt im November 2013. Zain ist 21 Jahre alt und macht sich, begleitet von einem Freund, auf den Weg nach Ägypten, wo er sich erstmals in die Hände von Schleusern begeben muss. So wird er mit einer Welt voller Erniedrigungen konfrontiert, erlebt Angst und Menschen, die kein Mitleid dafür umso mehr Willkür kennen. Al-Kathir reflektiert ausführlich. Der mühsame Marsch über die ägyptisch-libysche Grenze gehört ebenso dazu wie der libysche Arbeitsstrich und das Gefühl, nun ein vogelfreier Mensch zu sein. Europa, was eigentlich ja nie Ziel seiner Reise war, wird so für ihn zum Zufluchts- und Hoffnungsort. Großen Raum nehmen daher auch die Erinnerungen an den Höllentrip seiner Flucht, die Route über das Mittelmeer ein. „Hunger und Angst sind ständige Gefährten an meiner Seite.“

Die Ankunft in Italien im August 2015 hat er akribisch dokumentiert, ebenfalls die Willkür der Behörden in Deutschland, wo er trotz Sprachkursen und beruflicher Maßnahmen – er macht eine Lehre zum Kfz-Mechatroniker – einen Abschiebebescheid erhält, sodass seine Zukunft weiter vollkommen ungewiss ist.

Es ist wichtig, was der junge Mann den Zuhörern mit seinem dokumentarischen Werk mitzuteilen versucht. Durch sein Schicksal bekommt auch das anderer Flüchtlinge noch einmal ein ganz anderes Gewicht. Denn wie heißt es am Ende des Buches sinngemäß: „Niemand, der sein Heimatland verlassen hat oder geflohen ist, hat dies freiwillig getan. Sie alle wurden dazu gezwungen. Vor der Lesung, im Gespräch mit dieser Zeitung, hatte der junge Mann von seiner Freundschaft mit Carola Rackete erzählt, die Kapitänin, die als Flüchtlingshelferin auf der Sea Watch bekannt wurde. Mit ihr gemeinsam habe er zu einer Veranstaltung von Human Rights nach Genf reisen wollen, aber zu seiner großen Enttäuschung keine behördliche Genehmigung für die Reise ins Ausland bekommen. „Ich weiß nicht, woran ich bin. Das ist sehr belastend für mich“, so al Khatir. Hinzu komme, dass er nur sporadisch Kontakt zu seiner Familie im Sudan habe, wo seine Eltern und sechs Geschwister leben. „Manchmal höre ich ein halbes Jahr nichts. In unserem Dorf gibt es keinen Handyempfang. Meine Eltern fahren manchmal in die Stadt, und rufen mich von dort aus an.“

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