Neue Herausforderungen für Kitas durch Zuwanderung / Leitungen tauschen sich aus

Flucht im Spiel verarbeitet

Rund 40 Kitaleiterinnen und -leiter aus dem Landkreis trafen sich im Verdener Rathaus. - Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - Inklusion ist für die Kindertagesstätten schon länger ein wichtiges Thema. Durch die aktuelle Flüchtlingsthematik wachsen die Herausforderungen an Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich. Bei einem Treffen im Verdener Rathaus diskutierten 40 Leiterinnen und Leiter der Einrichtungen im Landkreis, wie die neuen Bedingungen den Kita-Alltag verändern.

Als Coach hatte Organisator Franz Holsten, Leiter der Kita Carl-Hesse-Straße, Dr. Christian Kemper von der inbetweener GbR, Bonn, eingeladen. Er sah seine Aufgabe vor allem darin, den Dialog zwischen den Anwesenden zu fördern: „Wir haben hier 40 Expertinnen und Experten. Sie wissen genau, wie man mit Kindern umgeht, die andere Voraussetzungen haben“, sagte er. Das Treffen solle ein Blitzlicht auf die neue Situation werfen, die durch die Betreuung der Kinder der Geflüchteten entstehe. Dabei gehe es auch um das Ziel, für sich und die Kita einen Schritt weiterzukommen.

Schnell erwies sich im Austausch die neue Aufgabe als zusätzliche Belastung, weil in den Einrichtungen immer noch hart an der Verwirklichung der Inklusion gearbeitete wird. Bei einigen Leiterinnen war die Frustration nicht zu überhören. „Die persönliche Entwicklung und die Rahmenbedingungen passen nicht zusammen. Die Mehrbelastung ruht auf meinen Schultern“, beklagte sich eine Leiterin.

Zusätzliche Gruppen wurden deshalb als denkbare Lösung diskutiert. Die Kita-Leitungen wünschten sich mehr Unterstützung von den Trägern und der Politik. Eine hohe Zahl von Anmeldungen führe bereits dazu, dass Kinder mit erhöhtem Förderbedarf doch in Sondereinrichtungen kämen. Da gehe es dann zu oft darum, dass die Kinder irgendwie versorgt seien. Aber Veränderungen seien spürbar. „Ich bin im Laufe der Jahre vielen Menschen begegnet, die ihre Haltung zur Inklusion verändert haben. Ich bin nicht mehr allein“, sagte Franz Holsten.

Ralf Vogt vom Landkreis Verden berichtete, dass die Zahl der ankommenden Flüchtlinge derzeit unter den Erwartungen liegt. Seit Oktober seien allerdings vor allem Familien mit Kindern gekommen. „Momentan sind im Landkreis Verden 186 von ihnen im Kindergartenalter.“

„Da der Bedarf unberechenbar ist, muss der Landkreis flexibel reagieren, das nimmt auch den Druck von den Kitaleitungen“, betonte Verdens Bildungskoordinatorin Dr. Christiane Morré. In den meisten Einrichtungen würden bislang kaum geflüchtete Kinder betreut. Ausnahmen im Kreis seien Ottersberg und die Kita St. Josef in Verden.

Susanne Drewes, stellvertretende Leiterin des katholischen Kindergartens, berichtete: „In unserer Einrichtung werden zurzeit 13 Kinder mit Flüchtlingshintergrund betreut.“ Kinder mit Migrationshintergrund habe es die Einrichtung schon lange gegeben. Verständigungsschwierigkeiten gehörten zum Alltag. „Wir haben die Eltern mit ins Boot geholt, Hilfe kam hier aus dem Sprachcafé des Familienzentrums St Josef.“

Die neue Herausforderung sei aber, dass jetzt viele Kinder aus Syrien, Albanien oder dem Iran nicht auf Dauer in Deutschland bleiben. Auch hätten viele auf der Flucht schlimme Erfahrungen gemacht, die sie beim Spielen verarbeiten. „Damit konnten wir so nicht umgehen und haben uns daher Supervision geholt“, berichtete Drewes. So habe man gelernt, mitzufühlen, statt Mitleid zu haben. Gelernt habe man auch, eine „gesunde Distanz“ zu schaffen, da es immer möglich sei, dass eine Familie von heute auf morgen ausgewiesen wird. - ahk

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