Seltener Gast im Tierheim: Hahn teilt sich den Flur mit Fellnasen

Feurig und topfit

Der prächtige Hahn heißt im Tierheim Bernd.
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Der prächtige Hahn heißt im Tierheim Bernd.

Verden – Es kräht im Verdener Tierheim. Vergangene Woche war ein Hahn im Alma-Rogge-Weg aufgetaucht und hatte mit seinen morgendlichen Rufen die Anwohner geweckt. Seit Mittwoch wartet er in Walle auf seinen Besitzer.

Julia Linz war von Anwohnern kontaktiert worden. In ihrer privaten Wildtierpflegestelle hat sie immer mal wieder gefiederte Schützlinge und im Einfangen von Tieren ist sie erprobt, doch bei diesem Gockel war es nicht so einfach. Schließlich ist er ihr doch ins Netz gegangen. Diese Form der Hilfe war aber eine nachbarschaftliche Ausnahme der Familie Linz. „Wir kümmern uns ausschließlich um Wildtiere“, betont die Verdenerin.

In Walle sitzt der Hahn nun in einem Trakt mit lauter süßen Miezen, was durchaus nach dem Geschmack stolzer Gockel ist. Nur steht dieser Herr mehr auf Damen im Federkleid. Eine Hühnerschar können Tierheimleiterin Heidi Seekamp und ihre Mitstreiter ihm nicht bieten. Jedoch haben sie einen großen Sack Futter besorgt. 25 Kilo, kleiner habe es ihn auf die Schnelle nicht gegeben.

Der Hahn ist beringt, aber der ursprüngliche Züchter kommt nicht aus Verden. Ob er überhaupt Infos zum Tierhalter hat, bezweifelt Seekamp. „Die Ringe sind europaweit einheitlich für Rassegeflügel“, erklärt Heiner Albrecht, Sprecher des Geflügelzuchtvereins Morsum. Entnehmen lässt sich dem Ring, dass der Hahn im Jahr 2016 geschlüpft ist und aus Deutschland stammt.

„Das ist ein Araucana silberhalsig. Ein stattlicher Kerl. Richtig feurig, topfit“, staunt Albrecht, erfahrener und preisgekrönter Züchter, an Hand eines Fotos. „Der Bart ist da, der Kamm ist in Ordnung und das Geflügeldreieck ist auch vorhanden. Das ist schon einer der besseren Sorte.“ Er vermutet, dass im Dunstkreis des Fundortes auch das Gehege liegt, aus dem der Hahn vermutlich entwischt ist. „Die entfernen sich nicht weit“, erklärt der Morsumer.

Bei so einem Prachtexemplar erscheint es unwahrscheinlich, dass er dem Hackklotz entflohen ist. Könnte zu viel männliche Konkurrenz im Hühnerstall ein Grund für die Flucht gewesen sein? „Das ist ein 16er-Hahn, der wird das Sagen haben und sein Revier verteidigen. Das müsste sonst schon mit dem Teufel zugehen“, antwortet Albrecht spontan.

Das müsste es auch, wenn Bernd, wie der Hahn im Tierheim getauft wurde, von niemandem vermisst würde. Wer Besitzansprüche anmeldet, muss die Ringnummer benennen können. Denn es ist kaum zu erwarten, dass der Hahn seinem Besitzer voller Wiedersehensfreude in die Arme flattert.

Als Brathähnchen soll Bernd nicht enden. Sollte sich der Besitzer nicht finden, hat Heidi Seekamp schon jemand vor Augen, bei dem der Hahn ein neues Zuhause bekommen könnte. Deshalb sollte sich auch nur der Besitzer und nicht jede Menge Interessenten beim Tierheim melden.  wb

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