„Die Festnahme war filmreif“

Prozess nach Überfall auf Achimer Vodafone-Shop startet

Verden/Achim - Gerade einmal sechs Wochen liegen zwischen einem Tankstelleneinbruch in Unterstedt und einem Überfall in Achim, die beide auf das Konto eines 30 Jahre alten Angeklagten aus Achim gehen sollen. Die Taten haben dem Drogenkonsumenten eine Anklage wegen besonders schweren Diebstahls, Körperverletzung und schweren Raubes eingebracht. Beim gestrigen Prozessauftakt am Landgericht Verden hat er ein umfangreiches Geständnis abgelegt.

„Das war ein ganz spontanes Ding“, sagte er über den Einbruch am 9. August 2016. Daran waren noch zwei weitere Männer beteiligt. Einer ist bereits verurteilt, den zweiten Namen brauchte er gar nicht zu verraten, den kannte der Vorsitzende Richter Lars Engelke bereits. „Sie wurden so wunderbar geblitzt auf der Flucht, weil sie so schnell waren. Das Foto ist wunderschön“, erklärte der Jurist beim Blick in die Akte.

Zuvor hatte das Trio die Scheibe einer Tankstelle in Unterstedt eingeworfen und 703 Schachteln Zigaretten im Wert von über 5 000 Euro in ein Bettlaken gerafft.

Schlau wollten sie sein und haben das Kennzeichen des Autos, das einem der beiden anderen Männer gehörte, mit Klebebändern unkenntlich gemacht. Laut dem 30-Jährigen wurden die Bänder kurz darauf entfernt. Als dann die Polizei die Verfolgung aufnahm, gab der Fahrer mächtig Gas. „137 in einer 70er-Zone“, konnte der Vorsitzende dem Blitz-Beweis entnehmen.

Die Dilettanten sind dann noch in einen Wald abgebogen und letztendlich im Kreis gefahren, wie der Angeklagte berichtete. Bei Völkersen endete die Flucht.

Filmreife Festnahm

 „Die Festnahme war filmreif“, so der Angeklagte. Einer seiner Komplizen sei verletzt mit den Zigaretten im Auto geblieben. Der Andere sei „sprinten“ gegangen. „Ich bin erst mal raus und habe überlegt: Läufst du oder läufst du nicht. Ich habe mich dann erst tot gestellt. Dann bin ich aufgesprungen und gelaufen. Der Polizist hinterher.“ Dann sei ein Schuss gefallen und er habe sich gestellt.

Um seinen Drogenkonsum zu finanzieren, brauchte er Geld. Am 20. September 2016 sei er so von Sinnen gewesen, dass er in den Achimer Vodafone-Laden ging. Dumm nur, dass er dort auch Kunde war. „Ich habe ihn trotz Sonnenbrille und Mütze sofort erkannt“, sagte der 22 Jahre alte Mitarbeiter gestern vor Gericht. Deshalb habe er die Aufforderung des Angeklagten, die Vitrinen zu öffnen, als Scherz verstanden. Nach Schlägen mit einem Schlagstock gegen sein Knie und auf den Monitor habe er aber den Ernst der Lage erkannt.

Geraubt wurden mehr Handy-Dummys als echte Handys und ein weiterer Zeuge konnte den Räuber in der Fußgängerzone schnappen. Weder körperlich noch seelisch habe die Tat bei ihm Spuren hinterlassen, erklärte der 22-Jährige aus Elsfleth: „Ich habe schon Schlimmeres erlebt, das haut mich nicht vom Hocker.“

Langwieriger könnten die Folgen für den Angeklagten sein. „Ich sehe für Bewährung keinen Spielraum“, so die vorläufige Einschätzung des Vorsitzenden. Ein Urteil könnte bereits am Montag verkündet werden. 

wb

Lesen Sie auch: 

Zunehmende Zahl an Blitzeinbrüchen: „Das sind Profis“

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

Das könnte Sie auch interessieren

28. Jugend-Kart-Slalom in Martfeld 

28. Jugend-Kart-Slalom in Martfeld 

jbs-Maisfeldfete in Westeresch - Teil 2

jbs-Maisfeldfete in Westeresch - Teil 2

jbs-Maisfeldfete in Westeresch - Teil 1

jbs-Maisfeldfete in Westeresch - Teil 1

Kunst Kultur Kirchlinteln

Kunst Kultur Kirchlinteln

Meistgelesene Artikel

Verfolgungsjagd durch die Verdener Innenstadt endet mit Kollision 

Verfolgungsjagd durch die Verdener Innenstadt endet mit Kollision 

Passanten entdecken schwer verletzten Mann 

Passanten entdecken schwer verletzten Mann 

Eskalierende Gewalt: Familien gehen aufeinander los

Eskalierende Gewalt: Familien gehen aufeinander los

Neue Kita-Gruppen, neue Räume – und Namensänderung

Neue Kita-Gruppen, neue Räume – und Namensänderung

Kommentare