Festivalpremiere am Domgymnasium

Grandioser Auftakt für die Maiklänge

Kontrabassist Nabil Shehata und Dr. Dietrich Steincke als Vertreter des Vereins für Musik und Kultur am Domgymnasium gaben den Startschuss für das Festival an der Verdener Schule. - Foto: Bruns

Verden - Von Ilse Walther. „Maiklänge“ haben Nabil und Karim Shehata das internationale Kammermusikfest getauft, das sie mit dem Verein für Musik und Kultur am Domgymnasium veranstalten. Die in Verden aufgewachsenen Brüder, selbst erfolgreiche Musiker, hatten für die Festivalpremiere am Wochenende Kollegen mit internationalem Renommee gewinnen können. Das Kammermusikereignis bot drei verschiedene Konzerte. Am Samstag war der Auftakt dem 220. Geburtstag von Franz Schubert gewidmet, ein grandioser Einstieg in die Konzertreihe.

Auffallend war das intensive Miteinander der Musiker, das sie mit der Musik in verschiedenen Besetzungen in ihr Publikum transportierten. Auch eine kurzzeitige Umbesetzung hatte Nabil Shehata glänzend arrangiert. Der ursprünglich für den Violinpart gewählte Andreu Bielow war verhindert und Alexandra Conunova übernahm seinen Part. Sie spielt derzeit eine auf 1735 datierte Santo-Seraphin-Geige aus Venedig, die ihr die Deutsche Stiftung Musikleben zur Verfügung gestellt hat. Und mit diesem wunderschön klingenden Instrument schien die Künstlerin wie verwachsen und musizierte ausgereift klangschön, makellos, warm, beseelt und mitgehend.

Gemeinsam mit dem Pianisten Eric Le Sage und dem Cellisten Claudio Bohórquez eröffnete sie das Konzert mit dem Klaviertrio B-Dur D 898 (op. 99) von Franz Schubert. Dass hier drei gleichwertige, hoch sensible Musiker zusammengekommen waren, war schon beim ersten Einsatz zu hören. Der Cellist bestach und bewegte sofort durch sein samtenes, warmes und ausgesungenes Spiel. Er genoss sichtlich die Kantilenen, ebenso wie seine Violinpartnerin. Der Pianist ließ durch sein durchdachtes, sowohl dramatisches wie perlend intimes Spiel die Musik leben, sie zum Leuchten bringen, alles mit einer Leichtigkeit und beseelt. Man war einfach sogleich in einem Hörerlebnis drin, wie es schöner nicht sein konnte.

Ein Geben und ein Nehmen

Die drei Künstler gestalteten den ersten Satz der eingängigen Musik Schuberts ungemein abwechslungsreich, ließen Läufe perlen, Pizzicati duftig pochen, hielten die häufigen Pausen bewusst länger aus. Ein ständiges Nehmen und Geben.

Ganz verinnerlicht bot der Pianist den Beginn des zweiten Satzes, die beiden Streicher fügten sich kantabel ein, und in großer Ruhe boten die drei das Andante, einfach himmlisch schön. Das Scherzo war transparent und makellos laufend, das Trio dann herrlich gesanglich in den Streichern.

Graziös und tänzerisch gestaltete das Trio das Rondo mit seinem eingängigen, immer wieder variierten Thema. Diese ausgefeilte, farbige Wiedergabe riss die Zuhörer mit. Sie genossen die pulsierende Interpretation, die mit einem Unisono und zwei kraftvollen Akkorden endete. Schubert in höchster Intensität, bei der auch die feine Melancholie seiner Musik durch- zuhören war.

Selten zu hören ist das Duo Es-Dur WoO 32 „Duett mit zwei obligaten Augengläsern“ von Ludwig van Beethoven, ein hintergründig humorvolles Duett für Viola und Violoncello, wohl für zwei Brillenträger komponiert. Hier spielen Themen miteinander, wechseln durch die Stimmen und sind so ein richtig spannendes Stück Musik.

Die Forelle mit Begeisterung

Hier war der Bratschist Jan Grüning Partner des Cellisten Claudio Bohórquez. Auch er ließ die Wärme des Instrumentes aufleuchten. Da waren ebenfalls zwei Künstler auf Augenhöhe zusammengekommen, die mit feinem Esprit, virtuos, auch im ausgereiften Unisono und in den Dialogen ihren Spaß hatten.

Als großes drittes Werk stand Schuberts „Forellenquintett“ auf dem Programm. Geigerin Alexandra Conunova, Cellist Tim Park, Eric Le Sage am Flügel, Bratschist Konstantin Sellheim und Nabil Shehata am Kontrabass, hatten sich dafür zusammen-gefunden. Es war großartig, mit welcher Begeisterung sie hier das immer wieder gerne gehörte Werk aufführten.

Das vorzügliche Spiel von Nabil Shehata ist bekannt, es fasziniert immer wieder, wie er dem voluminösen Instrument die sensibelsten, dann auch markantesten Klänge entlockt, und das mit einer Leichtigkeit, die besticht. Makellos und fein austariert fügte er sich stets ein, es war ein ständiges, auch fröhliches Miteinander aller fünf.

Welch ein herrliches Zusammenspiel, scheinbar spontan, aber immer voller Spannung genossen die fünf die feinen durchsichtigen Dialoge, die präzisen Akzente, das pulsierende Spiel. Nach dem kraftvoll beendeten ersten Satz ließen die Künstler das Andante verinnerlicht blühen, das Scherzo übermütig laufen, das Trio duftig in großer Ruhe leuchten. Hauptsatz ist nach wie vor der vierte Satz, „Thema con Variationi“ .

Das Ensemble ließ das berühmte Thema empfindungsreich singen. In den Variationen waren die Stimmen unterschiedlich entweder mit dem Thema oder der Begleitung zu hören, alles aber im ständigen gemeinsamen Fluss, so leichtfüßig im Klavier mit dem behutsamen Pizzicato im Kontrabass zu den lieblichen Figuren von Violine und Cello. Das Schlussallegro ging in diesem Sinn weiter, tänzerisch, zupackend, auch emotional gesteigert. Welch eine großartige, hochkarätige Wiedergabe!. So wollte der begeisterte Beifall auch nicht enden. Was für eine „Ouverture“ für das Festival.

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