Fast 50 Jahre im Rathaus: Wolfgang Leseberg geht in den Ruhestand

Der Herr des Stadtsäckels

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Aufräumen im Rathaus: 20 Haushaltssatzungen und unzählige Akten verstaut Wolfgang Leseberg in der großen Kiste.

Verden - Von Ronald Klee. Eine Gänsehaut bekommt Wolfgang Leseberg nicht, wenn er das Wort Ruhestand hört. Das behauptet der Verdener Kämmerer jedenfalls. Nach fast 49 Jahren Dienst im Rathaus verabschiedet sich der Herr des Stadtsäckels in zehn Tagen aus dem Arbeitsleben. Ein ordentliches Stück Stadt- und Verwaltungsgeschichte, das der 66-Jährige begleitet und mitgestaltet hat.

„Nur Ruhe geht nicht“, ist Wolfgang Leseberg jetzt schon einmal ganz klar. Nur Beet- und Rabattenpflege wird ab Februar kaum sein Lebensinhalt bleiben. Arbeit sei für ihn immer ein Stück Lebensqualität gewesen, erklärt er.

Zwei Reformen des kommunalen Haushaltsrechts, eine Verwaltungsreform im Rathaus und eine ganze Reihe von Entwicklungen, die das Bild der Stadt verändert haben, fallen in die fast fünf Jahrzehnte Lesebergs in Diensten der Stadt. Darunter der Holzmarkt inklusive Stadthalle, die Neugliederung der Aller-Weser-Klinik und die Umgestaltung des Nordertors und die Vorhaben am Allerufer.

Dabei hat der gebürtige Rethemer nie die Karriere an die erste Stelle gestellt. „Arbeit muss Spaß machen“, sagt er. Auch die Besoldung könne nicht der einzige Maßstab sein. Dass der Verwaltungslehrling Leseberg aus Rethem einstmals stellvertretender Leiter der Stadtverwaltung werden würde, hatte der Teenager damals in den 70er-Jahren auch gar nicht auf dem Plan.

Wolfgang Leseberg hatte sich nicht einmal bei der Stadt Verden beworben. Der Schulabgänger, der sich heute noch als bodenständig bezeichnet, hatte seine Bewerbung damals im Rethemer Rathaus abgegeben. Dass er in Verden landete, war wieder so ein Glücksfall. Die Stelle in seiner Heimatstadt war nämlich schon besetzt, aber der Verwaltungschef kannte den damaligen Verdener Stadtdirektor Kai Füllgraf gut und reichte die Unterlagen einfach weiter.

So kam es, dass der Azubi seinen Dienst im Verdener Rathaus antrat. Auch, dass es nach der Lehre irgendwann in die Kämmerei gehen würde, war nicht der Plan des Verwaltungslehrlings gewesen. „Ich gehe gerne mit Menschen um, auch heute noch“, ist eher Lesebergs Priorität. Verwaltungsintern war der Mitarbeiter dafür vorgesehen, die Leitung des Ordnungsamtes zu übernehmen. In den 90er-Jahren habe er lange Zeit in der Abteilung gearbeitet, berichtet der Verwaltungsmann.

Sachaufgaben und

Entscheidungen

„Da ging es um Sachaufgaben. Manchmal stand man vor Entscheidungen, für die eine rechtliche Grundlage nicht zu schaffen war“, erklärt er. Eine gute Vorbereitung für die Arbeit als Kämmerer, für den es im Haushaltsrecht für alles und jedes Vorschriften gebe.

Es war der langjährige Kämmerer Heiner Falldorf gewesen, der die Weichen dazu gestellt hatte, dass Leseberg dann nicht das Ordnungsamt, sondern die Finanzen übernahm. „Ich habe nie bereut, dass ich Ja gesagt habe.“ Freiwillig machte Leseberg sogar noch ein Jahr länger, als er das Pensionsalter erreicht hatte. Voraussetzung war für ihn nur das uneingeschränkte Vertrauen des Rates. Und das wurde ihm ausgesprochen.

Insgesamt 20 Haushalten hat der Stadtrat zugestimmt, die unter Lesebergs Ägide aufgestellt wurden. Und befriedigt stellt der Kämmerer fest: „Die Finanzen stimmen.“ Sicher habe das mit sprudelnden Steuerquellen zu tun, aber auch mit seiner Vorsicht bei der Berechnung von Einnahmen und Ausgaben. Ein solches Augenmaß empfiehlt er auch seinem Nachfolger Andreas Schreiber.

Leseberg selbst zieht sich nicht in den Ruhestand zurück. In Rethem will der Sozialdemokrat bei der Kommunalwahl wieder für Gemeinde- und Samtgemeinderat kandidieren. Auch die Arbeit als Vorsitzender seines heimischen Sportvereins wird den HSV-Fan von Beeten und Rabatten fern halten. Selbst für die eine oder andere Sonderaufgabe in Verden kann er sich vorstellen, ein offenes Ohr zu haben. Im Rathaus bleibe ihm jetzt nur noch eine große Aufgabe: „Den Abschied mit Würde absolvieren.“

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