Fast ein Drittel der Hausärzte ist über 60 / Kampagne

Landarztpraxis: Nachfolge gesucht

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Ärzte praktizieren lieber in der Stadt.

Landkreis - Die Versorgung mit Hausärzten ist zurzeit ausreichend. Das hatte der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Michael Schmitz, im Kreishaus berichtet. Die Vorzeichen für die Zukunft sind mit Blick auf die Veränderung der Altersstruktur aber nicht so rosig. Bereits jetzt weist die Versorgung im Kreisgebiet große Unterschiede auf und weitere Verschiebungen sind zu erwarten. Viele Ärzte nähern sich dem Rentenalter. Praxen stehen vor einem Generationswechsel, aber die Nachfolger stehen nicht Schlange.

„Ärztlich willkommen“ heißt eine Initiative, in der sich 26 Kommunen aus den Landkreisen Diepholz, Nienburg und Verden mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und regionalen Wirtschaftsförderungen zusammengetan haben. Ihr gemeinsames Ziel ist, Hausärzte aufs platte Land zu locken. Das Interesse des medizinischen Nachwuchses sei allerdings nicht sehr groß, hatte Michael Schmitz, KV-Geschäftsführer in Verden, dem Sozialausschuss des Kreistags berichtet. Die Absolventen der medizinischen Hochschulen träumten eher von einer gut gehenden Facharztpraxis in einem attraktiven städtischen Umfeld.

Zugleich aber wachse gerade in ländlicheren Bereichen der Druck, die ärztliche Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Eine große Zahl der Hausärzte nähere sich der Altersgrenze, könne aber keine Praxisnachfolge finden. Das allein werde in den nächsten Jahren für eine Abnahme der Zahl der Praxen sorgen. „30 Prozent der Ärzte sind über 60 Jahre alt“, hat Schmitz ermittelt. Auch die Altersstruktur ihrer Patienten verschiebe sich. Und mit dem wachsenden Anteil von Senioren an der Bevölkerung wachse auch der Bedarf an medizinischer Versorgung.

Bereits jetzt ist die Zahl von Einwohnern pro Hausarzt je nach Gemeinde im Landkreis überraschend unterschiedlich. Der Versorgungsschlüssel ordnet einem Arzt in Ottersberg 998 potenzielle Patienten zu, während sein Kollege in der Samtgemeinde Thedinghausen für 2443 Einwohner zuständig ist. Das sind die Extreme. Der Durchschnitt in der Aufstellung für den Raum Bremen aus dem Jahr 2013 liegt bei gut 1800 Patienten pro Arzt.

Unter dem Motto „Ganz gelassen niederlassen. In Niedersachsens Mitte.“ will die Initiative von KVN und Kommunen jetzt Mediziner und ihre Familien aktiv ins Ländliche locken. Ganz bewusst werde da eine Gesamtregion in den Blick genommen, erklärt Schmitz. Das entspreche auch dem Bevölkerungsverhalten: „Die Leute bewegen sich.“ Wenn die Versorgungsstruktur der Zukunft geplant werde, könne das nicht mehr nur mit der Perspektive von einem Kirchturm aus angegangen werden.

Das Zentrum der Ende Juli gestarteten Kampagne ist eine Website. Unter www.aerztlich-willkommen.de sind Informationen zur Region sowie zu gezielten Förderungsmöglichkeiten durch die Kommunen und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsens gebündelt. Zahlreiche Angebote versuchen, Hürden abzubauen und sollen Interessierten den Weg in die eigene Praxis auf dem Lande erleichtern.

kle

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